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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-07-20 · Heft 29 (20.7.1880) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 29 (20.7.1880)
Date
1880-07-20
Page
Seite 459 (sequence 11)
Language
German
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459 außer der alljährlichen General-Versammlung noch in kleineren! sehr die Folgen der ihnen aufgezwungenen Abforderung als Bezirken öftere Conferenzen stattfinden mögen, vr. Brann die Veranlassung einer fortgesetzten Ausschließung. Im Jahre (Breslau) begrüßt den Antrag mit Freuden und macht darauf aufmerksam, daß bereits Ascher (Kkrotoschin) dem Vor- 1781 sprach Mendelssohn das erlösende Wort: „Ich verspreche mir sehr gute Wirkung von dem unter meinen Brüdern aufstande einen gleichen Vorschlag gemacht habe. Redner meint, kommenden Gebrauch der modernen deutschen Mundart!" daß der Gedanke für die Entwicklung des Vereins sehr fruchtbar sein werde. Die Anregung zur Wahl eines Themas für Durch das älteste Buch der Welt zur allgemeinen Bildung, durch gediegenes Wißen im Hebräischen zur gründlichen derartige Conferenzen sei durch die Correspondenz des Lehrers Kenntuiß des Deutschen, durch religiöse Erkenntniß zum rich- Goldstein (Gleiwitz) mit dem Vorstände gegeben. Der Erstere tigen Berständniß des Lebens. Das waren des genialen Erhöbe sich an den Vorstand gewandt, mit der Bitte, sich für ziehcrs einer ganzen Glaubensgemeinschaft zwar nicht ausseine Methode beim hcbr. Unterricht, die in seinen Schulgesprochene, aber consequent durchgeführte methodische Grundbüchern „erstes Buch Moses für die israel. Jugend bearbeitet, sätze, die das verottete Cheder zur geordneten Schule heran- Th. l. und II." niedergelegt sei, auszusprechen. Redner ist der Meinung, daß die Gen. - Vers, sich aus mannigfachen bildeten und neues Leben aus den Ruinen erblühen ließen. Die allgemeinen Grundzüge wurden durch Hartwig Weffcly Gründen auf eine derartige Empfehlung nicht einlasien könne, und Her; Homberg näher ausgeführt. Ihre Ausführungen den event. zu Stande kommenden Conferenzen aber die Anweisung geben möge, sich über die beste Methode des hebr. Unterrichts zu äußern. Ascher (Krotoschin): Ein Zwang solle nicht auf die Local-Conferenzen ausgeübt werden. Die Discussion sei frei, nur eine allgemeine Tircctive möge ihnen gegeben werden. Der Antrag Blumenfeld wird einstimmig acceptirt. Den Vertrauensmännern wird die weitere Organisation der Conferenzen überlasten, und der von vr. Brann (Breslau) erwähnte Gegenstand als Thema besonders empfohlen. Es folgt eine eingehende Debatte über die tiefbetrübenden Erscheinungen, welche die antijüdischc Strömung des letzten Jahres zu Wege gebracht. Man war darüber einig, daß die jüdische Schule vom confessionellen Hader sich nicht dürfe beirren lasten. Sie werde vielmehr, nach wie vor, ihren Zögfanden jubelnden Beifall bei Allen, die nach Bildung und Aufklärung lechzten, erbitterte Anfeindung und Verketzerung bei Allen die der irrigen Ueberzeugung waren, daß das Judcnthum mit der polnisch-jüdischen Mißwirthschaft identisch sei. Schon 1778 entstand die jüdische Freischule zu Berlin, deren Begründung und Entwicklung edle Wohlthäter von ächt jüdischem Gemeinsinn beseelt förderten. Bisher batten sich die reichsten Leute den Luxus eines Hofmeisters gestatten der Berathung i können, der in anderen Lehrgegenständen, im Berständniß der ' Bibel und des Gebetbuchs, wie im Gebrauch der jüdischen Cursivschrift unterrichten konnte. Hier wurden die nothwendigcn Elemente des Wissens in weitere Kreise, besonders in die reiferen Volksschichten hineingetragen. In Mendelssohns Geburtsort entstand schon 1786 eine zweite trefstiche Erziehungsstätte für jüdische Kinder, durch tüchtige Leitung und lingen als die obersten Grundsätze der Sittenlehre die Worte! nicht minder tüchtige Lehrkräfte ausgezeichnet. Pr. David der Schrift einschärfen: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" und: „Haben wir nicht Alle Einen Vater? Hat nicht Ein Gott uns geschaffen? Warum sollen wir einer gegen den andern treulos sein." Bortrag des vr. Cohn Oels. Wenn trotz der augenblicklichen unfteundlichen Gesinnung eines großen Theiles unserer Mitbürger unsere deutschen Glaubensgenosten durch ihren Wiffensdrang, durch ihre Intelligenz und ihre Leistungen auf dem Gebiete der Kunst und Wistenschaft eine Achtung gebietende Stellung einnehmen, so sei diese segensreich vollzogene Emancipation des Geistes die herrlichste Frucht des Baumes, desten Keim vor hundert Jahren Moses Mendelssohn in das fruchtbare Erdreich gelegt. Was der berühmte Schweizer Pädagoge für die allgemeine Erziehungslehre geleistet, das habe die jüdische Schule der lichtvollen Anleitung Mendelssohns zu danken. Sprache und Sitten ließen vor hundert Jahren die Bekenner des Judenthums ihre andersgläubigen Landsleute in unserem Vaterlande als Fremdlinge erscheinen. Sie wurden ebenso- Fränkel war der Director; Männer, wie Gotthold Salomon, Moses Philippson, vr. Reumann; (nachmals Director der Köngl. Wilhelmsschule in Breslau) waren Lehrer an dieser „jüdischen Haupt- und Freischule." Im Jahre 1791 richtete der Profestor Jo?l Lewe die unter obrigkeitlicher Aufsicht stehende König!. Wilhelmsschule in Breslau ein. Der um die jüdische Pädagogik hochverdiente Geh. Rath Jacobson und sein Schwager Herz Samson riefen die noch heute blühenden Schulen in Seesen und Wolfenbüttel an der Schwelle des neuen Jahrhunderts ins Leben, und 18('4 entstand unter der thätigcn Mitwirkung des edlen Meier Anselm Rothschild und seines aufgeklärten und gebildeten Buchhalters Siegmund Gcisenheimer das Philantropin in Frankfurt a>M. Welchen Umschwung in zehn Jahren! 1794 hatte der Frankfurter Oberrabbiner auf Verlangen des Gemeinde-Borstandes die Errichtung einer deutschen Schule durch Androhung des Bannes — selbstverständlich mit Erfolg — verhindert. Wie früher zu den Jeschiboth zogen Jünglinge aus allen Gegenden Deutschlands nach den neuen modernen Bildungsstätten.

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