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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-07-20 · Heft 29 (20.7.1880) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 29 (20.7.1880)
Date
1880-07-20
Page
Seite 458 (sequence 10)
Language
German
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458 während in jüngster Zeit die othodox-protestantischen Pastoren schaarenweise gegen die Inden auftreten und sie mit den empörendsten Verleumdungen überschütteten, die Prediger der freireligiösen Richtungen sich bewogen fühlten, gegen jene das Amt des Bertheidigers der Juden zu übernehmen. Wir haben fchon der Schriften und Artikel der Herren Prengel in Königsberg, Karl Scholl in Heidelberg u. A. ausführlich gedacht, und fügen heute gern hinzu: „Zur Bernfsthätigkejt der Juden. Gegen den Vorwurf ihrer Arbeitsscheu. Von L. Rost, freiproteft. Pfr. in Alzey. Alzey, Weiß, 1880." Je mehr Borurtheile und Verdunkelungen der Wahrheit die orthodoxen Pastoren uns gegenüber auf den Markt bringen, desto mehr bemühen sich diese freisinnigen Männer, die Unrichtigkeit jener Anschuldigungen zu erweisen und dadurch dem Recht und der Wahrheit zu Hülfe zu kommen. Der Vers, hat sich den Vorwurf der Arbeitsscheu, den die Hetzer so oft vortragen, zum Gegenstand der Untersuchung gewählt und zwar einer gründlichen geschichtlichen Untersuchung. In kürzeren Thesen stellt er den Verlauf feiner Erwägungen hin und führt deren Beweis in Anmerkungen durch ein reichliches Material. So behandelt er seinen Gegenstand in 3 Abtheilungen, vom Anfang des Volkes bis zur Erhebung des Christenthums zur römischen Staatsreligion (323); von da bis zur ersten Emanzipation (178!)) und von da bis jetzt. Jnteresiant besonders ist die zweite Periode, wo der Vers, in vier Pulsen (323, 600, 1006, 1450.) „Die wachsende Beschränkung der jüdischen Arbeit, der Berufsthätigkeit der Juden durch das Christenthum vermittelst einschneideuder gesetzlicher Bestimmungen", darstcllt. So kommt er schließlich zu dem Resultate: „Die Rede von der anhaftenden Arbeitsscheu der Juden beruht auf Unkenntniß oder Haß." Wer über diese Frage eine gründliche und unparteiische Belehrung sucht, sindet sie in diesem Schriftchen, das wir zu allgemeiner Kenntnißnahme empfehlen. Dem christlichen i!eser wird es genehm erscheinen, daß der Berf. sich überall allein christlicher Quellen und Arbeiten bedient, und alle jüdischen Leistungen auf diesem Gebiete ignorirt, mit Ausnahme der jüngsten Broschüren von Breßlau, Joöl und Lazarus. Wenn wir sonst gegen eine solche Hintenansctzung protestiren, so ist sie uns in diesem Falle um der Gegner willen ganz willkommen. Sie können den Berf. der Benutzung parteiischer, jüdischer Quellen und solcher literarischer Hilfsmittel nicht zeihen. Wir bedauern nur dabei, daß deshalb das Beweismaterial nicht so reich geworden, wie es fein konnte, und der Verf. zu oft den statiftischeu Angaben eines Glagau, Niendorf, Marr folgt, deren Unrichtigkeit und Willkürlichkeit wir so oft fchon nachgewiesen haben. — Feuilleton. Lorrespon-enz. Breslau, 21. Mai. Die ordentliche Generalversammlung der llnterstützungseaffe des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen fand am 1'.». Mai in Lissa (Posen) unter dem Vorsitz des Dr. Samuelsohn (Breslau) statt und berichtete derselbe über die Vereinsthätigkeit im abgelaufenen Jahre. Es hatten 35 Beitrittserklärungen stattgefunden. Mit der Unterschrift vieler der einflußreichsten Männer beider Provinzen versehen, wurde ein Aufruf zu Spenden für den Fonds der Unterftützungskasfe in etwa 2000 Exemplaren verbreitet. Als Ergebniß konnte mitgetheilt werden, daß die Gesammtsumme der Beiträge zum Fonds fammt denen der Lehrer, der ordentlichen und Ehrenmitglieder gegenwärtig 7064 Mark 3 Pf. beträgt. Auf das Gesuch um die landesherrliche Bestätigung der Statuten wandte die k. Regierung ein, daß die organische Verbindung der Casse mit dem Lehrcrvereiu die Bestätigung verhindere, da diese der Casse die Rechte einer juristischen Person ertheilen würde, während der Hauptverein diese nicht besitze. Auch wurden einige Veränderungen in den Statuten verlangt. Unter dem Beirath des Herrn Dr. Honigmann beschloß der Vorstand, nach dem Willen der k. Regierung die beiden Vereine von einander zu trennen und stimmte damit die große Mehrheit der Mitglieder überein. Die endgültige Genehmigung der t Regierung ist noch nicht eingetroffen. Die nächste Generalversammlung soll zu Breslau in den Psingstferien stattnnden. In unmittelbarem Anschluß wurde nun die Generalversammlung israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen abgehalten. 1>r. Braun (Breslau) erstattet den Bericht. Zu den 102 Mitgliedern des Vereins traten 11 hinzu, 10 aus, fodaß er gegenwärtig 103 zählt. Die Caffe, die am 2. Juni 1870 mit einem Deficit von 77 Mark abschloß, besitzt gegenwärtig 61 Mark 16 Pf., obwohl sie die Vorarbeiten für die Gründung der llnterstützungscaffe zum größten Theil bestritten hat. In den Vorstand wurden Badt, Braun und Samuelsohn (Breslau), Herbst (Liffa), Cohn (Qels), Blumenfeld (Schweidnitz), Waffertrilling (Bojanowo) gewählt. Darauf hielt Dr. Eohn (Qels) einen Vortrag über „die Entwickelung des jüdischen Erziehungswesens in Deutschland seit Moses Mendelssohn", den wie weiter unten mittheilen, und für welchen die Versammlung dem Redner einen Dank votirte. Es folgt der letzte Punkt der Tages - Ordnung: „Freie , Besprechungen." Blumenfeld (Schweidnitz) beantragt, das

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