Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1880)
- Date
- 1880-07-20
- Page
- Seite 456 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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456 Seelenzahlen erfahren wir nichts. Außer dem Centralconsiftorium ist Frankreich, einschließlich Algerien, in II Confistorialsprengel getheilt, wozu nach dem jüngsten Votum zukünftig ein Consistorium zu Besan^on kommt. Der Sprengel von Paris befaßt außer Paris, wo sich 3 Synagogen nebst 1 für den portugiesischen Ritus, 6 Rabbiner und 9 Borbeter befinden, noch I I Gemeinden mit 2 Rabbinern und 6 Vorbetern. 2) Der Sprengel von Nancy hat 21 Gemeinden mit 4 Rabbinern und 10 Vorbctcrn. 3) Ter Sprengel von Lyon mit 12 Gemeinden, 4 Rabbinern, 5 Vorbetern. 4) Der Sprengel von Bordeaux mit 4 Gemeinden, 2 Rabbinern und 4 Vorbetern. 5) Der Sprengel von Bayonne mit 6 Gemeinden, 2 Rabbinern und 4 Borbetern. 6) Der Sprengel von Marseille mit 18 Gemeinden, 4 Rabbinern und 8 Borbetern. 7) Der Sprengel von Vesoul mit 25 Gemeinden, 4 Rabbinern und 23 Vorbetern. 8) Ter Sprengel von Lille mit 12 Gemeinden, 5 Rabbinern und 11 Borbetern. 9) Der Sprengel von Algier mit 14 Gemeinden, II Rabbinern und 6 Borbetern. 10) Ter Sprengel von Oran mit 26 Gemeinden, 3 Rabbinern und 31 Vorbetern. II) Der Sprengel von Konstantine mit 21 Gemeinden, 2 Rabbinern, 31 Vorbetern. Die Gesammtsummcn ergeben sich folgendermaßen: 171 Gemeinden, 49 Rabbiner, 127 Borbeter. Bemerken wollen wir noch, daß von den 12 Consistorialrabbinern 6 mit der Ehrenlegion decorirt sind, und außerdem ein Rabbiner in Paris, Herr Lazar. Schweiz. Genf, 7. Juli. Da in dieser Zeit, eine Correspondenz von hier über den Senatsbeschluß referirt hat, welcher durch ein Gesetz das Prineip der Trennung der Kirche vom Staate aussprechen sollte, so müssen wir auch vermerken, daß der betr. Gesetzentwurf bei der Volksabstimmung am letzten Sonntag von 9366 Stimmen gegen 4064 verworfen worden ist. Immerhin ist die Minorität, ein Drittel der Votanten, nicht unbedeutend zu nennen, und daß der Gegenstand eine sehr lebhafte Theilnahme im Volke hervorgerufen hatte, erwies sich aus einer öffentlichen Kundgebung, durch welche das Ergebniß der Abstimmung auf dem Marktplätze wie in der Kirche gefeiert wurde. Rußland. Kiew, im Juni. Bekanntlich wird jetzt in einigen europäischen Militärstaaten die Frage eifrig erörtert, ob diejenigen jungen Leute, welche zum Militär nicht eingezogen werden, mit einer Steuer zu belegen seien. Die jüdische Gemeinde in Kiew hat diese Frage für sich selbst entschieden, indem sie allen jungen Leuten, die vom Militärdienst frei bleiben, eine Steuer von 50 Rubeln auferlegte, mit der Bestimmung, daß der Ertrag dieser Steuer nach Bedürfniß zu Gunsten der Familien derer, die in das Heer eingetreten, während ihres Militärdienstes verwendet werde. Rumänien. Bukarest, 17. Juni. Daß trotz der judenfeindlichen Richtung der rumänischen Gesetzgebung und der ungünstigen Stimmung dennoch in kurzer Zeit eine Anzahl Juden eine öffentliche Stellung erlangt hat, beweist, daß das Bedürfniß stets die stärkste Macht ist, und daß auch unter den rumänischen Juden bedeutende geistige Kräfte sich befinden. Bereits hat ein Israelit in Bukarest, Marco Fareby und in Jassy S. A. Goldenthal die Advocatur erhalten. An der Facultät der Wissenschaften ist der Lehrstuhl der Mathematik Herrn Emanuel David überwiesen worden. Die Bürgermeisterei Neamtzu hat den Dr. Mauriziu Moscowitz zum Oberarzt des städtischen Hospitals erwählt. In Galatz ist M. Brociner bei der Douane angestellt und im Minsterium des Auswärtigen Herr Ronetti Roman mit einem Vertrauensposten bekleidet. Es ist dies gewiß ein guter Anfang. Während Rumänien seine jüdische Bevölkerung noch immer stiefmütterlich behandelt, beginnt es, sich der geistigen Kräfte in derselben zu bedienen. Man weiß, daß es Staaten giebt, die sich einer höheren Cultur rühmen und in denen in Bezug auf die Juden die entgegengesetzte Methode befolgt wird. Amerika. New-Aork, 18. Juni. (.lew. Advance.) Ein neuer Ber ein hat sich unter dem Titel: „Unabhängige vereinigte jüdische Gesellschaft (Independent United Hebrew Association)" zum Zwecke, jüdischen Einwanderern beizustehen, gebildet. Seine Beamten sind: Hyman Manaschewitz, Präsident, H. Simanski, Secretär, und S. Aronson, Schatzmeister. (Den Namen nach sind es vorzüglich Polen, welche den Verein bildeten.) New-4)ork, 20. Juni. (Privatmitth.) Bor Kurzem haben mehrere hiesige Zeitungen mit sehr bitteren Bemerkungen die Nachricht ventilirt, daß die Corpsverbindung Borussia an der Universität Breslau den Beschluß gefaßt habe, keinen Juden, auch nicht getauften, die im dritten Glieds von Juden abstammen, den Eintritt in das Corps zu gestatten. Die Sache ist nur lächerlich, da dieses Corps nur sehr geringzählig ist und in seinem Beschluß völlig vereinzelt da steht, aber auch in Nordamerika fehlt es an solchen Akten des Mittelalters nicht, nur daß hier zu Lande solche Dummheiten aus bloßer Speculation betrieben werden. Bekanntlich hat ein gewiffer Hilton vor 2 Jahren den jüdischen Banquier Seligmann aus seinem Hotel in Saratoga gewiesen, und im vorigen Jahre folgte ein Hotel auf Coney Island diesem Beispiele. In diesem Jahre machte ein deutsches Hotel an demselben Orte den Ausschluß von Juden als seine Devise bekannt. Die Excommunication traf aber zunächst