Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1880)
- Date
- 1880-07-13
- Page
- Seite 443 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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443 llebelstände nach sich zieht. Die Großmächte, welche Rumänien! gegenüber den ersten Schritt gethan, die Bestimmungen des^ Berliner Vertrages unberücksichtigt zu lassen, erleben jetzt, daß I ihre Abmachungen auf der Balkanhalbinsel und von den durch! sie gestifteten Staaten wenig Beachtung finden, so daß die; orientalische Frage mit allen ihren Wirrsalen schon so gut wie wieder ans der Tagesordnung steht. Bonn, 4. Juli (Notizen.) Wir haben jüngst (Nr. 16) einen Nachruf der George Sand auf den Pariser Buchhändler Michel Levy gebracht, der über den reinen Charakter dieses Mannes, namentlich in geschäftlichen Angelegenheiten, das glänzendste Zeugniß ablegte. Dennoch schrieb ein gewisser Alexandre in Macon einen Schmähartikel gegen den Verstorbenen, und bezichtcte ihn, unehrenhaft gegen Lamartine gehandelt zu haben. Der Bruder Michel's, Herr Calmann Levy, strengte deshalb eine Verleumdungsklage gegen den Pamphletisten an, und brachte so überzeugende thatsächliche Beweise vor, daß der Angeklagte zu einer Geldstrafe und zu einer hohen Entschädigungssumme verurtheilt ward. Selbstverständlich überließ Calmann Levy die letztere den Armen der Stadt Macon. Bonn, 24. Juni. (Literarische Notizen). Bon dem rühmlichst bekannten „Neuhebräischen und Chaldäischen Wörterbuch" über die Talmudim und Midraschim von Rabbiner Professor Dr. I. Levy (Brockhaus, Leipzig 1880) ist die 12- Lieferung erschienen. Sie befaßt bis führt also das - noch nicht zu Ende. Wenn so die Fortsetzung und Vollendung des Ganzen Werkes, dessen Bedeutung bereits allgemein anerkannt ist, sich länger verzögert als es den Wünschen der Abonnenten entspricht, so wird man durch die noch vermehrte Sorgfalt und Gründlichkeit in der Bearbeitung der einzelnen Artikel bestens entschädigt. — Auch von der Schrift: „Aus Aegyptens Vorzeit von Prof. Dr. F. I. Lauth (Berlin, Hofmann, 1880)" ist das zweite Heft erschienen und befaßt „die historischen Zeiträume, nämlich den Protomonarch Menes und das Herrscherhaus der Theeinyten, die Dynastien von Memphis, die großen Pyramiden und den Androsphinx, die Elephantiner und die Dreitheilung des Reiches. Wir verweisen im Allgemeinen auf unser früheres Referat. Am interessantesten ist das Kapitel über die Pyramiden und den Sphinx. Der Verfasser kritisirt alle bisherigen Ansichten über diese geheimnißvollen Monumente und kommt zu der Ansicht, daß die Pyramiden zwar Grabdenkmäler der Könige sind, zugleich aber eine mathematisch-astronomische Bedeutung haben, wie sowohl ihre Richtung und Gestalt, als auch die zu Grunde liegenden Maße erweisen, die zwar bei den einzelnen Pyramiden variiren, aber doch demselben System folgen. Weniger überzeugend weiß der Berfasier seine Deutung des Sphinx zu machen, der, zugleich im Gegensatz und im Zusammenhang mit der Pyramide, die Hoffnung, speziell das elysäische Gefilde nach egyptischer Vorstellung symbolisiren soll, was ihm nur auf sehr künstlichem Wege nachzuweisen gelingt. Die Errichtung der drei großen Pyramiden von Gizeh setzt er zwischen 3405 und 3288 vor der gew. Zeitr., also lange vor Joseph, ja vor Abraham. — Wir haben es schon früher als ein günstiges Zeugniß für die wachsende Verbreitung der russischen Sprache unter den dortigen Juden angesehen, daß der von Herrn Gurland herausgegebene jüd. Kalender in russischer Sprache sich nicht blos erhält, sondern an Verbreitung gewinnt. Ein Luach gehört zu den Bedürfnissen des Hauses und wo er sich in einer bestimmten Sprache einheimisch macht, muß diese die Sprache des Hauses geworden sein. Es liegt uns der vierte Jahrgang auf das Jahr 5841 vor. — Wenn es noch sehr zweifelhaft ist, ob und wann in Berlin eine Lefsingstatue errichtet werde, so freut es uns, einstweilen über ein anderes Denkmal für den unsterblichen Denker und Dichter, das in Berlin erscheint, berichten zu können: „Gotthold Ephraim Lefsing. Sein Leben und seine Werke. Bon Th. W. Danzel und G. E. Guhrauer. Zweite berichtigte und vermehrte Auflage. Hcrausgegeben von W. von Maltzahn und R. Borberger. I. Lieferung Berlin, Hofmann 1880." Jeder Sachkundige weiß, daß das Danzelh'che Werk an sich und noch mehr durch die Zusätze von Guhrauer durch Gründlichkeit, Klarheit und Unparteilichkeit bei aller Liebe und Begeisterung eine der ausgezeichnetsten Biographien ist, die wir besitzen. Inhalt und Styl sind dem Geiste Lessings entsprechend. Es ist daher ein verdienstvolles Unternehmen, eine neue Auflage herzustellen, welche zugleich den Fortschritten folgt, die seitdem auch auf dem bezeichneten Gebiete gemacht worden sind. Der Text wurde von den Herausgebern nur insofern geändert als thatsüchliche Berichtigungen und die Ergebnisse eigener und fremder Forschung Aufnahme gefunden haben, wohingegen abweichende ästhetische Ansichten in Anmerkungen ihren Platz fanden. Die außerordentlich angewachsene Lessingliteratur wurde sorgfältigst berücksichtigt. Endlich haben die in neuester besonders zahlreich gewordenen Angriffe aus dem gegnerischen Lager gebührende Abfertigung gesunden. Das ganze Werk erscheint in 15 Lieferungen, monatlich zwei. Diese erste Lieferung schildert das väterliche Haus und die Familie Lessings, sein Leben auf dein Gnmnasium und seine Studienzeit in Leipzig. Daß das Werk eine allgemeine Verbreitung finde, wird sicherlich kein bloßer Wunsch bleiben. — 28*