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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-07-13 · Heft 28 (13.7.1880) · p. Seite 442

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 28 (13.7.1880)
Date
1880-07-13
Page
Seite 442 (sequence 10)
Language
German
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442 Pfau fort, „seit Beginn dieses Jahres von der Mitarbeiterschaft an der „Frankfurter Zeitung" zurückgetreten bin, konnte das „Bolksblatt" allerdings nicht wissen; aber feine Ansicht, daß mich diese Mitarbeiterschaft zur Vertheidigung des Judenthums bewogen habe, ist nichtsdestoweniger bezeichnend für eine Frömmigkeit,' welcher nur egoistische und persönliche Motive geläufig sind und die nicht begreifen kann, daß einem Demokraten der bloße Gerechtigkeitssinn genügt, um die Sache Mißhandelter zu der Seinigen zu machen. Wenn das „Volks blatt" mir vorwirft, daß ich an dem „Katholiken" verhöhne, was ich an dem „Juden" hoch erhebe, und damit die beiderseitige Freigebigkeit asfimilirt, so sieht jedes Schulknäblein ein, daß es zweierlei ist, ob man sein Geld zur Unterstützung bedürftiger Mitmenschen verwendet, oder ob man es für Klöster, Wallfahrten, Messen und für das Wohlleben geistlicher Schmarotzer verwendet. Und was endlich das „Ausnicht wieder erwecken," rief er dem Minister zu, „und Sie thuen recht daran. Ich fordere es nicht." Ist das nicht sehr schön von dem edlen Herzog? Er übersah dabei nur das eine, daß diese Napoleonische Gewaltmaßregel, welche sämmtlichen Juden für Handel und Verkehr die drückendsten Formalitäten aufbürdete, die übrigens den Christen ebenso nachtheilig waren wie den Juden, von vornherein im Gesetze selbst nur auf 10 Jahre festgestellt war, nach deren Ende sie natürlich erlosch. Es heißt in dem Gesetze Art. 18: „Die Anordnungen des gegenwärtigen Decrets sind nur auf 10 Jahre beschränkt." Als 1818 ein Marquis von Votier an die Pairskammer eine Petition richtete, welche die Erneuerung des Decrets für eine zweite zehnjährige Periode verlangte, verwarf die Kammer auf den Bericht des Grasen von Lanjuinais die Petition durch den einfachen Uebergang zur Tagesordnung (Moniteur vom 12 Februar 1818). Diese Berichtigung des saugen" betrifft, so haben alle Juden der Welt die Völker übereifrigen Herzogs gab der Großrabbiner Zadoc Kahn in nicht so ausgesaugt, als wie das ewig die Hand herhaltende einem von den Pariser Blättern veröffentlichten Briefe. — Rom, diese Haupt- und Residenzstadt des Beitels, deren Routine I Am 14. Juni waren es f>0 Jahre, daß die Franzosen in in geschäftlicher Ausbeutung des Aberglaubens dem Erwerbs-! Algier landeten und die Eroberung des Raubstaates begonnen, sinn der ganzen Judenheit weit überlegen ist. Von den Juden-! Merkwürdiger Weise fand eine Feier dieses Tages nicht statt. Verfolgungen schweigt natürlich das fromme Blatt." — Eine! Für die Israeliten Algeriens brachte dieser Tag die Erlösung kräftige Unterstützung dieses unparteiischen Organs, desj von schweren Leiden, wenn auch noch 40 Jahre vorübergehen Beobachters, ist Pflicht jedes Israeliten, dem eine Vertretung mußten, ehe sie die volle bürgerrechtliche Stellung erhielten. — der jüd. Interessen in einem solch' geachtetem Blatte nicht In der Sitzung der Teputirtenkammer vom 24. Juni wurde gleichgültig ist, und zwar um so mehr als neulich in dem!*bci der Bcrathung des israelitischen Cultus Budgets eine New-Parker „Schwäbischen Wochenblatte" der Beobachter> Mehrausgabe von 8200 Frcs. behufs Errichtung eines neuen wegen seiner judenfrcundlichen Artikel von einem Württem-! Consistoriums Besan^on votirt, nämlich 2000 Frcs. für den berger — man sagt jüdischer Confession — verhöhnt wurde. Letzten Sonntag fand in Heilbronn der Delegirtentag der fränkischen Bezirksarmencaffe für israel. durchreisende Arme statt. Die meisten der betheiligten Gemeinden haben ihre Fortbetheiligung wieder erklärt und es haben sich im verfloffenen Jahre auch mehrere Gemeinden des Donau- und oberen Neckarkrcises (Göppingen, Eßlingen) angeschlossen, und dürfte dieses Beispiel noch weiter Nachahmung finden. Frankreich. Großrabbiner, 1000 Frcs. für den Borbeter und 200 Frcs. Verwaltungskosten. Tie Gesammtsumme des isr. Cultus Budgets beläuft sich hierdurch auf 20,000 Frcs. Rumänien. Bukarest, im Juni. Als ein recht schlagendes Beispiel, wie die Rumänen das individuelle Naturalisationsgesetz verstehen, das sie dem Art. 44 des Berliner Vortrages unterzuschieben vermochten, kann angeführt werden, daß die rumänische Teputirtenkammer das Naturalisations-Gesuch des 1>r. Paris, 4. Juli. In der «itzung des Senats vom 24.; Sigismund Steiner ohne eine Discussion por majora ver- Juni sprach sich der Herzog D'Audiffrct Pasquier gegen die morsen hat, obschon der Bericht dargethan, daß der Gedachte bekannten Märzdrecrete der französischen Regierung aus, durch in Runiänien geboren, das; auch seine Eltern geborne Rumänen welche die Niederlaffungen der vom Gesetze nicht geduldeten seien und daß sein Vater 1801 wegen seiner Verdienste um katholischen Orden geschlossen werden sollten. Bekanntlichj das Land zu einer hohen Stellung berufen worden sei. I)r waren die diese Orden betreffenden älteren Gesetze niemals! Sigismund Steiner selbst hat vom Fürsten die Medaille des aufgehoben, aber auch seit Decennien nicht beachtet worden. Sterns von Rumänien wegen der den rumänischen Verwundeten Ter Herzog, der früher sich liberal gerirte, diesmal aber den! während des letzten Krieges unentgeltlich geleisteten Pflege Clericalcn in eifrigster Weise herausstrich, berief sich darauf, erhalten. Eine solche Verweigerung des ebenso verdienten daß es ja auch noch andere ältere Gesetze gäbe, die hintenangesetzt werden, z. B. das Gesetz vom 17. März 1808. das „für die Israeliten so streng, so hart sei." „Sie werden es als natürlichen Rechtes ist charakteristisch genug, um auch dem Voruriheilsvollsten die Augen zu öffnen. Aber auch hier zeigt sich, daß jedes Abweichen vom Rechte immer weitere

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