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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-07-13 · Heft 28 (13.7.1880) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 28 (13.7.1880)
Date
1880-07-13
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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439 Die Jude» auf den Ä.zorischeu Luselu. G o ch am Niederrhein, im Juni. Es erweckt in uns Allen ein eigenthümliches Gefühl des Interesses und der Sympathie, wenn wir aus fernen Gegenden von dortigen Glaubensgenossen hören, von deren Existenz in solchen Ländern wir nichts wußten. So erging es mir jüngst, als ich die Bekanntschaft eines jungen Mannes jüdischer Religion, des Schwagers des Herrn?. Hornemanun Hierselbst, machte, welcher längere Zeit behufs kaufmännischer Zwecke in Madrid gewohnt und eine Reise nach den Inseln an der westafrikanischen Küste unternommen hatte. Er kam aus dieser auch nach den Azoren, und die Leser werden gewiß gern die folgenden Mittheilungen entgcgennehmen, die der Reisende daselbst gesammelt. Tie Azoren sind bekanntlich 9 Inseln, größtentheils vulkanischen Ursprungs und reich an Produkten. Sie gehören den Portugiesen, aber den Haupthandel daselbst treiben die Engländer. Unser Gewährsmann landete aus der Insel San Miguel und besuchte deren Hauptstadt Pouta bet Gade. Hier wurde er in eine jüdische Familie eingesührt, und der Hausherr erkannte in ihm sofort den Israeliten und redete ihn aus hebräisch mit dem Schristwort: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott ist ein einiges Wesen" an. Freudig bekannte er sich zu demselben. Nun führte ihn der Hausherr, der zu den wohlhabendsten und angesehensten Bürgern der Stadt zählt, hinaus in ein Zimmer, das mit orientalischem Luxus ausgestattet war, und zeigte ihm ein oben mit goldener Borte eingefaßtes Talith, mehre hebräische Gebetbücher und Machsorim. Tie dortigen Juden, erfuhr unser Gewährsmann von ihm, seien im 14. Jahrhundert aus Portugal dahin ausgewandert, ihre Muttersprache ist die portugiesische geblieben; doch spricht die gebildete Klasse unter ihnen auch fließend englisch. Die Gesammtzahl der jüdischen Bewohner besagter Eilande ist bedeutend kleiner geworden gegen früher, weil viele reiche Familien nach London verzogen sind, wo sie, wie sie meinten, ihren religiösen Bedürfnissen besser genügen könnten. Sie betreiben ein lebhaftes Exportgeschäft in verschiedenen Handelsartikeln nach dem europäischen Jnsellande, und wem es die Mittel nur eben erlauben, der vertauscht seine Heimath mit Englands Metropole. Sie sind allcsammt und sonders äußerst fromm und beobachten streng die talmudischen Vorschriften nach jeder Richtung hin. Als einst der Arzt einer kranken Frau eine Arznei verschrieben hatte, worin, wie sie hörte, Ingredienzen enthalten waren, die unter die verbotenen Genußmittel gehörten, weigerte sie sich standhaft, dieselbe einzunehmen (!!). Wenn sie eine Seefahrt nach Großbritannien unternehmen, die, beiläufig bemerkt, bei günstigem Winde re. 20 Tage dauert, so nehmen sie sich für diese Zeit den nöthigen Mundvorrath mit. Dieser Lebensweise gegenüber muß es nun freilich als eine contradictio in adjecto erscheinen, daß sie mit den katholischen Insulanern und Insulanerinnen Ehebündnisse eingehen, wobei sich die bemerkenswerthe Thatsache herausstellt, daß die christlichen Mädchen die frömmsten jüdischen Ehefrauen und die jüdischen Jünglinge die frömmsten christlichen Ehemänner werden. Nach dem Grunde befragt, roeshalb sie mit der anders gläubigen Einwohnerschaft Mischehen schließen, gaben sie zur Antwort, daß ihr winziger Stamm voraussichtlich aussterben würde, wenn sie nur unter sich heirathen wollten. Sie erwiesen sich ausnehmend gastfreundlich gegen unfern Fremden, indem sie ihn häufig bei sich zu Tische einluden, was ihm um so willkommener war, als die Speisen in seinem Gasthofe fast nicht für ihn zu genießen waren. Tann erkundigten sie sich bei ihm nach den Sitten und Gebräuchen der deutschen Juden, und da er eine schöne Tenorstimme hat, so waren sie sichtbar erbaut und entzückt zugleich, wenn er ihnen religiöse Lieder vorsang. Als er beim Abschiednehmen von einem seiner vieler Gastgeber verlauten ließ, daß er nächsten Herbst wiederkäme, bot ihm der Besitzer sein Wohnhaus zum Aufenthalt an. Auf Tereeira und Fayal. namentlich in den Hauptstädten dieser beiden Inseln: Angra und Fayal, wohnen auch Israeliten; aber aus Terceira die meisten. N. A n s p a ch e r. vi111 vicj m tciclj li c\jVd l. 'entschland. Berlin, 1. Juli. ^Privalmitth.) „Heute mir, morgen dir!" Diesen einfachen Satz sollten sich die Leute merken, welche mit leichtem Herzen Haß und Fanatismus ansachen. Tie Proteste der 3 tyroler Bischöfe gegen die 2 protestantischen Gemeinden in Innsbruck und Meran und die Rede des Abg. Lieber sammt den Enthüllungen aus oer Schrift des Jesuiten Perrone — von denen man sich übrigens wundern muß, daß sie so viel Aussehen erregen, da der Di-. Rohling, Professor in Prag, früher in Münster, ganz dasselbe über den Protestantismus und die Protestanten sagt — haben die protestantische Welt in große Aufregung versetzt, und viele protestantische Blätter sprechen sich energisch darüber aus. Ta stimmt nun die hier erscheinende „Germania" in ihrer Nummer vom 30. Juni eine Jeremiade darüber an. Sie! zeiht z. B. die Voss, und die Magdeb. Ztg. der „Gewissen-!losigkeit, des eonfessionellen Hasses und der Bornirtheit."

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