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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-07-13 · Heft 28 (13.7.1880) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 28 (13.7.1880)
Date
1880-07-13
Page
Seite 438 (sequence 6)
Language
German
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436 beherrschen, am schwersten auf ihre Art und Weise. Denn ihr treibendes Naturell läßt den concurrirenden Nachwuchs unter ihnen ungleich zahlreicher und drängender entstehen, als bei den Christen, und veranlaßt sie durchaus zu jener forcirten Extension ihres Betriebes, die nur auf Kosten des reicheren Gewinnes und einer zweckvernünftigen Kapital-Ansammlung geschehen kann." „Am allergeringfügigsten aber ist der jüdische Besitz an der dritten Serie: „an Papieren". Ganz entgegen der gewöhnlichen Meinung, behaupten wir, daß Esiecten wie: Renten, Prioritäten, Bahnactien, sowie Actien von soliden Banken nur sporadisch bei den Reichen unter den Juden zu sinden sind. Vereinzelte Thatsachen aber fallen für eine allgemeine Betrachtung nicht ins Gewicht. Wir berufen uns hierin auf das Zeugniß unserer Notare, die ja von Gesetzeswegcn bei Todesfall-Annahmen interveniren; sie werden uns bestätigen müffen, daß die Fälle, in denen bei jüdischen Berlaffenschaften ein irgend erheblicher Nachlaß an Effecten zu finden, äußerst selten sind. Die Börsenleute Helsen an der Börse Wind und Wetter machen, sehen aber die Effecten, welche sic „lieben oder hassen", nicht von Angesicht zu Angesicht. Entscheidend aber für unsere Ansicht ist die unbestreitbare Thatsachc, und wer immer bei Berlassenschaften Erfahrung gesammelt, wird unbedingt zustimmen, daß bei jüdischen Erbschaften man bezüglich des Nachlaßes in der Regel sehr enttäuscht wird." „Auch im Mittelalter hat man, irregeführt durch eine ganz rohe Anschauung von wirthschaftlichen Dingen, die Juden für entsetzlich reich gehalten, zu einer Zeit, wo sie cs bestimmt noch viel weniger waren, wie heute. Die Ursachen aber, daß auch jetzt, trotz geläuterter ökonomischer Begriffe derselbe Jrrtham die Wahrheit verdeckt, liegen offen zu Tage. Wie Jedermann die Bcvölkerungs.siffer der Juden ohne Volkszählung gewaltig überschätzen würde, weil man von zwei Nachbarn den jüdischen regelmäßig eher dreimal aus der Gasse sieht, bevor man den Christen einmal zu Gesichte bekommt, so sieht man auch das jüdische Geld viel häufiger curfiren, als das des Christen. Nicht nur dadurch, daß sein Stand zumeist der des Geschäftsmannes ist, sondern hauptsächlich auch durch die eminent jüdische Gewohnheit, vielmehr zu brauchen, als der Christ von gleichen Berhältnisien- Er verwendet auf Wohnung, Hausbrauch, namentlich aber auf Erziehung und Unterricht der Kinder regelmäßig Summen, die der Christ von gleichem Besitze sehr selten ausgiebt. Hieher gehört auch die aus social-sittlichen Gründen tadelnswerthe Schwäche des Juden, den Töchtern eine Mitgift zu geben, die ganz außer Verhältnis; zu seinem Verinögensstande steht. In Ungarn halten die Juden denjenigen unter ihnen, welcher mehrere heiratsfähige Töchter hat, für weniger creditfähig." „Diese Neigung und Gewohnheit des Juden, Geld und Verdienst leicht zu verbrauchen, entstammt und entspricht seiner Fähigkeit, leicht zu verdienen, dem Talente, sein Kapital vielmehr rascher umzusetzen, oder — was dasselbe besagt — mit einem geringeren Kapitale dasselbe Resultat zu erzielen, wie der christliche Geschäftsmann mit seinem größeren Vermögen. Wenn aber ein Bevölkerungstheil von 3 Percent — so viel sind die Juden in ganz Oesterreich — zwar mehr verdient, aber diesen Mehrverdienst nicht kapitalisirt, sondern in demselben Berhältnisie und darüber auch mehr verbraucht, so ist diese Sachlage offenbar zu Gunsten der 97 Percent, weil nach allen Gesetzen der Logik die Leistungen, welche von den H Percent consumirt und bezahlt werden, nur zum allerkleinsten Theil von diesen selbst, sondern von den 97 Percent geschehen müffen, ganz unabhängig davon, wie viel oder wie wenig die Juden besitzen. Das Besitzverhältniß ändert sich aber ganz unglaublich zu Ungunsten der Juden, je weiter man von Wien und der Stadt überhaupt auf das stäche Land geht. Dem Kramladen des Dorfjuden, welcher in der Regel wenige Hunderte an Werth darstellt, steht der Bauernhof gegenüber, welcher überall einige — in besser cultivirten Gegenden — viele Tausende wcrth ist. Für die Maffe des Großgrundbesitzes aber, für die koloffalen, durch Fideicommiffe und Majorat geschützten Latifundien, existirt auf der anderen Seite durchaus kein Aequivalent. Es vcrräth eine vollständige Unkenntniß der einschlägigen Berhältnisie, einen vollständigen Mangel an ökonomischem Denken, hiefür als Gegenstück aut die Handvoll in Wien concentrirter jüdischer Financiers hinzuweisen. Der Fall Rothschild ist ein internationales, ganz singuläres Moment, das sowohl innerhalb der amerikanischen Geschäftswelt als auch des geschloffenen englischen Besitzes vielfach erreicht und übertroffen wird: aber im Ganzen ist er ebensowenig entscheidend wie die Fuggers im sechzehnten Jahrhundert. Von allen übrigen Wiener Bankiers aber hat ganz bestimmt keiner einen Besitz, der sich auch nur annähernd mit den Vermögen ersten Ranges der fürstlichen und gräflichen Häuser messen könnte; vielleicht existiren unter ihnen nur drei, deren Reichthum sich dem der stattlichen Anzahl unserer cis- und transleithanifchcn Magnaten zweiten und dritten Ranges vergleichen läßt; der Rest dieser vielbesprochenen Finanzgrößen besitzt aber kaum mehr, als die jährliche Revenue eines Magnaten von seinen Gütern beträgt. Von der l1/:; Million Juden in Oesterreich umfassen die drei größten Städte Wien, Prag, Budapest zusammen nur den kleinsten Theil, der unendlich größere Theil gehört dem flachen Lande an, und dieses Argument mag die Kette der Beweisführung schließen dafür, daß man den Juden mit Unrecht einen unverhältnißmäßigen Reichthum zuschreibt."

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