Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1880)
- Date
- 1880-07-13
- Page
- Seite 436 (sequence 4)
- Language
- German
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Hebet den vermeintlichen Reichthum der Juden. _436^ sicheren Standpunkte als in Deutschland" stehen. Ja, freier! ist er — denn sie ist so frei — mit einigen Ausnahmen! -sich aus aller Welt ihr Sammelsurium zusammenzu- Wir haben bereits wiederholt die landläufige Redensart holen, wobei sie auch so frei ist, nach dem Gegenstände, ob vom Reichthum der Juden für eine Fabel erklärt, die von er der Belletristik oder der Mineralogie, den Amüsements der Böswilligkeit, wenn auch nicht erfunden, doch umherge- oder der Medicin angehört, wenig zu fragen. „Sicherer?" Wir tragen wird, um daran die erheuchelten Klagen über die haben schon so viele jüdische Blätter in N. A. entstehen und ' Herrschaft der Juden über das Kapital, die Ausbeutung des verschwinden gesehen — daß wir von dieser „Sicherheit"! Volkes, das Parasitenthum u. s. w. knüpfen zu können. Wir keine große Vorstellung haben. Vielleicht fühlt sich der „Zeitwiesen den Financiers und geringzähligen Reichen unter den geift" sicherer! . . . Juden gegenüber nicht allein auf die größere Zahl christlicher Wir glauben, daß unsere uordamerikanischen Glaubens- Financiers und Capitalisten in Frankreich, England und Nordgcnossen in dieser kurzen Charakteristik nichts finden, was amerika, sondern auch auf den ungeheuren Landbesitz hin, von sie chokirt, aber Vieles, dem sie beistimmen. Der Congreß in Madrid. Madrid 27. Juni. Die Madrider Conferenz wurde gestern geschlossen. In der letzten Sitzung brachte Graf Ludolf die in dem Rundschreiben des Barons Haymcrle angekündigte, durch Papst Leo X!Il. angeregte Motion zu Gunsten der Gleichberechtigung aller Confcssioncn in Marokko ein. Die Motion wurde einstimmig angenommen. Sie wird ihren Ausdruck finden in einem von allen Bevollmächtigten Unterzeichneten Appell an den Sultan. Der marokkanische Bevollmächtigte war schon in der letzten Sitzung in der Lage, auf die Motion des österreichischungarischen Bevollmächtigten mit der Verlesung eines Schreibens des Sultans zu antworten, welches große Zugeständnisse an die Juden, insbesondere auf dem Gebiete der Rechtspflege, enthält. (??) Madrid, 4. Juli. Tie elf mit den Verhandlungen mit Marokko beauftragten Gesandten haben gestern eine 16 Artikel zählende Convention mit Marokko unterzeichnet.! als er im Verhältnisse zu ihrer Zahl sein sollte? Laut derselben kann die Regierung jeder Confereuzmacht drei > ,.Es verlohnt wohl der Mühe, diese Fragen an der marokkanische Unterthanen als unter ihrem Schutze stehend! Hand der Thatsachen zu beantworten." annehmen. Dieselben sind den marokkanischen Behörden! „In der ganzen Bolkswirthschaft giebt es innerhalb der namhaft zu machen und durch eine Urkunde zu legimitiren.! beiden großen Kategorien des Besitzes, des beweglichen und Der sremdherrliche Schutz erstreckt sich nicht mit auf die! des unbeweglichen, nur drei von kapitalistischem Charakter: Dienstboten der Schutzbefohlenen. Tie Schutzbefohlenen!») immobile Wcrthe, b) Handelswerthe und zuletzt bleiben den marokkanischen Grund- und Sctroi - AbgabenI <-') das Product des achtzehnten und neunzehnten Jahrhununterworfen. Alle an der Madrider Conferenz bethciligtcn derts: den Theilwerth, sei cs in der Form einer Actie als Mächte sollen auf dem Fuße der meistbegünstigteu Nation Mitbesitz an einem Vermögens-Complcx oder als Theilschuldbehandelt werden. Verschreibung, sei es des Staates oder eines anderen Schuld- Dieses Resultat ist freilich ein sehr geringes. Cs verncrs. In diesen Besitzarten muß sich also unserer Unterlieren dadurch ungefähr 120 marokkanische Juden das suchung offenbar auch der Rcichthum der Juden in Wien dar- Schutzrecht, während ungefähr 30 es behalten. Und was legen. Was nun die erste und vornehmste dieser Besitzarten, nun? Ein jeder mißglückte Versuch hat den unberechenbaren ^en Hausbesitz, anlangt, so scheinen die Juden Wiens von Nachtheil, die Freunde der Mord- und Plünderungssucht zu jeher eine specielle Vorliebe für diese Jnvestirung besessen zu ermuthigen und zu neuen Gräuelthaten anzuspornen! haben. Die letzte Arbeit Camesina's: „Die örtliche Ent- _ Wickelung Wiens", zeigt Dafel I, Fig. 3, Tafel II und Tafel welchem so gut wie nichts in den Händen der Juden ist. Nicht minder hält derjenige Theil des Zwischenhandels, den die Juden innehaben, keinen Vergleich mit der Industrie aus, von der nur ein geringer Bruchtheil im Besitze der Juden ist. Die Fabel hält sich nur an den Schein, da die Juden in ihrer äußeren Erscheinung, in ihrer Einrichtung und Lebensart über das Maß hinauszugehen lieben, welches ihnen ihr wirklicher Besitz vorschrciben sollte. Man wird dies letztere in Widerspruch mit der Sparsamkeit finden, welche den Juden gewöhnlich als eine Tugend zugeschrieben wird. Diese Sparsamkeit besteht aber vielmehr darin, daß sie den groben Leidenschaften, dem Trinken, Spielen u. s. w. abhold sind, und das Leben in ihrer Familie dem Wirthshausleben vorziehen. Wir freuen uns, eine Bestätiguug in einem Artikel der „Wiener Allgemeinen Zeitung" vom 27. Juni zu finden, der „Der Reichthum der Juden in Wien" überschrieben und von Sigmund Mayer versaßt ist. „Sind die Juden in Wien wirklich so reich, als man gewöhnlich anuimmt, und ist dieser Reichthum wirklich größer,