Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1880)
- Date
- 1880-07-06
- Page
- Seite 426 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Wunsch, den wir S. 121 Jahrgang 1879 aussprachen, daß Herr Rabb. vr. M. Wolfs in Gothenburg seine trefflichen „Bemerkungen zu dem Wortlaute der „Emunot we Deot“, in denen er aus der Vergleichung des arabischen Textes viele Verbesserungen der hebräischen Uebersetzung des Ibn-tibbon und der deutschen von Fürst angab und begründete, auch über den dritten Abschnitt und die folgenden bis zum Schluffe ausdehnen möge, ist jetzt erfüllt worden, und die dessallsige Abhandlung in der Deutsch-morgenländischen Zeitschrift erschienen. Obwohl seitdem von vr. Landauer der arabische Text herausgegeben worden, so behalten doch diese „Bemerkungen" ihren Werth, da die hebräische Uebersetzung immer in mehr Händen sich befinden wird, als das arabische Original. Der Verfasser hat fich durch diese Arbeit den Dank aller Freunde der jüdischen Religionsphilosophie erworben. — 't.eö "’r nYCO-rp •pxtr&K: i\nd p pr.-r nso 'nn irp “cs Wilna, 1879. Die Vertreibung der Juden aus Spanien ist hier zum Gegenstände eines lyrischen Epos gemacht worden, und wer sehe nicht ein, daß dieser traurige Vorgang sich ganz besonders dazu eignet. Dem Verfasser ist es gelungen, ein ausgezeichnetes Gedicht zu liefern, daß ebenso durch die Innigkeit der Gefühle und Wärme des religiösen Geistes, wie durch poetische Schilderungen und Formengewandtheit ein hohes Interesse in Anspruch nimmt. Die Gluth des Südlandes spiegelt fich in den poetischen Ergüssen und Bildern aufs Lebhafteste wieder, und wenn der Dichter mit Vorliebe von der Sonne seine dichterischen Einkleidungen entnimmt, so ist man froh, über den düsteren menschlichen Schatten das goldene Himmelslicht zu schauen. Wir empfehlen daher dieses Werkchen allen Freunden der neuhebräischen Literatur zur wohlverdienten Beachtung. — „Worms und Wien. Liturgische Formulare ihrer Todtenfeier aus alter und neuer Zeit und Namensvcrzeichniß der Wormser Märtyrer aus den Jahren 1096 und 1349. Nach einer Handschrift herausgegeben von vr. Ad. Jellinek. Wien 1880, Schloßberg." Der hebräische Text dieser Schrift enthalt die Haskara der in Worms am 18. und 25. Mai 1096 durch die wilden Horden der Kreuzzügler und der am 1. März 1349 erschlagenen oder durch Selbsttödtung aus dem Leben geschiedenen Juden. Bemerkenswerth ist es, daß unter den Aufgezählten arabische und romanische Namen Vorkommen. Sie beweisen, daß arabisch und romanisch redende Juden in Worms eingewandert waren. Ferner Gebete für das Seelenheil berühmter Gesetzlehrer und ein Gleiches für Märtyrer in den verschiedenen Ländern der Erde. Der übrige hebräische Text betrifft die älteren Wiener Juden und die gegenwärtige Gemeinde daselbst. Das Heft rangirt als TCtm oi&ipr,, welche der verdiente Herausgeber den Freunden der jüdischen Geschichte und Literatur dargeboten hat. — Bonn, 21. Juni. (Literarische Notizen). Einer unsrer Leser srägt bei uns an, warum wir noch keine Recension des in fünf Lieferungen erschienenen Buches: „Kulturgeschichte des Judenthums von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Bon vr. Otto Henne-Am Rhyn. Bern, Costenoble 1880" gegeben hätten, da dieses Werk doch so vielen Stoff zur Kritik darböte. Als Antwort gestatte er uns, eine Anekdote aus älterer Zeit herzustellen. Ein Rabbi schickte einen Collegen ein von ihm herausgegebenes Buch mit der Bitte, es durchzulesen, und das Blatt, auf welchem er einen Jrrthum oder einen Fehler fände, einzufalten. Nach einigen Tagen erhielt er das Buch zurück und das ganze Buch eingefaltet. Gleiches Schicksal wird diese sog. „Kulturgeschichte" bei jedem unparteiischen Kritiker finden; sie ist unter aller Kritik, und wenn man ihre Fehler und Jrrthümer kritifiren wollte, würde das ganze Buch der verurtheilenden Kritik anheimfallen. Der Berf. versteht kein Wort Hebräisch und so find ihm nicht blos der Talmud und das spätere Schristthum der Juden, sondern auch die Bibel völlig verschlossen. Für letztere kennt er nicht einmal die neueren Arbeiten, sondern er begnügt sich mit der alten Lutherischen Uebersetzung. Nun denke man sich z. B. eine Kulturgeschichte der Deutschen von einem Verfasser, der kein Wort deutsch versieht, und sich etwa der Darstellungen und Urtheile französischer Autoren bedient! Das ist das Bild des Herrn Henne-Am Rhyn! Jndeß ist dies nur die negative Seite, die freilich bei einer „Kulturgeschichte" schon so viel wie Alles bedeutet. Die positive ist, daß dieser Autor, so leer er an aller Kenntniß der Quellen, an allem Berständniß des jüdischen Geisteslebens ist, ebenso angesüllt von Vorurtheilen und Gehässigkeit gegen Juden und Judenthum. Wir wollen nicht einmal selbst urtheilen, sondern nur den ersten besten Unparteiischen anführen. Wir finden eine Besprechung des gedachten Buches in N. 9. der Zeitschrift „Es werde Licht!" von Karl Scholl. In derselben wird zuerst von einem Juden die bekannte Uebersetzung Luthers von Neschech als „Wucher", statt „Zins", als falsch gründlich nachgewiesen. Dies haben übrigens auch schon viele christliche Gelehrte gethan, und es kann jetzt nur noch als ein Ausfluß entweder der Unwissenheit oder der Absichtlichkeit betrachtet werden, wenn man jene lutherische Uebertragung einer Erörterung des Gesetzes noch unterlegt. Wir übergehen diese Auseinandersetzung, mit der wir zwar im Resultat, nicht aber in einzelnen Punkten einverstanden sind. Der Herausgeber jener Zeitschrift fügt vielmehr ein kurzes Nachwort hinzu, aus welchem wir zur Characterifirung jenes Kulturgeschichtschreibers die folgende Stelle herausheben. Er will nur „andeutungsweise" einige Punkte berühren, „aus welchen die vorurtheilsvolle Gesinnung des Autors dem Judenthum gegenüber zu erkennen ist," und fährt fort: Henne- Am Rhyn, so sehr er sonst davor warnt, den Einfluß des Judenthums in unserer Gegenwart nicht zu sehr zu übertreiben.