Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-07-06 · Heft 27 (6.7.1880) · p. Seite 425

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 27 (6.7.1880)
Date
1880-07-06
Page
Seite 425 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227313--38168-3307378
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

425 „La voce di Belfiore“ veröffentlicht, das sich rühmt, ^liberaldemokratische zu sein, hat mich vom Gegentheil überzeugt. Die wahrhafte Demokratie ist nicht das Erbtheil einer Partei: sie ist das allgemeine Besitzthum der modernen Gesellschaft, welche sich in den erhabenen Grundsätzen der Freiheit und Gleichheit zusammenfaßt. . . . Gezeichnet: Senator G. Arrivabene, Ehrenpräsident des constitutionellen Vereins von Mantua. Rußland. Petersburg, 13. Juni. Die „Deutsche Zeitung" schreibt einmal wieder: Ein Ukas wird erwartet, womit den einheimischen Juden größere Freiheiten gewährt, dagegen die fremden Juden Beschränkungen unterworfen werden und die Einwanderung von Juden verboten wird. — Amerika. Nrw-Pork, im Juni (Privatmitth.) Wenn die A. Z. d. I. über die bedeutenderen wohlthätigen Anstalten innerhalb unserer Glaubensgenoffenschaft zu berichten pflegt, so darf wohl ein Referat über die bedeutendste jüdische Waisenanstalt, die existirt und die bereits ein Alter von 57 Jahren hat, nicht fehlen, wir meinen über die „Hebrew Benevolent and Orphan Asylum Society of the City of New - York.“ Die Waisenanstalt dieses Vereines, der am 25. April d. I. seine 57. Jahresversammlung unter dem Borsitze des Herrn Jeffe Seligman abgehalten, unterhält jetzt 308 Waisenkinder, nämlich 194 Knaben und 114 Mädchen, von denen 10 wegen Mangels an Raum in Familien untergebracht sind. Im letzten Jahre wuchs diese Zahl um 12. Der Bericht war im Stande, das schöne Gedeihen der Zöglinge in leiblicher wie in geistiger Beziehung zu constatiren, und erhielt die Anstalt auch im verflossenen Jahre wiederholt Besuche von anerkannten Autoritäten, die sich über die Beschaffenheit, Einrichtungen und Resultate der Anstalt mit großer Beftiedigung aussprachen, wie dies der gedruckte Bericht namentlich und wörtlich aufführt. In der Anstalt wird auch das Morgen und Abendgebet und der öffentliche Gottesdienst am Sonntag und Festtag in der Anstaltssynagoge abgehalten, bei welchem der Director, oder, wie man hier ihn nennt, der Superintendent vr. Baar die Ansprachen und Predigten in beredter Weise hält, so daß dieser Gottesdienst regelmäßig auch viele Freunde und Gönner der Anstalt anzieht. Bon den Reden des vr. Baar erscheint jetzt auch eine Sammlung im Druck. Zum Religionsunterrichte gehört auch das Hebräische, das mit gutem Erfolge betrieben wird. Mit der Anstalt ist seit einiger Zeit auch eine Industrieschule verbunden worden, an der bis jetzt 16 Zöglinge betheiligt sind. Sie sind bereits so weit unterrichtet, daß die Kosten dieser Zweiganstalt bis auf einen geringen Zuschuß von ihr selbst getragen werden. Außerdem hat der Verein im vorigen Jahre 15,000 Dollars zu Armenunterstützung verausgabt. Die Finanzen befinden sich in blühendem Zustande, und erhielt auch im verflossenen Jahre der Verein ansehnliche Legate und Geschenke, z. B. von Michael Reese 25,000 Dollars, Frau B. Nathan 4600 Dollars u. s. w., an Legaten zusammen 35,871 Dollars. Die jährlichen Beiträge beliefen sich auf 30,392 Dollars, die Zinsen auf 7,526 Dollars, dazu fügt die Stadt New-Uork 32,315 Dollars, außer den kleineren Zuschüssen aus anderen öffentlichen Kaffen hinzu. Die gesammten Einnahmen beliefen sich auf 109,425 Dollars (ungefähr Vs Mill. Mark). Die Ausgaben betrugen 59,100 Dollars, wovon ungefähr 40,000 Dollars für die 308 Waisenkinder ausgegeben wurden. Es erweist sich also auch hier, daß mit der wachsenden Zahl der Waisen sich die Kosten pro Kopf bedeutend ermäßigen. So besteht diese Anstalt als ein würdiges Zeugniß für den Wohlthätigkeitsfinn unserer Glaubensgenoffen und für ihre Stellung innerhalb der Commune. Bonn, 27. Juni. (Notizen.) Man schreibt uns aus Kaiserslautern: Am 17. Juni versammelten sich die Vertreter der israelitischen Gemeinden unseres Bezirkes, um zur Wahl eines Rabbiners zu schreiten. Es hatten sich 25 Rabbiner gemeldet, und wurde von den vier zur Probepredigt berufenen, vr. Landsberg in Lauenburg (Pommern) einstimmig zum Bezirksrabbiner gewählt. Derselbe hatte sowohl durch seine Predigt, als auch durch seine ganze Erscheinung, allgemein den besten Eindruck gemacht. — In Scheffield (England) besieht eine Stiftung zu Gunsten von Wittwen und verwaisten Mädchen, mit Ausschließung von Katholiken, Juden und Unitaricrn. In seinem Testamente bestimmte deshalb ein eben verstorbener Unitarier, Namens Fischer, 8000 L. St. (160,000 Mark) zu gleichem Zwecke für Katholiken, Juden und Unitarier. — In Chülons sur Marne beging in diesen Tagen ein Batallionschef jüdischer Religion die Jahrzeit für seinen Bater. Dem Gottesdienste wohnten 3 Commandanten und 2 Capitäne bei, ein Beweis, wie stark die Israeliten in den höheren militärischen Chargen in Frankreich vertreten find. Bonn, 31. Mai. (Literarische Notizen). „Israels Trost nnd Hoffnung gegenüber der gegenwärtigen socialen Judenftage, Predigt gehalten am 1. Tage Pesach 5640, den 27. März 1880, in der Synagoge zu Göppingen von Rabb. Herz. Stuttgart. Metzler." In echt religiösem Geiste verweist uns der Redner auf die vielen erhebenden Verheißungen, welche uns die heilige Schrift bietet und die befähigt sind, uns Muth, Kraft und Zuversicht einzuflößen, und stützt sich dabei auf die vielen edleren Christen, welche in den jüngsten Kämpfen für die Juden eintraten, so daß die Hoffnung auf eine allgemeinere Würdigung berechtigt ist. — Der 27

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.