Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-07-06 · Heft 27 (6.7.1880) · p. Seite 422

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 27 (6.7.1880)
Date
1880-07-06
Page
Seite 422 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227313--38165-3307375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

422 der Consuln für die Sensale und endlich die Steuerfreiheit j österreichische Gesandte, Graf Ludolf, eine von allen Bevollder Sensale fortbestehen sollen. Am Montage sollte man j mächtigten unterstützte Denkschrift zu Gunsten der Gewissensdie Judenfrage in Angriff nehmen. Ferner wird derlfreiheit in Marokko vorlegen. i l' 11 vi d >vtac (j Deutschland. Psseu, im Juni. (Privatmitth.) Aus unserer Gemeinde ist selten etwas zu berichten. Sie bewahrt den Standpunkt, den sie seit vielen Jahrzehnten eingenommen, den nämlich, sich für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums nicht zu interesfiren und an derartigen Bestrebungen sich nicht zu betheiligen, wie z. B. am deutsch-israelitischen Gemeindebunde. Es versteht sich, daß wir dies nicht von den sogenannten reformatorischen Tendenzen verstehen, denn diese find Sache jeder Gemeinde für sich. Dies wird jedoch nicht abhalten, von einer sich bewährenden und wachsenden Anstalt wiederholt zu berichten, nämlich von der „israelitischen Waisenknaben-Anstalt", die ihren 42. Bericht (über das Jahr 1879) eben ausgegeben hat. Sie enthält gegenwärtig 2l Knaben und hat unter ihrer Aufsicht 5 Lehrlinge. Zu bemerken ist, daß von diesen Knaben 16 die gehobene Bürgerschule, 4 die Mittelschule und 1 das Friedrich-Wilhelmsgymnasium besuchen. Die Anstalt hat auch im verflogenen Jahre schöne Legate und Spenden erhalten, sogar von jenseits des Ozeans, was eine treue Anhänglichkeit Ausgewanderter erweist. Die Hauptquelle für die Dotationen bilden auch hier die Stiftungen zur „Jahrzeit" für Verstorbene. Nicht minder wollen wir hervorheben, daß die Bibliothek der Anstalt durch ansehnliche Geschenke immer wächst. Die Einnahmen betrugen 20,845 Mark, von denen 6648 M. zum Fond übertragen wurden. Mögen wir immer im Stande sein, vom Fortschritt der Anstalt Günstiges zu melden. Darmstadt, im Juni. (Privatmitth.) —r. Als vor wenigen Jahren das Austrittsgesetz in's Leben trat, waren die Gemüther nicht wenig beängstigt, wegen Zerfalls des Gemeindewesens, namentlich fürchtete man am hiesigen Platze um so mehr, da die Trennung bereits da war, die Orthodoxen schon eine eigene Synagoge, Schule, Rabbiner und Lehrer hatten, und nur ungern an den Gemeindelasten, welche durch den Neubau der Hauptsynagoge erheblich gesteigert wurden, partizipirten. Allein wie sich jedes Hebel beim Herannahen viel schrecklicher ausnimmt, als wenn es wirklich eingetreten, so ging es auch mit den Befürchtungen wegen allgemeinen Austritts der otthodoxen Partei; die Sache ging gut vorüber. Es erfolgte nicht ein Austritt. Aber auch bei der orthodoxen Gemeinde gingen die Reformen nicht spurlos vorüber. schon hat solche einen Gesanglehrer engagirt und es ertönen die vierstimmigen Gesänge, natürlich ohne Orgelbegleitung, an Sabbath und Festtagen. Man sieht daraus, daß sich die Reform des Gottesdienstes auch bei den Orthodoxen Eingang verschafft hat. Aber so wie hier in der Synagoge, hat sich in der Religionsschule in letzter Zeit ein Streben bemerkbar gemacht, den Religionsunterricht, der, offen gestanden, bei der andern Gemeinde bester gepflegt wurde, auch in der Hauptgemeinde mehr zur Geltung zu bringen. Es wurde ein weiterer Lehrer angenommen, und kann man hoffen, daß der Unterricht jetzt bessere Erfolge erzielen und allseitigen Anforderungen genügen wird. Es wirken jetzt an der Religionsschule der Hauptgemeinde die Herren Dr. Landsberg, Cantor Oppenheimer und Lehrer Stern. Stuttgart, 21. Juni. (Privatmitth.) Eine Bemerkung der hier erscheinenden „Würtemb. Landes-Ztg." verdient wohl zu eventueller Warnung wiedergegeben zu werden. Von Paderborn war eine Petition mit vielen Unterschriften an Se. Maj. den Kaiser ergangen um Aufhebung der Maigesetze. Die ablehnende Bescheidung erfolgte vom Cultusminister. Nach der Mittheilung des „Wests. Merkurs" und anderer ultramontaner Blätter war die Petitton auch von „einzelnen Juden" unterschrieben. Hierzu bemerkt nun mit vollem Rechte die „W. L. Z.": „Ein neues Beispiel, wie die Ultramontanen die Unterschriften für Pettttonen zusammen bringen! In dem Wortlaut heißt es nämlich: „Der Liberalismus und der mit demselben verbundene Unglaube hat den Kampf gegen das Christenthum und unsere heilige katholische Kirche fast in der ganzen Welt angefacht." Die Juden, welche diesen und die vielen ähnlichen Sätze jenes Schriftstückes unterschrieben haben, müsten allerdings Leute von seltener Unpatteilichkeit sein, aber genau solche Leute, wie sie der Ulttamontanismus sich überall wünschen muß: denn wir wüßten kaum einen Fall, wo das Opfer des Verstandes in augenfälligerer Weise dargebracht worden wäre. Großh. Luxemburg. Luxemburg, im Juni. (Privatmitth.) Das neue Schulgesetz für das Großherzogthum läßt auch fernerhin den , Religionsunterricht in der Schule ertheilen, verbietet aber in Art. 10 dem Lehrer irgend etwas zu lehren, was die Achtung vor den religiösen Anschauungen Anderer verletzen würde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.