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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-29 · Heft 26 (29.6.1880) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 26 (29.6.1880)
Date
1880-06-29
Page
Seite 412 (sequence 12)
Language
German
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412 die Rede, die sich durch ihre warme und doch maßvolle Würdigung der Verdienste und Persönlichkeit des Dahingeschiedenen auszeichnete. Rechtspraktikant F. Zehler sprach im Namen der Eigentümer der gedachten Zeitung, welcher vr. Feust 40 Jahre lang seine Kräfte gewidmet hatte. Er sagte u. A.: „All' sein Denken, Wollen und Handeln galt nur dem seinem Geiste anvertrauten Blatte, nichts stand dem unnahbaren Charakter höher als die Pflicht, das Blatt makellos und achtungswerth der Oeffentlichkeit zu übergeben. Ohne Bedenken hat er Alle ihm von anderen Seiten gebotenen Ehren und Würden abgelehnt und sich in treuer Pflichterfüllung begnügt. Dieser Ruhm war die einzige Anerkennung, die er erstrebte, und sie soll ihm hier von Denen nicht vorenthalten sein, welche die lange Zeit mit ihm aufs Engste verbunden waren: sein Beruf war sein Stolz, seine Ehre war ihm seine Treue." Endlich ergriff noch der Redakteur H. Kästner das Wort und legte ein Gewicht darauf, daß die gesammte deutsche Preffe „einig in der Anerkennung seiner publizistischen Bedeutung, seines eminenten Wissens und seines zwcifelsreinen Charakters sei." — Wie man uns aus St. Gallen berichtet, wurde daselbst vergangenen Donnerstag die feierliche Grundsteinlegung zur hies. neuen Synagoge vollzogen. Rabbiner Dr. Engelbert hielt die mit großem Beifall aufgenommene Ansprache, welche auch das „Tageblatt der Stadt St. Gallen" wortgetreu mittheilt und in der besonders die Gleichberechtigung hervorgehoben wird, welche gegenwärtig in der Schweiz allen Culten gewährt ist. — Der „Amsterdamer Courant" macht die Bemerkung, daß Spanien in der jüngsten Zeit ein 400 jähriges Jubelfest hätte feiern können, nämlich der Gründung der spanischen Inquisition am 1. Juni 1460, eines Gerichtshofes, der bis 1806 31,012 Menschen dem Feuertode übergeben hat, die zahllosen in anderer Weise, namentlich durch Kerker und Folter Hingerichteten nicht zu erwähnen. Das Amsterdamer von vr. Adolf Mannheimer in der „Frankfurter Preffe" vom 0. und 11. Mai erhalten. Insbesondere werden die Geschichts- und Citatenfälschungen, die der Anonymus sich zu Schulden kommen läßt, uachgewiesen. Es ist wirklich empörend, welche schlechte Meinung diese „Antisemiten" vom deutschen Publikum haben, so daß sie glauben, diesem alles Mögliche bieten und vormachen zu können. Jedenfalls haben im Laufe des ganzen Streites die Juden erwiesen, daß sie ihren Gegnern an gründlicher wiffenschaftlicher Bildung insoweit überlegen sind, daß sie ihnen ihre absichtlichen und absichtslosen Jrrthümer und Unrichtigkeiten nachzuweisen vermögen. — Die jüdische Preffe treibt immer neue Sproffen, besonders ist dies in Amerika der Fall. In San Francisco erscheint abermals ein neues Blatt „The Jewish Times" mit dem Motto „independent in all tliings" (unabhängig in allen Dingen). Wir gestehen offen, daß wir für die jüdischen Journale Nordamerikas keinen rechten Maßstab haben und uns sagen müffen: das Bedürfnis des dortigen Publikums entscheidet wohl über die Art dieser Presse. Denn mit wenigen Ausnahmen gehen diese jüdischen Journale so zu Werke, daß sie einige kürzere oder längere Artikel über jüdische Angelegenheiten und einige ungenügende Nachrichten enthalten, ihren übrigen Raum mit allen möglichen Aufsätzen aus anderen Gebieten gesammelt anfüllen. In Europa haben wir desgleichen nicht; da aber, wie gesagt, mit wenigen Ausnahmen, alle amerikanischen Blätter diese Methode befolgen, so muß es wohl in den Anforderungen ihrer Leser liegen. Dabei wollen wir nur noch bemerken, daß diese Blätter hierbei nicht etwa Politik treiben, vielmehr diese vermeiden und sich der Belletristik und der Curiositäten befleißigen. Auch ein neues deutsches Blatt liegt in seinen ersten Nummern vor uns: „Der Fortschritt im Judenthume." Organ für die gesammten Interessen des reinen (!!) Judentums rc." Cs erscheint in Bilin von Prof. I. Baum. Blatt hätte wohl besser daran gethan, Spanien aufzufordern, Motto: „Zwischen frivolem Jndifferentismus und verknöcheran diesem Tage einen Bußtag in Sack und Asche zu begehen;! tem Orthodoxenthum bilde die goldne Mitte das ungetrübte am folgenden Tage hätte man sich der Freude überlassen j (!!) Judenthum." — Wir haben auch an dieser Stelle auf können, solche Zeiten für immer hinter sich zu haben. —; bte jüngste Schrift des Rabbiners vr. M. Joel: „Blicke Wir werden aus Berlin ersucht, Folgendem an dieser Stelle! in die Religionsgeschichte zu Anfang des zweiten christlichen Raum zu geben: „Am 25. Mai verschied Hierselbst nach lan-! Jahrhunderts" (Breslau, Schottländer, 1880), deren wir gem Leiden, Frau Johanna Rosenstein, Gattin des Rabbiners! schon mehrfach erwähnt haben, aufmerksam zu machen. Joel Clkan Rosenstein und Enkelin des Oberlandes-Rabbiners! bewährt sich hier abermals als ein um- und scharfsichtiger Mcir Simon Weyl". Gott hatte ihr vorzügliche Geistesgaben! Forscher, der den Gegenstand, welchen er behandelt, genau verliehen, welche sie auch reichlich zum Wohle Aller, die ihren j kennt und einen klaren Blick in denselben besitzt. Das vor- Rath begehrten, benutzte. Ihr ganzes Leben war Werken! liegende Heft bezeichnet sich selbst als ein erstes, dessen Haupt - der Liebe und Barmherzigkeit gewidmet. — Sie ruhe in gegenständ das Berhältniß des Talmuds zur griechischen Frieden. — i Sprache ist, und zwar nicht in materiell-linguistischer, sondern Bonn, 23. Mai. (Literarische Notizen). Das von dem Berliner Correspondenten d. Bl. erwähnte Pamphlet „Israel und die Gojim" hat eine verdiente Abfertigung in geistiger Beziehung. Das wechselnde Verhalten der Talmudlehrer gegenüber der griechischen Sprache wird gründlich und anschaulich dargestellt und die Ansichten über die Sep-

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