Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1880)
- Date
- 1880-06-29
- Page
- Seite 413 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227312--38155-3307364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
413 tuaginta und die Uebersetzung Aquila's geben zu sehr trifstände werden in interessanter Weise beleuchtet, so daß sie tigen Bemerkungen Veranlassung. Die Meinung des Berf.! jedenfalls an Klarheit gewonnen haben. Die Fortsetzung über Tradition und mündliche Lehre ist bereits in diesem j dieser Arbeiten wird uns gewiß des Interessanten noch Vieles Bl. (Nr. 19.) besprochen worden. Die Stellung zu den bringen. Aber schon jetzt erweist es sich, wie viel noch zu „Draußenstehenden Büchern" (Chizonim) wird beleuchtet und thun ist, um ein richtiges Bild von dieser höchst bewegten dann zwei Excurse über Aristobul und die Gnosis Hinzuge- Epoche zu erlangen. — fügt. Diese beiden noch immer sehr vertvorrenen Gegen- Jeuilleton. Antipessimistische Denksprüche. Bon L. Z»tz. (Fortsetzung.) Du fragst: was ist das Leben? Die Fackel ist es, die von schwachem Funken Entzündet, hoch und höher stammt, Bon der das Licht auf dunklen Pfaden stammt. Bis sie verzehrt. Was sie ernährt. Noch einmal zischt Und dann — erlischt. . . Ha! wie der Sturm sie oft umsegt Und ihre Flamme seitwärts schlägt, Daß sie, von Rauch und Dunst umringt. Bald roth, bald gelb hindurch nur dringt; Schau, wie des Brandes Gluthen sie gefacht, Daß eine Welt rings um sie stürzt und kracht - Dann steigt sie hell und rein zu Himmelsgründen Doch wieder auf, und tausend Fackeln zünden An ihrem Lichte sich durch die Geschlechter, Des Lichtes treue Wächter! . . . Du fragst, was dieses Leben sei? Die Wolke ist's, die aus des Westes Flügeln Heraussteigt von des Horizontes Rand; Hinfährt sie über Thälern, Hügeln, Bald rasch, bald langsam an des Windes Zügeln, Wohin sie wandelnd sich gewandt. Ich sah sie oft als lichtes Wölkchen fahren, In blauer Höhe sich mit andern schaaren; Dann ballen sich zu schwarzen Wolkenwänden, Gethürmt von grausen Sturmes Händen, Blitz, Donner schleudernd, wie aus schwarzem Grab — Und doch des Segens Fluth, sie strömt herab! Ha, wie in wechselnden Gestalten, Sich ihre Formen rasch entfalten; Bald gleich dem droh'nden Ungcthüm, Das auf uns rollt mit Ungestüm, Und bald in Linien, lieblich und gefällig, Im Purpurmantel leicht und wellig — So liegt sie goldbesäumt um Abendsonnen, Bis sie dem Aug' in dunkler Nacht entronnen. . . Was ist das Menschenleben? srägst Du. Sieh, wie der Quell einsam dem Fels entspringt Und leise durch den Sand sich ringt — 2b er sich schnell darin verlor? Schau, dorthin glänzt er schon hervor Aus üpp'ger Wiese, aus der Blumen Fülle, Der Bogel flattert und es zirpt die Grille, Und volles Leben regt sich in der Welle, Und tausend Strahlen zittern leicht und Helle. Er wächst und strömt — woll' ihm nicht immer trauen: Wie Biel' verschlingt er, die am User bauen — Er schwindet fast und dürre steh'n die Auen, Die Sümpfe nährt er voll der gift'gen Dünste — Er schwillt und schwillt, da spottet er der Künste, Tie Schranken ihm und Gränzcn muthen, Und wälzt verheerend seine braunen Fluthen — Er weicht zurück und eilet durch die Länder, Und seine Wogen sind des Glückes Pfänder, Bis er das Ziel in Ozeanen sindet, Wohin er, wie wir Alle, mündet. . . Sei Fackel, Freund, sei Wolke oder Welle, Ob licht, ob dunkel, ob Du klein, ob groß: Nicht Du bestimmst Dir dieses Loos — Doch ob des Segens oder Fluches Quelle Tein Leben sei — das wirkest Du allein. Für Dich und Andre Freude oder Pein! (Fortsetzung folgt.)