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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-04 · Heft 119 (4.10.1838) · p. Seite 481

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 119 (4.10.1838)
Date
1838-10-04
Page
Seite 481 (sequence 3)
Language
German
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481 für Aerzte, Künstler und Handwerker vorerst nach Befinden Dispensation zu wünschen wäre; 2) das Verbot des §. 7. des Gesetzes mit andern als selbst gefertigten Waaren Handel zu treiben; ein Verbot, das übrigens bei dem gegenwärtigen Zustande des Handels und der Fabriken, bei der vermehrten Concurrenz durch Eisenbahnen u. dgl. bald als gänzlich unausführbar sich darstellen und mithin zu derogiren sein wird und 3) die mit dem Grundbesitze noch verknüpfte Beschränkung. Alle diese und noch manche andre Punkte hoffen wir, werden Ln der nächsten Zeit, nach lichtvoller Prüfung von Seiten der h. Staatsregierung und der Ständeversammlung, einer angemesseneren und freisinnigeren Gesetzgebung weichen! — Noch ist anzuführen, daß das erwähnte Gesetz auf die Regulirung des israelitischen Cultus (worüber bereits unterm 17. Mai 1837 ein zeitgemäßes Gesetz, dieGestattung eines gemeinschaftlichen Bethauses betr., erlassen wurde) sowie auf die Eivitrechte der Juden (worüber bei der nächsten Ständeversammtung Vorlagen von Seiten der Staatsregierung erwartet werden) sich nicht erstreckt. — Für jetzt ist zu wünschen, daß die hiesigen Juden auch das ihrer Betriebsamkeit nun eröffnete weitere Feld möglichst benutzen und die jüngeren namentlich durch Erlernung sch w ererHandwerke und durch anhaltendes Arbeiten alle Verläumdungen der Gegner zunichte machen. — Wie der 4. Sept. 1831 (Publication der sächs. Constitution), vom ganzen Lande, so wird dann einst der 4. Sept. 1838 (Publikationstag des erwähnten Gesetzes) von den jüdischen Bewohnern als beginnende Morgenröthe alles Guten und Schönen innig gefeiert werden! — B. 33» Correspondeuzen, Auszüge, Repliken. Vom Haardt-Gebirge, Juli 1838. Bürgerliche und kirchliche Verhältnisse. (Schluß.) Als offne und Wahrheit suchender Berichterstatter muffen wir hier die Bemerkung voraus schicken, daß die rheinbaierschen Israeliten in religiöser und Schul-Bildung im Allgemeinen ziemlich zurück sind — ein Resultat der langen französischen Herrschaft, welche — wie in ihrem eignen Lande bis auf die neueste Zeit herab •) - das Schulwesen ungemein vernachlässigte — und °) Bei der Gründung der Normalschure aiir Bildung junger Schullehrer zu Metz, fanden sich unter 27 Concurrcnten, achtzehn- bis zwaurigjährigen Jünglingen, welche als die Bestunterrichteten nach sich um den religiösen Zustand der Israeliten tn keinerlei Weise — als etwa durch Berufung seines großen Sanhedrins, das wol nicht ohne wohlthätigen Einfluß blieb — kümmerte. Hier und da ein alter Rabbine — ohne Einfluß auf das praktische Leben, dessen ganzes Geschäft im Pasknen bestand und der — wenn er auch zuweilen einen exegetisch-dialektisch-mystischen Vortrag hielt, nicht verstanden wurde, es zu werden auch nicht verdiente — in jeder Gemeinde ein Lehrer, Vorsänger und Schlächter in einer Person, gemeiniglich ein banquerurirter Handelsmann, oder ein bigotter Pole — höchstens mit mechanischer Kenntniß einiger Theile des Talmuds ausgerüstet, angenommen und fortgeschickt nach der Laune der Gemeinde, oder wol gar einzelner Glieder derselben; dies war der Normal-Zustand der Israeliten in der guten alten Zeit. Dank unserer baierischen Staatsregierung! er ist durch ihre Sorgfalt verschwunden und hat einer beffern Ordnung der Dinge Platz gemacht. Sie har unserm Kreis, so wie er politisch in 4 Gerichtsbezirke (Frankenthal, Landau, Kaiserslautern und Zweibrücken) getheilt ist, für die Israeliten in 4 Rabbinats-Sprengel gcrheilt, und jedem einen ,,ediktmäßig geprüften" Rabbinen vorgcsetzt. So haben wir (für 10,000 Israeliten freilich wenig) 4 eigentliche s. g. Bezirks-Rabbinen in den Amtssitzen: Dürkheim (früher Neustadt), Landau, Kaiserslautern (früher Münchweiler) und Pirmafenz. Außer diesen bestehen hier und da noch s. g. Unterrabbinen, aus früherer Zeit, die jedoch nur geduldet sind, und deren in Erledigung kommende Sitze nicht mehr besetzt werden. Sämmtlichen vier Rabbinen können wir das Zeugniß eines aufrichtigen Willens zum Betern, eines thatigen Strebens nach Aufklärung und eines eifrigen Bemühens, zur Organisirung eines gelauterten Gottesdienstes — geben. Haben wir in dieser Beziehung noch nicht glänzende Resultate ihrer Bemühungen aufzuweisen, so stiegt die Schuld weit weniger an ihnen selbst — als vielmehr in der Gestaltung unserer Verhältnisse, nach welchen ihnen ein kräftiges Durchgreifen rein unmöglich ist. Unsere K. Regierung scheint von dem Grundsätze auszugehen, daß die Gemeinden, die für ihre gottesdienstlichen Bedürfnis selbst sorgen, such ein wol zu berücksichtigendes Wort bei dahin einschlagenden Einrichtungen mitzusprechen haben, wodurch die Herren Rabbinen in Aenderungen des Bestehenden gehemmt sind *), und sich darauf beschränken, jedes von den Gemeinden selbst ausgehende Vorcmschrciten kräftigst zu unterstützen. Und ein anderes als von solcher Seite ausgehende Fortschreiten ist bei uns — so scheint eS nach den bisherigen Erfahrungen wenigstens — auch nicht wol denkbar. Den Synagogen-Vorständcn ist hierin de facto eine große Machtvollkommenheit gegeben. Was bie Mehrheit des Vorstands unter Genehmigung des Rabbinen vorschlägt, wird in der Regel von den K. Land - Commiffariaten gutgeheißen und erlangt hierdurch gesetzliche Kraft. Auf diese Weise ist schon Manches geschehen, namentlich für einen verbesserten oder gereinigten Gottesdienst. An der Spitze steht hier die Cult-Gemeinde Kirchheimbolanden (Rabbinats-Bezirk Kaiserslautern, Rabbine Cohen) — durch die Bemühungen des Vorstands-Präsidenten Herrn Lev Levy. In einem Aufsatze, wie dem gegenwärtigen, dessen Tendenz eine unpartheiische Schilder Hauptstadt geschickt wurden, nur etwa 8 oder 10, welche befriedigend lesen konnten. — Bei Gelegenheit einer Truppm-Aushebung im Mosel-Departement von 15,000 jungen Männern, erklärten an 4500 weder lesen noch schreiben zu können. (Dl. für literar. Unterh. von 1837. No. 53.). Bedürfen solche Thatsachen noch eines CommentarS? D. Corr. °) CS verdienen diese Umstände — welche übrigens mehr oder minder dem Wirken der neuern Rabbinen in Deutschland allenthalben hemmend entgegen treten, — doch wol in Erwägung gezogen zu werden, ehe man — wie dies bereits geschehen — absprechcnde Urtheile über Mangel an Energie, Unentschlossenheit :c. der Rabbinen fällt und sogar in öffentlichen Blättern ausspricht. D. Corr.

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