Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 119 (4.10.1838)
- Date
- 1838-10-04
- Page
- Seite 482 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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482 derung der dermaligen Verhältnisse der Israeliten in der Pfalz ist — von diesem Manne schweifen, hieße, dem Verdienste seine Krone rauben. Herr Levy thar bereits i. I. 1835 als Ausschuß- Mitglied der Synode zu Speier alles Mögliche für Herstellung eines verbogenen Gottesdienstes und Vereinfachung der Gebete. Seine Bemühungen um die Bildung eines Vereins, Hebung der Bettelei bezweckend, wären in der That eines bessern Erfolgs würdig gewesen. Hingegen gelang ihm die Errichtung eines Vereins für Handwerks-Lehrlinge und Schuldienstexpectanten vollkommen; die Statuten sind von K. Regierung genehmigt, und wurden Seitens der K. Land-Commiffariate den Synagogen-Vorsianden zur Bekanntmachung und Provocirung der Theilnahme übergeben. Das Städtchen Kirchheimbolanden allein steuert jährlich — viele christliche Bewohner leisten Beiträge — fi. 230 — bei, und viele andre Orte folgten diesem schönen Vorgänge. Privat- Verbaltnisse — die wir hier nicht berühren dürfen — hinderten in unsrer nächsten Umgegend und im s.g. Oberlande (Bezirk Landau) die Verbreitung der Theilnahme an den Verein. Da diese jetzt beseitigt sind, so dürfte eine erneute Aufforderung des Vorstandes an seinem Platze sein, und sicher nicht ohne guten Erfolg bleiben. Diesem Manne, Herrn Leo Levy, dem die Pfälzer Israeliten schon so Viel verdanken, ist es, unterstützt von dem eben so thätigen als kenntnißreicken Lehrer I. Sulzbacher, gelungen, den Gottesdienst in der neu und würdig erbauten Synagoge zu Kirchheimbolanden auf eine Weise zu ordnen, welche dieselbe zum Muster für den ganzen Kreis gemacht. Choral-Gesang ist Grundzug des Gottesdienstes, über welchen im Ganzen ich Ihnen nächstens als Augenzeuge berichten zu können hoffe. Nachdem die Gemeinden Neu-Leiningen und Grünstadt (Bezirk Frankenthal, Rabbine A. Merz) durch eigne Abgeordnete von der Trefflichkeit deö zu K. organisirten Gottesdienstes sich überzeugt, wurde derselbe in Neu-Lei ningen durch die Bemühungen des Herrn Kaufmann, unterstützt von dem Privaten Herrn Schwarz, (einem vielseitig gebildeten, frühern Rabbinats-Candidayen, jetzt Associe einer Weinhandlung) — und in Grünftadr, wo sogar ein Rabbine alten Sch/ags seinen Sitz hat, freilich nicht ohne Widerstreben, durch Jprn. L ev y und Lehrer Heß eingeführt. Daffelbe geschieht nun in Eden toben (Bezirk Landau, Rabbine E. Grünbaum), wo der Lehrer Hr. M. Elsässer (von welchem auch die Stiftung des israel. Lese-Vereins ausging, von dem in einem Ihrer frühern Blatter alS von hiesiger Gemeinde ausgehend, gesprochen wurde) segensreich wirkt. Choral-Gesang ist ferner cingeführt in Kaiserslaurern (durch den Lehrer Herrn Walz), in Niederhochsiadt (Lehrer Herr Rothschild, wo der alte Rabbine (örr'nSN zu den kräftigsten Verrheidigern des verbesserten Gottesdienstes gehört, und gewiß in noch vielen andern Gemeinden, die Ihrem Berichterstatter noch nicht bekannt sind. Aus dem Bezirke Zweibrücken, wo sich Herr Rabb. Oppenheimer früher durch Reformen hervorgethan, fehlen mir nähere Nachrichten. Im Bezirk Landau hingegen, wo man noch weit strenger am Herkömmlichen haftet, als anderwärts im Kreise, ist der Thätigkeir des Hrn. Rabbine Grünebaum Manches gelungen, und es ist dort namentlich die Trauerfeierlichkeit am Zerstörungstage Jerusalems eine sehr erhebende und erbauliche; Connrmationen finden häufig Statt, und die zu Landau (Lehrer Aschaffenburg) so wie die zu Frankenthal (Lehrer Strauß) wurden von christlichen Zuhörern sehr rühmend in öffentlichen Blättern besprochen. — So beginnt allmählig die Saat zu keimen und zu wachsen, welche durch verbesserte Schul-Einrichtung bereits allenthalben auögestreut ist. — Nirgends wird mehr ein ungeprüfter Lehrer geduldet, und das Seminar zu Kaiserslautern sendet jährlich immer auch einige israes. Jünglinge den Gemeinden als Lehrer zu. Die. meisten der Letztem jedoch sind Altbaiern (Franken), — da der Mange! an gehöriger Schulbildung, Pfälzer junge Leute bisher vom Einschlagen dieser Bahn nothwendig zurück hielt. Die größte Zahl der vermöglichern und bedeutendem Gemeinden hat ihre Lehrer angestellt — auf der Synode zu Speier erschienen bereits 22 angesteüte Lehrer, dies war aber nicht die Gesammtzahl, welche selbst seitdem sich auch nur vermehrt haben kann —, oft mit Beihilfe ihrer christlichen Mitbürger °). Einmal angestellt, sind die Lehrer sodann in allen Rechten, Pflichten, Beaufsichtigungen, Conferenzen rc. ihren christlichen Collegen gleichgestellt. Die meisten Lehrer sind Religions- und Elcmentar-Lehrer (da dies bloS von dem Willen der Gemeinden abhängt, und nickt, wie in Altbaiern, an einen auszumittelnden Gehalt von fl. 360 — geknüpft ist): in manchen Gemeinden — wo nickt angestellte Lehrer sind, geschieht dies überall — besucht die isr. Jugend die Volkschule. — Jährlich (um Ostern) findet eine öffentliche Prüfung durch die K. Bezirks-Schul-Inspection Statt, und dreimal jährlich — hier spreche ich zunächst von dem Bezirk Frankenrhal — besucht der Hr. Rabbine die Schulen und prüft im Hebräischen, an welchen Tagen dann derselbe auch in den Filial-Orten predigt. — Im Allgemeinen ist der Gehalt der Lehrer nicht hoch — und wenige nur dürften über fl. 360 — beziehen, während Viele darunter stehen. Als Normal-Gehalt für (christliche wie jüdische) Schulen unter 50 Kindern hat K. Regierung fi. 250 — festgesetzt, und das hieran Fehlende wird aus der Kreisschulkaffe prorata zugelegt. Verdiente Lehrer erbalten auch von Zeit zu Zeit besondere Gratificationen. — Im Ganzen also auch hierin ein — vergleichungsweise — sehr günstiger Standpunkt! — Lehmann. *) So gkebt die chriftl. Gemeinde zu Mußbach dem Lehrer jährlich fl. 50 — Gehalts-Beitrag. D. Corr. Druckfehler. No. 110. S. 446 Sp. 2. Z. 19. v. o. lies: „hindurchfahren muß/' — Beibl. No. 26. S. 103 Sp. I. A. 22. v. o. lies: „allmächtig" für „allmählig" — ebenbas. Z. 23 v. o. lies: „Wer kennt die Faden" — No- 114. S. 460. Sp. 1. Z. 6. v. u. lies: „und" für „um." Sp. 2. Z. 25 v. u. lies: „den Leidenden" für „die Leidenden." S. 461. Sp. 1. Z> 9. v. o. lies: „nähren" für „nähern." Sp. 2. Z. 18. v. o. lies: „Masten" für „Mast". Redacteur: vr. L. Phklippson. — Verlag von BanmgärtnerS Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.