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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-22 · Heft 25 (22.6.1880) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 25 (22.6.1880)
Date
1880-06-22
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 den 462 Waisen in diesem Hause erzogen; gegenwärtig be- > bald zu den Juden greisen, um ihren Mangel an Erfindungsfinden fich darin 54 Knaben, 49 Mädchen und 2 Wittwen.1 kraft zu verdecken. Die französischen Schriftsteller schildern Die Jahresbilanz belief fich auf 29,349 Dollars. Die Zahl! die Juden entweder in ihrer, mit etwas Sonderbarkeit geder Mitglieder hat sich auch im verflosienen Jahre vermehrt.; paarten Einfachheit und Naivität, wie Erckmann-Chatrian, Der Verein und feine Schöpfung können getrost in das nächste s oder pathetisch, dem auf sie geübten Drucke gegenüber als Bierteljahrhundert ausfchauen. sittliche Helden, wie Balzac und der Dichter, von dem -- —-j wir sogleich sprechen werden. Dabei zeigt sich bereits der Bonn, 13 Juni. (Notizen.) Die Einführung des I Unterschied, der in der gesellschaftlichen Stellung der Juden Rabbiners Dr. Bloch in seine neue Gemeinde Florisdorf in Frankreich und in Deutschland besteht; denn die sranzöbei Wien ging, wie uns ein Schreiben vom 6. Juni befischen Schriftsteller zeichnen die Juden in der Theilnahme richtet, in feierlichster Weise vor fich und macht es der jungen an allen Gewerben und Claffen. an allen gesellschaftlichen Gemeinde alle Ehre, ihren Seelsorger so würdig und festlich! Bestrebungen, während die deutschen die Juden nicht anders, empfangen zu haben. Die Einführung geschah durch Dr. i fccttn als Banquiers, Trödler oder Wucherer darstellen, ob- Jellinek, und wurde der unter außerordentlicher Theilnahme schon sie doch wissen, daß es ein große Zahl derselben giebt, auch der städtischen Behörden abgchaltene Gottesdienst vom! die anderen Ständen und Beschäftigungen angehören. Ein Obercantor Goldstein vom Leopoldtempel in Wien mit seinem | Beleg hierfür giebt der jüngst erschienene Roman: „Le Chor geleitet. Auf die beredte Ansprache Jellinek's antwortete Dr. Bloch in einer ergreifenden Rede. Abends fand ein großes Banquet statt. — Herr Ignaz Reich in Pest hat folgendes Ministerialschreiben erhalten: Budapest, 4. Mai 1880. „Laut der vom 21. Apr. datirten Zuschrift Z. 3941 d. ung. Ministers um die Person des Königs hat Se. kais. und apostolische k. Majestät mit allerh. Entschließung vom 15. d. M. die ung. Uebersetzung des ersten Buches Moses von Ignaz Reich behufs Einverleibung in die k. k. Familien-Bibliothek allergnädigst anzunehmen geruht Trsfort M. P. Man schreibt uns aus Pest vom 7. Juni: staatsanwalt- Substitut Dr. Tobias Löw ist nouveau juif-errant par Fortiinio. Paris, Dentu 1879.fc Der Verfasser ist ein beliebter Romancier, der schon früher u. A. einen in mehreren Auftagen erschienenen Roman „Iss enfants d' Israel“ geschrieben, auf den wir später einmal zurückkommen. Diese lebhaft und mit gewandtem Dialog abgefaßte Dichtung zeichnet einen Juden, gegen welchen ein scheußliches Verbrechen verübt worden, und der sich nun zum Werkzeug der strafenden Gerechtigkeit aufwirst, als Arzt, Seecapitän und wer weiß noch was'. Verbrecher verfolgt und straft und schließlich diejenige Person vernichtet, die ihm so Der Oberj unendlich Bitteres angethan, allerdings nachdem diese noch heute nach! eine Reihe anderer Verbrechen begangen. Bon der Zeit auslängerem Leiden im Alter von 36 Jahren gestorben. Er be- > gehend, in welcher die Juden noch zur unterdrückten und von gründete eine juridische Wochenschrift, welche durch ihre ge- > den Aristokraten verachteten Menschenclasse gehörten, zeigt diegenen Beiträge das angesehenste ungarische Organ für Justiz-> der Autor sie in ihrem Aufstreben und im Erreichen mannigfachen wurde und bereicherte die ungarische Rechtsliteratur durch j faltiger Erfolge, trotz der Hindernisse, die ihnen überall im einige tüchtige Werke. Er war ein Sohn des vor einigen Wege stehen. Er theilt ihnen die Rolle der Gerechtigkeit und Jahren verstorbenen Szegcdiner Oberrabbiners und bis Humanität zu, während er ihre Gegner in den schwärzesten zu seiner Ernennung zum Oberstaatsanwalts-Substituten als Ministerialsecretär im ung. Justizministerium thätig. — Am 7. Juni wurde in Haag der Grundstein zu der Bildsäule Spinoza's gelegt, die im September fertig gestellt und enthüllt werden wird. Farben malt. Hiermit wollen wir allerdings diesen Roman weder loben noch empfehlen; denn er enthält nichts als eine Reihe schändlicher Verbrechen, die dadurch, daß sie zuletzt bestraft werden, an wiederwärtigen Eindrücken nicht verlieren. Mögen immerhin solche Unthaten vereinzelt Vorkommen; aber Bonn, 30. Mai. ^.Literarische Notizen.) Es wäre < c» kann nicht der Gegenstand der Poesie sein, sie in ungeein Jrrthum, anzunehmen, daß die französische Romanliteratur heuerlichem und abenteuerlichem Maße anzuhäufen. wie es es verschmähe, sich jüdische Stoffe zu wählen, oder vielmehr I hier geschiel t. Es wäre zu wünschen gewesen, daß der Dich- Juden eine Rolle in ihren Dichtungen spielen zu lassen. Es geschieht dies auch in französischen Producten, wenn auch lange nicht so häufig, wie bei den deutschen Belletristen. Ein charakteristischer Zug aber ist es, daß die französischen Romanciers die Juden weder in deren äußeren Erscheinung, noch in sittlicher Beziehung carrikiren, wie dies eine Lieblingsbeschäftigung der deutschen Schriftsteller ist, die, sobald ihnen ter eine gleiche wahrhafte Menschenkcnntniß besessen und verwendet hätte, wie er eine genaue Schilderung der verschiedensten Oertlichkeiten in Italien und Deutschland giebt. — Es ist ein anerlenuungswerther Zug, daß die jüngste heftige Polemik gegen die Juden in Wort und Schrift diese nicht dazu zu reizen vermochte, ihre Gegner im eigenen Lager anzugreifen und deren viele Schwächen und Blößen zu benutzen. die Gabe abgehl. Interessantes und Pikantes zu liefern, als- {um sie empfindlich zurückzuschlagen. Vielmehr suchten sie

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