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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-22 · Heft 25 (22.6.1880) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 25 (22.6.1880)
Date
1880-06-22
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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393 ist nur, daß er gleich nach seiner Ankunft in Odessa aus Kiew einen Brief erhielt, in dem ihm die Kiewsche Polizei Entschuldigungen macht." — Die jüngst von den russischen Blättern gegebenen Mittheilungen über den großen Prozentsatz jüdischer Schüler in den höheren russischen Lehranstalten waren sehr geeignet, die russischen Behörden zu Maßregeln zu bestimmen, durch welche dieser ihnen mißliebige Umstand abgemindert werden könne. Denn in Rußland glaubt man noch immer durch Prohibitiv - Mittel alle Erscheinungen beherrschen und behindern zu können. Es wird uns daher kaum aussallen, wenn aus Moskau unterm 25. Mai Folgendes gemeldet wird: Tie Moskauer „Polizei-Zeitung" veröffentlicht folgenden Befehl des Moskauer Oberpolizeimeisters: „Aus den mir zugegangenen Nachrichten ersehe ich, daß in einigen hiesigen Gymnasien und anderen Lehranstalten Hebräer in die Zahl der Schüler ausgenommen werden, denen von der Schulobrigkeit Billette ausgestellt werden, und daß diese Billete bei der Polizei registrirt werden — In Anbetracht dessen, daß Ebräer behufs ihrer Ausbildung in hiesigen Lehranstalten nur mit Genehmigung des Herrn Generalgouverneurs zugelasien werden können, schreibe ich für die Zukunst vor, daß den bezeichneten Schülern nicht anders als nach erfolgter Erlaubniß seitens des Herrn Generalgouverneurs der Aufenthalt in Moskau gestattet werden soll. Asien. Aus Arabien. Wir haben schon früher, namentlich nach Berichten des verst. Freih. v. Maltzahn, über die selbständigen jüdischen Stämme in Arabien Mittheilungen gemacht. Die englischen Blätter veröffentlichen jetzt eine Depesche aus Alexandrien, der zufolge sich nun auch der mächtigste Emir Nord-Arabiens, Jbn Raschid, gegen den Sultan Abdul Hamid empört hat und jetzt die Festung Bozrah im Hauran belagere. Ueber diesen Emir, bei dem ein Profeffor der Wiener orientalischen Akademie einmal schon als Gast geweilt hat, erfährt nun das „Wiener Fremden-Blatt" Folgendes: Im Norden Arabiens und zwar nahe der Straße, die von Medina nach Bagdad führt, leben noch heute einige jüdische Nomadenstämme, die schon vor der Zerstörung des ersten Tempels von Palästina nach Arabien ausgewandert sind. Ueber diese Stämme herrscht jetzt der ge" nannte Jbn Raschid, desien Residenz sich in dem Felsenschlofse Schaubek befindet. Diese Stämme leben noch heute nach den Satzungen der Bibel, wogegen ihnen die Lehren des Talmud und der Rabbiner gänzlich unbekannt sind. Ihre Muttersprache ist das Arabische und nur Wenige von ihnen verstehen noch hebräisch. Zu diesen Stämmen gehörte auch das historisch berühmte Judenmädchen Zeinub, das den Propheten Mohamed, weil er ihren Bruder Hebar hinrichten hat lasten, durch einen Lammsbraten vergiftet hatte. Diese Juden leben noch immer in Zelten und nähren sich zumeist von Viehzucht. Dank ihrer Tapferkeit und ihrem kriegerischen Geiste, vermochten sie ihre Unabhängigkeit und ihren Glauben bis auf den heutigen Tag zu erhalten und senden noch jetzt große Geldsummen nach Jerusalem für die dortigen Armen. Jerusalem, im Mai. Die Herren Barone Nathanacl v. Rothschild in London und Samuel Montagu haben ein größeres Gebäude außerhalb des Jaffathorcs für 35,000 Fr. gekauft, um es zu einer jüdischen Schule einzurichten. Ob dieselbe bei den Bewohnern Jerusalems mehr Eingang finden wird als die früheren Versuche, ist sehr zweifelhaft. Damaskus, im Mai. Der Obergouverneur von Syrien, der bekannte Midhat-Pascha, hat ein bemerkenswerthes Schreiben an den Präsidenten der Anglo-Jewish Association gerichtet, in welchem er den Israeliten von Beyrut ein gutes Zeugniß ausstellt, dagegen ein solches denen von Damaskus verweigert. Diese haben keine Schule und zeigen keine Tendenz zur Civilisation. Er findet die Ursache hiervon in dem Mangel an einem intelligenten Rabbinen. Er kenne einen solchen und würde desten Anstellung den besten Erfolg haben. Zur Errichtung von Schulen fehlt es an Geldmitteln, und Midhat- Pascha fordert die europäischen Israeliten zu energischer Beihilfe aus. Alsbald haben die Herren A. de Camondo in Paris und Sassoon in London je 10,000 Fr. bewilligt, was die Hälfte der Erfordernisse zum Bau eines Schulhauses ausmacht. Die Anglo-Jewish Association hat 4000 Fr. jährlich zugefichert, und da die Ortsbevölkerung 6000 Fr. jährlich leisten will, so wären die pekuniären Mittel vorhanden. Es geht hieraus hervor, daß die früher von der Alliance isr. univ. gestiftete Lehranstalt sich nicht erhalten konnte. Amerika. New-Orleans, im Mai. (Privatmitth.) Der hiesige jüdische Wittwen- und Waisenverein hat am 14. März sein 25 jähriges Jubiläum gefeiert. Er war der erste seiner Art in den Vereinigten Staaten. Nach der schrecklichen Seuche von 1853 wurde das Bedürfuiß, für die hinterlaffenen Wittwen und Waisen zu sorgen, zuerst so recht fühlbar: 1855 wurde der Verein gegründet und schon 1856 das stattliche Gebäude eröffnet, das seitdem wiederholt durch Anbauten erweitert morden. Ter Verein hat die Befriedigung, noch jetzt den eigentlichen Urheber dieses wohlthätigcn Unternehmens, Herrn Joseph Simon, als feinen Präsidenten zu besitzen. Bei der 25. Jahresversammlung hielt der Rev. James K. Gutheim die Ansprache in würdigster Weife. Er hob hervor, wie alle die Stürme, die in der verflossenen Zeit über dieses Land und diese Stadt hinweggingen, der furchtbare Bürgerkrieg, die wiederholten Seuchen des gelben Fiebers, die Handelsersten, das edle Werk des Vereins nicht zu stören, noch weniger zu erschüttern vermochten. In diesen 25 Jahren wur-

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