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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-22 · Heft 25 (22.6.1880) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 25 (22.6.1880)
Date
1880-06-22
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 zu wahren und zu pflegen. Darauf beruht die Anordnung, daß, von außerordentlichen Fällen abgesehen, bei der Aufnahme von Kranken jederzeit ein Vorstands-Mitglied anwesend sein soll, und zur Durchführung dieser Anordnung gilt die Be stimmung, daß der fungirende Monatsvorstchcr täglich von 12—2 Uhr im Hause gegenwärtig sein muß." „Es entspringt ferner daraus die Einrichtung, daß vielfach unsere Kranken nicht unmittelbar nach Hebung ihres Leidens, sondern erst nachdem sie gekräftigt und wieder arbeitsfähig geworden sind, zur Entlastung kommen. Hierdurch wird es erklärlich, wenn nicht nur die Bcrpflcgungsdaucr, sondern auch die Berpflegungskosten, letztere in Folge der Verabreichung von Wein, kräftigerer Kost u. s. w., vielleicht vergleichsweise höher erscheinen dürfen." „Daß diese persönliche Fürsorge für das Wohl der Kranken, das herzliche Entgegenkommen denselben gegenüber, das Bestreben, nicht nur für den Augenblick, sondern nach Möglichkeit auch für die Folgezeit zu sorgen, auf das Wesen der Anstalt bestimmend einwirkt, liegt auf der Hand. Unterstützt wird dieses Bestreben noch dadurch, daß wir, Dank dem Wohlthätigkeitsfinn unserer Vorvordern und Zeitgenosten, eine Reconvalescentenkaste besitzen, welche uns in die glückliche Lage versetzt, armen Kranken bei ihrer Entlastung einen Zehrpfennig gegen die erste Noth mitgeben zu können." „Als eine fernere Eigenthümlichkeit unserer Anstalt verdient die Fremdenkrankenkaste hervorgehoben zu werden, eine Einrichtung, deren sich wohl kaum ein anderes Krankenhaus zu erfreuen haben dürfte. Während die Gemeinde sich darauf beschränken muß, auS den Steuern ihrer Mitglieder die Kosten freier Aufnahme nur armen Gemeindemitgliedern zu gewähren, sind wir durch die Erträge von Legaten und jährlichen freiwilligen Beiträgen in den Stand gesetzt, auch solche auswärtige Glaubensgenossen aufzunehmen, denen ihre weniger bemittelten Heimathsgemcinden die Wohlthat der Krankenhausverpflegung auf eigene Kosten nicht gewähren können. Wenn aus den Mitteln unserer Frcmdenkrankenkasse im vergangenen Jahre allein 76 Kranken 4711 Verpflegungstage gewährt werden konnten, so giebt dies gewiß ein glänzendes Zeugniß von der segensreichen Wirksamkeit ihres Bestehens." Das Wachsthum in den Leistungen der Anstalt ergiebt sich daraus, daß sie 1862, in welchem Jahre das neuerbaute Haus eröffnet wurde, 337 Kranke mit 13,386 Berpslegungstagen, 1879 aber 939 Kranke mit 50,515 Berpflegungstagcn verpflegt hat. Bei solcher Zunahme entschloß sich die Verwaltung die Anstalt auf angemestene Weise noch zu erweitern. Bon den 939 Kranken waren 396 zahlende, 464 wurden für Rechnung der Gemeinde und der Fremdenkrankenkasse verpflegt; als geheilt wurden entlasten 484, als gcbestert 208, als ungeheilt 79; es verstorben 84 und es verblieben 84 Kranke. Diese Sterblichkeitsziffer von 9.82 Proz. ist an sich schon eine günstige nnd erscheint noch günstiger wenn man erwägt, daß in mehreren Fällen Kranke fast sterbend ausgenommen werden mußten. Die durchschnittliche Dauer der Anwesenheit eines Kranken in der Anstalt war 32,/-1 Tag (gegen 31 im Jahre 1878). Den medizinischen Thcil des Berichtes, der sehr ausführlich und interestant, übergehen wir hier. Ganz besonders anerkennenswerth ist das mit der Anstalt verbundene pneumatische Cabinet. Die chirurgische Abtheilung wird vom Gehr. v. Langenbeck, einer Autorität ersten Ranges, die innere Station von Prof. Jacobson und Or. Lazarus dirigirt. Tie Gemeindekaste hat im Jahre 1879 24,851 M. zugcschosten. Die Einnahmen betrugen 121,658 M., worunter ca. 11,000 M. für Effecten, die Ausgaben 95,525 M. Die Bilanz am 81. Dec. 1879 wies einen Besitz von 494,516 M. auf, was für eine solche Anstalt kein bedeutendes Vermögen ist. so daß der Wohlthätigkcit der Glaubensgenossen noch ein ziemlicher Spielraum gelasten ist. Gestiftet sind 21 Krankenbetten. Den Schluß bildet folgende Bemerkung: „Zum Schluß möge es noch verstattet sein, mit einigen Worten auf das mit unserem Krankenhause in engster territorialer und wirthschaftlicher Verbindung stehende Siechenhaus, hinzuweisen. Begründet wurde dasselbe bekanntlich im Jahre 1875 durch ein Legat des seligen Herrn Kaufmann Bendix in Höhe von 9O,Otü> Mark und ein Geschenk des Herrn Adolph Reichenheim von gleichem Betrage. Zu diesem GründungS-Capital kamen ferner die Legate der Frau Sara Wulff im Betrage von 22,500 Mark und des seligen Herrn David Herzog in Höhe von 30,000 Mark. Dieses Siechenhaus, den armen unheilbaren Kranken gewidmet, bietet zwar Räumlichkeiten für 40 Personen, bis Schluß des Jahres 1879 haben indessen nur 9 Personen (4 Männer und 5 Frauen), welche den statutarischen Bestimmungen entsprachen, Aufnahme gefunden." - Der Hofprediger Stöcker erntet bereits, was er gesäet. Kaum daß er in den Versammlungen seiner „christlich-socialen Arbeiterpartei" aus dem engen Kreise seiner Anhänger heraustritt, Nichtmitglieder zuläßt und andere Themata behandelt als seine „Judensrage" : so werden diese Versammlungen so tumultuarisch und mit Gelächter und Hohnreden aus Stöcker gespickt, daß sie geschlosten werden müssen. Vor uns liegt z. B. der Bericht der „Germania" vom 5. Juni, der also gewiß nicht zu Ungunsten Stöckers abgefaßt ist, und der das wüste Treiben in einer solchen Versammlung vom 4. Juni schildert. Das Thema war: „Das Bagabundenthum und die Armenpflege." Besonders war es der Pastor Budy, besten Auslastungen mit furchtbarem Lärm und Gelächter begleitet wurden. Stöcker sah sich veranlaßt, mit dem Ausschluß von Gästen zu drohen und sagte zuletzt: „Damit diese thörichteu Redens-

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