Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1880)
- Date
- 1880-06-15
- Page
- Seite 378 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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378 und es wird unter günstigen Umständen eines Zeitraumes von 2000 Jahren bedürfen, um die 40,000 in Rumänien geborenen Israeliten in Besitz ihrer natürlichen Rechte zu setzen. Unter den 45 auserwählten Israeliten befinden sich einige, die nur durch unerlaubte Mittel zu diesem Ziele gelangten, während Männer, welche wahrhafte Verdienste um Runlänien besitzen, wie Adolf Weinberg, zurückgewiesen worden. Besonders haben diejenigen, welche als Mitglieder der Alliance isr. univ. bekannt sind, keine Aussicht, das Bürgerrecht zu erlangen. Amerika. Rew-Horl, im April. Wie die ösientl. Blätter schon wiederholt berichteten, hat in diesem Jahre die Auswanderung aus den europäischen Ländern nach Amerika bereits große Dimensionen angenommen, größer als sie seit Jahren gewesen. Dies muß sich schon in Amerika fühlbar machen, und wir finden im Hebrew Leader vom 23. April folgenden Aufruf: In Folge der Langsamkeit, mit der die Ertheilung der bürgerlichen Rechte an unsere unterdrückten 'Glaubensgenoffen in Serbien und Rumänien vor sich geht und weil der Geist der Intoleranz und Verfolgung wieder in Rußland ausgebrochen, können wir eine große Vermehrung der jüdischen europäischen Einwanderung in diesem Jahre erwarten. Aus diesem Grunde ist es uns erfreulich zu wiffen, daß der Verein zum Schutze jüdischer Einwanderer jetzt in praktischer Thätigkeit ist und daß seine Zweigvereine sich über alle wichtigen Punkte in den Bereinigten Staaten erstrecken. Ties ist eines der wichtigsten Wohlthätigkeitswerke und es kann nicht ansbleiben, daß dadurch viel Gutes geschieht. Der Fremde in unserem Lande kennt natürlich deffen Sitten nicht und ist nur zu sehr geeignet, eine Beute des absichtlichen Betrügers zu werden: ihn zu beschützen ist nur Menschlichkeit. Das-alte mosaische Gesetz, wie es in Palästina ausgeübt wurde, verlieh dem Fremden in seinen Thoren alle Rechte der Bürger in Israel und befahl freundliche und brüderliche Behandlung. Diese gute und wohlthätige Sitte sollte im Laufe der Zeit nicht geändert werden, denn der Fremde in seinem Alleinstehen appellirt noch an unsre besseren Gefühle. Es ist noch nicht so lange her, daß wir oder unsre Vorfahren Ankömmlinge an diesen Küsten waren und eine freundliche Anweisung oder Ermuthigung oder eine helfende Hand nöthig hatten. Dies ist die Bedeutung dieses so bewunderungswerthen Wohlthätigkeitsvereins, welcher so ganz mit unseren mosaischen Institutionen übereinstimmt. Sicher wird er sich selbst all' unsren Lesern empfehlen, welche, wie wir hoffen, ihm Beitritt und Unterstützung nicht versagen werden. Nev-V^rk, 21. Mai. Eine Depesche der Reuter'schen Agentur aus Washington vom gestrigen Datum meldet, daß die Repräsentantenversammlung der Bereinigten Staaten eine Resolutton angenommen habe, welche den Präsidenten Hayes auffordert, eine Untersuchung über die Austreibung einiger Israeliten, welche amerikanische Bürger sind, aus Petersburg zu veranstalten. Hierauf bezüglich berichtet man aus Petersburg vom 4. Juni: Zur Frage über die Ausweisung von Juden, die ausländische Nnterthanen sind, aus Rußland, melden die „Nowosti", daß neuerdings anläßlich der Ausweisung eines Juden, der nordamerikanischer Bürger ist, Präsident Hayes den hiesigen amerikanischen Gesandten beauftragt hat, über diesen Vorfall sich genau zu informiren und dann darüber zu berichten. Die Nachricht von dieser Ausweisung soll die Juden in Amerika besonders aufgeregt haben, die, früher russische Unterthanen, sich gegenwärtig das nordamerikanische Bürgerrecht erworben haben. Bonn, 6. Juni. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Dem Schul-Jnspector des Preßburger Komitats, Hrn. Joseph Roth, wurde in Anerkennung seiner auf dem Felde des öffentlichen Unterrichts erworbenen Verdienste der Titel eines königl. Rathes taxfrei verliehen. Bekanntlich ist Roth der erste und einzige Jude in Ungarn, der zum Schul- Jnspector eines Komitats ernannt wurde. — Aus Wien wird der plötzliche Tod des vr. Moritz Rappaport, früher Arzt und Spitaldirector in Lemberg, der seit einem Jahre sich nach hier zurückgezogen, gemeldet. Als Dichter rühmlichst bekannt, waren seine Verdienste, als er im vorigen Jahre seinen 70 jährigen Geburtstag feierte, von Nah und Fern anerkannt worden. — Aus Homburg v. d. Höhe berichtet man uns, daß der daselbst seit kurzer Zeit fungirendc Rabbiner vr. Appel einstimmig von der Gemeinde zu Krotoschin gewählt worden, nachdem der dortige Rabbiner vr. Jokl an dos Breslauer Seminar berufen worden. Die Hamburger Gemeinde macht alle Anstrengungen, sich dem, zwar noch jungen, aber bewährten Rabbiner zu erhalten. — Am 23. Mai wurde zu Versailles auf dem Grabe des vr. Hirtz ein trefflich gearbeitetes Monument mit der Büste desselben enthüllt. Hierbei sprachen der Großrabbiner Charleville, vr. Roger im Namen der Academie der Medicin, vr. Le Reboullet im Namen der ehemaligen Schüler von Hirtz, vr. Thorens im Namen der medicinischen Facultät von Straßburg u. A., und schilderten begeistert die Verdienste des Dahingeschiedenen. Bonn, 12. Mai. (Literarische Notizen.) Der Sohn Samuel David Luzzatto's, Herr vr. Jesajas Luzzatto in Padua, setzt mit unermüdlichen Eifer seine Bemühung fort, die nachgelassenen Schriften seines Vaters zu ordnen und durch den Druck zu veröffentlichen. Wir können ihm hierfür nur dankbare Anerkennung spenden. Zunächst