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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-15 · Heft 24 (15.6.1880) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 24 (15.6.1880)
Date
1880-06-15
Page
Seite 375 (sequence 7)
Language
German
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375 Wir haben in den Vertheidigungsreden der Seminarfreunde nur ein Motiv gefunden, welchem Objectivität innewohnt, und zwar hat der wärmste Bertheidiger des Seminars es betont, daß dieses Institut dazu geeignet ist, den Judaismus allmählich auf den Aussterbe-Etat zu setzen; aber eben dieses Motiv, welches das Endziel des Seminars klarlegt, bestärkt uns in unserer Ueberzeugung, daffelbe mit aller Energie bekämpfen zu müssen. Es wurde dieser Frage eine soziale, eine kulturelle und eine nationale Seite abgewonnen, die wir in ihr vergebens suchen; nur die eminent religiöse Seite, die ihr innewohnt, wurde nicht in Betracht gezogen, und so konnte es kommen, daß eine so erleuchtete liberale Körperschaft, wie der ungarische Reichstag, es stillschweigend hinnahm, daß ein religiöses Institut für zwei Glaubensgenossenschaften Raum bieten soll. Wir dürfen, können und werden nie und nimmer eine Institution benutzen, deren Tendenz es ist, für neologe Zwecke Propaganda;u machen. Wir werden nie und nimmer eine Institution benützen, die von Leuten errichtet wurde, deren religiöse Bestrebungen den unseren diametral zuwiderlaufen. Wir werden überhaupt nie und nimmer dem Seminargedanken Raum geben, weil dessen Tendenz, in welcher Form immer er auch Ausdruck finden sollte, eine unjüdische ist. Diese rein religiöse Frage wollen wir in keinem Falle als eine soziale und nationale betrachtet wissen. Wir können es wahrlich nicht erwägen, wie die Treue zur Religion der Treue zum Baterlande Abbruch thun kann, und verwahren wir uns feierlichst gegen die Insinuation, als wäre uns der ungarische Staatsgedanke weniger am Herzen gelegen als unseren nichtjüdischen Mitbürgern. Wir wahren nur unfern religiösen Standpunkt, indem wir die Fahne nicht senken, die wir durch Jahrtausende hochgehalten. Die Ausdauer, die unsere Boreltern bekundeten, als sie ihre religiöse Überzeugung mit Hohn, Schmach, Entäußerung aller natürlichen Menschenrechte, mit der Preisgebung des Vermögens, ja ihres Lebens erkaufen mußten, wird ihren Nachkommen als ein leuchtendes Beispiel vorschweben; Gut und Blut, Stellung und Vermögen können uns genommen werden, unsere religiöse Ueberzeugung nicht. Seine Rechte kann man verleugnen, seine Pflicht nicht. Kelt Budapesten, 1880. junius 2-an. A magyares erdelyorszagi ant. orth. izr. fdrabbik es orszagos bizottsägi tagok gyüleseböl. Lipsitz Lipbt. Katz Menachim, abauj-szäniöi förabbi n.-kereszturi forabbi mint, jegyzö. mint elnök. Wir werden über dieses Schriftstück in nächster Nummer sprechen. Außerdem verlautet aus der Versammlung, daß besonders zwei Anträge den Gegenstand der Berathung bildeten. Der eine: „daß die Orthodoxen vollständig brechen sollen mit den Neologen", wurde verworfen, der zweite aber: daß „kein in der Landes-Rabbinerschule gebildeter Rabbi in einer orthodoxen Gemeinde anzustellen sei, da er überhaupt nicht als Rabbi anzuerkennen" — wurde einstimmig angenommen. d yvi<xc fj cicfjt'ew. \ Deutschland. j Berlm, I. Juni. (Privatmitth.) Man muß die Conse-! quenz anerkennen, mit welcher der Abg. Dr. Windthorst er-1 klärt, daß die Katholiken „für die Gleichstellung aller Consesfionen, auch der Juden", eintreten. Auch in der Debatte über die neue kirchenpolitische Vorlage sprach er nachdrücklich diese Worte aus in seiner Rede am Schluß des ersten Verhandlungstages. Wir haben keine Berechtigung, in diese Aeußerung des vielgewandten Führers des Centrums für seine Person einen Zweifel zu setzen, da er sie ja auch durch seinen bekannten Antrag bei Discussion der Militäruovelle bethätigt hat. Nur ist es schade, daß gerade bei dieser Gelegenheit das Centrum erwiesen hat, daß in dieser Frage die Mehrzahl der Mitglieder der Partei ihrem Führer nicht Folge leisten; daß die ultramontanen Preßorgane nach dem völligen Gegensätze zu der Aeußerung Windthorst's streben, weiß Jedermann. Somit ist die Befriedigung über die Gesinnung dieses bedeutenden Mannes nur eine getheilte. — Es ist bemerkenswerth, daß die Erlheilung der außerordentlichen Professur an Dr. Ludwig Geiger zugleich mit der Erlheilung derselben Würde an den strengkatholischen Dr. v. Hertling in Bonn durch den Unterrichtsminister v. Puttkammer geschehen ist. Man kann sich vorstellen, daß der Minister, indem er beweisen wollte, daß er selbst ultramontan gesinnte Katholiken aus dem Staatsdienste nicht ausschließe, dies doch nicht allein zu Gunsten der Katholiken erweisen wollte und deshalb die gleiche Unparteilichkeit hinsichtlich der Juden bethätigte. Uebrigens wird jeder Sachkundige zugestehen, daß vom wissenschaftlichen Standpunkte beide Männer j diese Würde längst verdient haben. — Italien. Rom, 5. Juni. Die päpstliche „Aurora" beginnt eine Reihe hochofficiöser Artikel über die gescheiterten Verhandlungen zwischen Preußen und dem päpstlichen Stuhle. Darin

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