Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1880)
- Date
- 1880-06-08
- Page
- Seite 365 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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365 Bonn, 30. Mai. (Notizen.) Bor Kurzem wurden in London einige jüdische Bäcker aus Requisition des Vereins der Bäcker vor das Polizeigericht geladen. Sie waren angeschuldigt, Sonntags am Nachmittag Brod verkauft zu haben. Diese jüdischen Bäcker halten ihre Laden am Samstag geschloffen; da sie aber dieselben am Sonntag öffnen, so zogen sie den Zorn jenes Vereines auf sich, weil sie dadurch die christlichen Arbeiter zu dem gleichen Verfahren verleiteten, was der Freiheit und der Gesundheit der Bäcker schade. Die Angeklagten wurden zu einer leichten Strafe verurtheilt. Man sieht hieraus, daß die beim französischen Senate jetzt in Verhandlung stehende Aufhebung des strengen Sonntagsgesetzes von 1814 ihre Berechtigung hat. — In Bleicherode feierte, wie man uns schreibt, Herr M. S. Falkenstein mit seiner Gattin die diamantene Hochzeit. Das Jubelpaar, 85 resp. 80 Jahre alt, seit 1821 Bürger unsrer Stadt, erfreut sich noch rüstiger Gesundheit. Sowohl die städische Commune als die jüdische Gemeinde weiß das verehrungswürdige Paar in seinen stets bewährten Tugenden zu schätzen. Bekleidete doch Herr F. 15 Jahre lang die Stelle eines ersten Vorstehers und hat er soeben zu Erbauung einer neuen Synagoge eine beträchtliche Summe gewidmet. Am 24. Mai fand die Feier der diamantenen Hochzeit statt und zwar nach den Wünschen des Jubelpaars, das jede Gemüthsaufregung von sich fernhalten wollte, in aller Stille. — In gewissen Berliner Kreisen ist der Missionär R. Belson wohlbekannt. Seinetwegen ist jetzt großer Zwist in der anglikanischen Colonie ausgebrochen. Dieser Judenmissionär will jetzt von seinem Amte zurücktreten, verlangt aber eine hohe Pension, für welche die Einnahmen der anglikanischen Kirche ihm verpfändet werden sollen, lieber seinen Lebenslauf wird außer anderen Borkommniffen folgendes berichtet: Danach heißt der Reverend eigentlich Moses Bellsohn, ist in Kassel als Sohn des dortigen jüdischen Borbeters geboren, wurde Sattlerlehrling, resp. Geselle, kani noch London, ward dort getauft und zum Missionär herangebildet, heiratete die Tochter eines reichen Mitgliedes des Bekehrungscomites, kam als Judenmissionär nach Posen, Bromberg und schließlich hierher, betheiligte sich bei Strousbergs Geschäften, verdiente angeblich viel Geld und beziehe seit seiner Conversion von einer Londoner Missionsgesellschaft eine Jahrespension von 2000 M. Man sieht, die Judenmission ist in der Wahl ihrer Werkzeuge nicht sehr skrupulös! — Man schreibt uns von Darmstadt den 26. d.: Wann werden einmal unsre Glaubensgenossen zur Besinnung kommen? Wann werden sie einsehen, wie sie durch ungebührliches Betragen am heiligen Orte sich in den Augen ihrer christlichen Mitbürger aufs äußerste hernntersctzcn? — In der jüdischen Gemeinde zu B. waren im verflossenen Winter an einem Sabbath so arge Streitigkeiten in der Synagoge ausgebrochen, daß Polizei requirirt wurde, die mehrere Sabbathe hindurch zur Aufrcchthaltung der Ruhe und Ordnung beim Gottesdienste anwesend war. Nun berichtet ein hiesiges Blatt, daß es auch in der Gemeinde B.! am versloffenen Wochenfest in der Synagoge wegen der Plätze zu Schlägereien kam, und daß ebenfalls die Polizei ein- | schreiten mußte. Geht man diesen Streitigkeiten auf den Grund, so ist es öfters der bloße Handelsneid, der sie erzeugt, die aber am Unrechten Orte ausgefochten werden. — Das jüngst in Pest errichtete Szcchenyi-Monument wurde von dem Bildhauer Joseph Engel, einem Juden verfertigt. Engel, in B.-Gyarmath geboren, lag in seiner Jugend dem Studium des Talmuds ob und ist ein Schüler des sel. : Moses Sophcr. — Tie officielle Statistik über die Ehescheidungen in Elsaß-Lothringen constatirt, daß diese bei den; Protestanten häufiger als bei den Katholiken und sehr selten j bei den Juden sind. Ieuilleton. Collectanea. Bon Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. 4. -rn “so Sowohl die in Nr. 2 meiner iHleetnnen aufgestellte Behauptung über die Bezeichnung ^n;,r; rer noch mehr zu stützen, als auch besonders einige bisher wenig berücksichtigte Ansichten über das bei Jos. 10, 13 und Sam. II. 1, 18 erwähnte "ißrn ieo hervorzuheben und größerer Beachtung zu empfehlen, ist Zweck folgender Notizen: Die gewöhnlichen Erklärungen von in dem Ausdruck -sc können wenig befriedigen, weil sie lediglich auf Bermuthung beruhen. Ist es mehr als Bermuthung. wenn Lowth, Michaelis, Herder, der syrischen und arabischen Uebersetzung folgend, -rr als aus Tr transponirt und mit diesem gleichbedeutend nehmen, also 'c für das Buch der (National-) Gesänge halten: Andere ~r’“ 'd für das Buch des Redlichen, des wahrheitliebenden Verfassers: noch Andere unter Vergleichung des ~vr mit dem entsprechenden arabischen Ausdruck für das Buch der Tapferkeit oder der Helden erachten? Wieder Andere, darunter Fürst, ziehen es vor, mit der Tradition im Talmud ~tr* als Collectiv für Israeliten zu nehmen, wie r-r1 4 Mos. 23,10; Ps. 111, 1 und zu übersetzen: Buch der Israeliten, d. h. Nationalbuch. S. Abodah sarah 25. Dort behauptet nämlich R. Jochanan, die Genesis, in der die Patriarchengeschichte enthalten sei, heiße -rT weil den Erzvätern von Bileam das Attribut ----- bcigelegt werde.