Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1880)
- Date
- 1880-06-08
- Page
- Seite 362 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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362 Elementar- und Handwerksschulen zu schaffen. Man ist darüber einig, daß keine anders geartete Stiftung dem Geiste Cremieux's mehr entspräche als diese. Das Comite hält sich überzeugt, daß auf keine andere Weise dem Elende der jüdischen Bevölkerung in Palästina abgeholfen werden könne. Unterricht und Erziehung zu Handwerken und Landbau sind die einzigen Mittel, um die Juden Palästinas aus den erbärmlichen Zuständen, in welchen sie vegetiren, herauszubringen. Das Comite will Schulen gründen in Jerusalem, Safed, Tiberias, Hebron, Jaffa, Caiffa. Die Schwierigkeit dieses Werkes verleugnet sich das Comite nicht. Man muß nicht allein Schulhäuser bauen und Lehrer, Bücher und Lehrmittel aus Europa kommen laffen, sondern auch die Kinder zum großen Theile ernähren und bekleiden. Der Unterhalt einer Schule in Jerusalem erfordert allein jährlich 25,000 Francs, und was will eine Schule im ganzen Plane bedeuten? Es ist also ein sehr beträchtliches Capital erforderlich, um durch deffen Ertrag den Bestand und die gute Haltung der zahlreichen Schulen, die in Palästina gegründet werden sollen, zu sichern. Es werden also sehr bedeutende Hülfsquellen und die Anstrengungen der Juden aller Länder nothwendig sein. Aber das Comite vertraut auf die Sympathien der Glaubensgenoffen für Palästina, dem Wohlthätigkeitssinn derselben und dem Andenken, das sie dem verstorbenen Präsidenten der Alliance widmen. Die Spenden, kleine wie große, werden nicht blos durch die Localcomites der Alliance, sondern durch alle Gemeindevorstände und Rabbinen entgegengenommen werden können. Dies ist der beredte Inhalt des Aufrufs des Centralcomites, er empfiehlt sich durch sich selbst und kann nur die Hoffnung ausgesprochen werden, daß er mit dem besten Erfolge gekrönt sein möge! Paris, 28. Mai. Durch Decret vom 11. wurden vom Präsidenten der Republik auf vier Jahre in den neuen oberen Unterrichtsrath auch zwei Israeliten ernannt, die Herren Michel Breal, Mitglied des Instituts, Generalinspector des höheren Unterrichtes und Eugene Manuel, Generalinspektor des Secundärunterrichtes. Großbritannien. London, 19 Mai. Earl Granville empfing gestern in zuvorkommender Weise eine Deputatton hiesiger Juden, die ihm den Schutz ihrer verfolgten Glaubensgenoffen in Marokko ans Herz legten. Die Parlamentsmitglieder Simon und Cohen trugen die Wünsche der Deputation vor und sprachen namentlich dafür, daß die Borrechte des Schutzes fremder Consulate beibehalten werden möchten. Earl Granville sagte den Bittstellern innerhalb der Grenzen seines Könnens die Erfüllung ihres eigentlichen Gesuches zu. Was indeß die anzuwendenden Mittel anbelangt, so behielt er sich sein Urtheil zum mindesten bis nach Schluß der Conferenz in Madrid vor. Gerade über den Werth der erwähnten Consularvorrechte gehen die Ansichten unter Sachverständigen, wie er nachwies, auseinander, und der englische Geschäftsträger in Marokko, Sir I. D. Hay, zum Beispiel, hält diese Vorrechte für eher schädlich als nützlich. (Dies eröffnet keine sehr erfreuliche Aussichten! Man sieht, wie sehr sich in England die Begriffe „liberal" und „konservativ" verschoben haben. Redaction. Italien. Nom, 27. Mai. In der vorigen Deputirtenkammer saßen sieben Abgeordnete jüdischer Religion. In die neue Kammer sind bis jetzt vier gewählt: E. Arbib in Biterbo, Com. Romanin Jacur in Piova, Maurogonato in Mirano, Luzzatti in Oderzo. Doch sind vier noch in der Stichwahl: Samuel Alatri in Rom, G. Finzi in Pesaro, L. Frizzi in Asola, Henriw Fano in Mailand. Zu bemerken ist, daß die allgemeinen Wahlen gerade am Schabuothfeste stattfanden, was in England, wie auch in dies. Zeit, berichtet worden, zur Verlegung auf den folgenden Tag Veranlassung gab. Spanien. Madrid, 6. Mai. Nach einer Correspondenz von hier werden bei der am 15. Mai zu eröffnenden Conferenz Frankreich, England, Italien, Deutschland, die Vereinigten Staaten, Belgien, Holland, Portugal und Schweden durch ihre Gesandten am spanischen Hofe vertreten werden, während Marokko den früheren Minister des Auswärtigen, der dieses Amt bei dem vorigen und dem jetzigen Sultan versehen hat und den man in diesen Tagen in Cadix erwartet, schickt. Marokko wird den Grundsatz vertheidigen, daß das Schutzrecht der fremden Mächte sich nur auf die fremden Unterthanen des Sultans, nicht aber ohne Unterschied auf alle Juden und Handelstreibende erstrecken dürfe, wie dies in der letzten Zeit der französische und der italienische Consul gefordert hätten. Der spanische Minister wird die Ansprüche Marokkos unterstützen, weil er das wachsende Ansehen Frankreichs und Italiens in Marokko zu beseitigen wünscht. Italien und Frankreich werden für die Ausdehnung des Protectorats besonders Betreffs der Juden plaidiren. Madrid, 22. Mai. Wer in Zukunft die orientalische Frage nach allen ihren Verzweigungen wird verstehen wollen, darf als einen Hauptfactor nicht die vorzüglichste Ursache aller Verwickelungen vergessen, nämlich, daß, seitdem die Macht der mohamedanischen Staaten zurückgegangen, es nur die Eifersucht der christlichen Reiche war, welche die Existenz jener aufrecht erhielt oder ihren Untergang verzögerte. Dies ist es denn auch, was auf der in Madrid zusammengetretenen Conferenz betreffs Marokko's in, wie es scheint, un-