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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-08 · Heft 23 (8.6.1880) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 23 (8.6.1880)
Date
1880-06-08
Page
Seite 361 (sequence 9)
Language
German
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361 die Lage jener durch den Berliner Vertrag und die Nichtausführung derselben ungemein verschlimmert worden ist. Konnte man doch kaum erlangen, daß die von rumänischen Behörden vorgenommenen Austreibungen sistirt wurden. Sehr erfreulich ist es, daß die Zahl der Bereinsmitglieder im steten Wachsthum begriffen ist, so daß sie gegenwärtig 711 beträgt. Freilich ist dies den bedeutenden Zwecken der Allianz noch wenig entsprechend und für die starke jüdische Bevölkerung des Kaiserstaats geradezu beschämend. Jndeß kann man die Hoffnung hegen, daß namentlich mit der Vergrößerung der Filialen auch das Jntereffe für den Verein in immer weitere Kreise dringen werde. Am Schluffe des Jahres 187!) belief sich die Caffe auf 114,730 Fl. in Effecten und 14,016 Fl. in Baarem. Zu Schulzwecken wurden 1879 an 8 Gemeinden 1100 Fl. verausgabt und zu gleichen Zwecken für Serajcwo und für Chaiffa in Palästina 1030 Fl. An Literar Subventionen 922 Fl., worunter zur Erhaltung der Monatsschrift von Prof. Gratz 1<><> Fl., der Zeitschrift Jbri Anochi 75 Fl. und der „Neuzeit" 200 Fl.; 7 Studenten erhielten 396 Ft. Unterstützung. Der Bericht enthält noch mehrere Beilagen, von denen einige geschichtlichen Werth haben. Unsre Wünsche begleiten den lebenskräftigen Fortgang der Allianz, sowie der Dank für die Männer, welche ihr eine erfolgreiche Thätigkeit widmen. Wien, 27. Mai. (Privatmitth.) Es ist hier eine Bemerkung des früheren Staatsministers von Schmerling, jetzigen Präsidenten des obersten Gerichtshofes in der Budgetdebatte des Herrenhauses gelegentlich eines Erlaffes in der Sprachenfrage sehr aufgefallen. Er hob hervor, daß besonders in den galizischen Regimentern die Juden das Hauptcontingent für die llnterofficiere liefere, weil sie die Einzigen sind, die noch deutsch sprechen und die daher mit den Osficieren eine Vermittlung gegenüber der Mannschaft ausführen können, Diese, von kriegsministerieller Seite her nicht dementirte, also als Thatsache anzunehmende Beobachtung, beleuchtet jene von unseren Gegnern so oft ausgesprochene Behauptung, daß die Juden dem Heere kein nützliches Material zuführten'. Schmerling stellt nun in Aussicht, daß, wenn durch die Maßregeln der Regierung die deutsche Sprache immer mehr zurückgedräugt werde, es kommen muffe, daß die Unterossicire der gesammten österreichischen Armee Juden seien. Es erscheint ihm dies unliebsam. Wir wollen den dessalsigcn Ausdruck von „nicht schwärmen für die Juden" einem Manne nicht übeluehmen, der in den Jahren 1849 und 1860 für die vollständige Gleichberechtigung eintrat, dabei aber in dem Rufe steht, in seinen Aussprüchen und Richtungen nicht sehr fest, sondern der Zeitströmung nachgiebig zu sein. Wir halten uns vielmehr an die Thatsache und freuen uns, daß unsre Glaubensgen offen in dem, für das Heer so überaus wichtigen Stande der llnterofficiere Unentbehrliches leisten und dem Baterlande ihre Schuld in so angemessener Weise bezahlen. Holland. Amsterdam, 24. Mai. (Privatmitth.) Hier sind einige bedauerliche Exceffe vorgefallen. Bekanntlich giebt es hier über 25,000 Israeliten, von denen die ungeheure Mehrzahl in den dürftigsten Verhältnissen lebt, ein Theil als Lastträger und Dienstmännner, ein anderer durch Kleinhandel sich ärmlich nährt. Von den letzteren haben seit Jahrhunderten viele in den Straßen des von den Juden bewohnten Viertels, namentlich in der „Jodenbreestraat", ihre Verkaufsstätten aufgeschlagen und auf umgekehrten Schubkarren, auf kleinen Tischen und in sonstiger Weise bieten sie ihre Südfrüchte, gekochte Speisen, altes Eisen u. s. w. feil, was allerdings in sehr lärmender Weise geschieht und die Reinlichkeit der Straße nicht fördert. Da in den übrigen Straßen der Hauptstadt der öffentliche Verkauf von Waaren seit langer Zeit untersagt ist, so beschloß vor Kurzem die Polizei, auch den gedachten Theil der Stadt frei zu machen und gab den jüdischen Händlern die Weisung, die Straßen zu verlassen. Dies war für das arme Volk ein harter Schlag, der ihnen die einzige Quelle ihres Unterhalts zu verstopfen drohte. Denn nur äußerst wenige von ihnen besitzen die Mittel, sich eine Geschäftslocalität, und wäre sie noch so klein, zu beschaffen. Auch glaubten sie auf diese Handelsfreiheit ein volles Recht zu besitzen, weil sie von Geschlecht zu Geschlecht geübt worden. Sie kümmerten sich um den Befehl der Polizei gar nicht, und als diese in den letzten Tagen erschien, um die Händler zu verjagen, entstand ein großer Tumult, der sich erst legte, als einige hundert Polizisten mit blanker Waffe auf sie cindrangen. Leicht ward es der Polizei nicht gemacht, und von beiden Seiten fanden Verwundungen statt. Man ist gespannt, ob die Sache hiermit zu Ende sein werde. Ist auch die Behörde in ihrem Rechte, so muß man doch die arme Menschenclasse bedauern, die sich mit einem Male um ihren Unterhalt gebracht sieht und die Gründe dafür gar nicht zu erkennen vermag, da sie bis dahin niemals darin gestört worden und der Handel an sich nichts Unrechtes enthielt. — Nachschrift. Nachdem der Oberrabb. Dr. Donner mit dem Bürgermeister conferirt hat, sind den Verkäufern die Abzweigungen der Jodenbreetstr. wieder angewiesen worden, und ist dadurch die Angelegenheit beglichen. Frankreich. Paris, 18. Mai. Wie wir schon in vor. Nr. bemerkten, hat das Centralcomite der Alliance isr. univ. einen Aufruf an alle Glaubensgenoffen zu Gunsten einer „Stiftung Eremieux" erlassen und eine Subscription zu diesem Behufe eröffnet. Der Zweck dieser Stiftung ist: in Palästina U3 £■ i,

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