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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-08 · Heft 23 (8.6.1880) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 23 (8.6.1880)
Date
1880-06-08
Page
Seite 360 (sequence 8)
Language
German
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360 Welt laste. Der Kampf gegen diese, Staat und Kirche gleichmäßig bedrohende Richtung, wird als eine der Hauptaufgaben des Protestantenvereines bezeichnet. Frankfurt a M., im Mai. (Privatmitth.) Unter den gegenwärtigen Umständen ist es nicht ohne Bedeutung, auf die Wirksamkeit jener längst bewährten Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den Juden aufmerksam zu machen. In diesen Tagen erschien der 40. Bericht über den Bestand und Fortgang des bez. hiesigen Vereins in den Jahren 1877 — 1879. Es ist erfreulich, aus demselben zu erfahren, daß sich auch bei diesem Vereine die Anforderungen und Gesuche von Jahr zu Jahr steigern, so daß damit der Beweis geführt ist, wie sich auch unter der ländlichen jüdischen Bevölkerung die Neigung, ein Handwerk zu erlernen, immer mehr verbreitet. Leider wuchsen die Mittel des Vereins nicht in demselben Maße und es wird daher mit Recht der bewährte Wohlthätigkeitsfinn unserer Glaubensgenosien in Frankfurt angerufen, den Verein nachdrücklicher zu unterstützen. Mit großer Genugthuung wird hervorgehoben. daß der Fleiß und die Leistungen der Lehrlinge mit nur sehr vereinzelten Ausnahmefällen die Zufriedenheit der Lehrherren sich erwarben. Als ein besonderes Geschenk ist das des Herrn Dr. Salomon Goldschmidt in Paris von 10,000 Mark hervorzuheben, zu dessen Annahme alsbald die landesherrliche Genehmigung erfolgte, wobei Sr. Maj. der Kaiser und König sich eingehend nach dem Bestand, dem Umfang und den Erfolg des Vereines erkundigte. Im Jahre 1877 betrugen die Einnahmen 11,246 Mark, die Ausgaben 10,976 M., unter welche jedoch der Ankauf von Obligationen von 4011 M. eingerechnet ist. Im Jahre 1878 vereinahmte der Verein 12,585 M. und verausgabte 6639 M. Endlich im Jahre 1879 beliefen sich die Einnahmen auf 11,693 und die Ausgaben 6092. Man ersieht hieraus, daß die Fonds des Vereines im Wachsen sind. Außerdem ist mit dem Vereine die H. S. Goldschmidt'sche Stiftung von ungefähr 1200 M. jährlicher Gebahrung zu gleichen Zwecken verbunden. Die Zahl der Lehrlinge betrug 187 7: 47, 1878: 51, 1880: 48 und zwar aus den verschiedensten schweren und leichten Handwerken. Im Ganzen hat der Verein bis jetzt 1232 Lehrlinge ausgenommen, von denen 1184 ausgebildet worden, so daß eben 48 verblieben. Die Goldfchmidt'sche Stiftung hatte 155 Lehrlinge, gegenwärtig 14. Möge diese segensreiche Wirksamkeit des Vereines sich immerfort ausdehnen! Würzburg, 14. Mai. ^Privatmitth.) Gestern fand hier die Wahl des Rabbiners für den hiesigen Distrikt statt und wurde Hr. vr. Koref mit Majorität gewählt. Sein Gegenkandidat war ein Sohn des verstorbenen Rabbiners, der Rabbinatsverweser Nathan Bamberger, zu dessen Gunsten auch Hr. Lehmann in Mainz ein Flugblatt zu versenden so — freundlich war. Die hiesigen Gemeindemitglieder, welche sich um Lehmann und Consorten sehr wenig kümmern, gaben bei der diesmaligen Wahl den Ausschlag. — Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. Mai (Privatmitth.) Am 6. d. hielt die Israelitische Allianz zu Wien, die bekanntlich einen selbständigen Verein bildet, ihre siebente ordentliche Generalversammlung und hat soeben ihren Jahresbericht ausgegeben. Diese Allianz verfolgt außer den allgemeinen Zwecken zum Schutze unterdrückter Glaubensgenossen in den orientalischen Ländern und zur Hebung der intellektuellen und moralischen Eigenschaften derselben mit aller Energie den besonderen Zweck, auf die Entwickelung der inländischen Glaubensgenossen, namentlich in den cisleithanischen Ländern Oesterreichs segensreich einzuwirken. Hierin unterscheidet sie sich von ihren Schwestervereinen. Der Jahresbericht giebt hiervon Zeugniß. Abgesehen von den materiellen Unterstützungen, die sie einer Anzahl junger Gemeinden gewährt, welche noch nicht die genügenden Mittel für ihr Unterrichtswefen besitzen, und die Neberwachung der richtigen Verwendung dieser Subventionen, hat die Allianz den Beschluß gefaßt, eine Bildungsanstalt für jüdische Religionslehrer zu gründen, an der es im cisleithanischen Oesterreich noch gänzlich fehlt, und legt sie an die Ausführung bereits kräftig die Hand. Man kann ihr zu diesem Beschlüsse nur aufrichtig Dank wissen; denn mit Recht spricht es der Bericht aus, daß, um das Unterrichtswesen zu heben, vor Allem eine größere Anzahl tüchtiger Lehrer erforderlich ist. In Deutschland, namentlich in Preußen, ist den jüdischen Seminaren kein geringer Theil der Volksbildung innerhalb der jüdischen Masse zuzuschreiben. Daß die Allianz zunächst die Bildung der Rcligionslehrer ins Auge saßt, ist sehr vernünftig, da man bei beschränkten Mitteln immer dem zunächst liegenden Bedürsniß zuerst zu genügen suchen muß. Wir hoffen daher im nächsten Jahresbericht der thatsächlichen Verwirklichung dieses Beschlusses zu begegnen. Die Allianz hat hierbei besonders Galizien im Auge, in welchem Theile des Kaiserstaates es mit der Volksbildung der jüdischen Masse so überaus schwerfällig vorwärts geht. Haben doch die Wiener Juden am meisten darunter zu leiden, da die aus Galizien nach Wien wandernden Elemente oft sehr zweideutiger Natur find, und sich daher in dieser Residenz die Zwiespältigkeit, die sich geschichtlich innerhalb der jüdischen Bevölkerung dieser Länder herausgebildet hat, am fühlbarsten macht. Im weiteren Verlaufe des Berichtes werden die Anstrengungen geschildert, welche zu Gunsten der rumänischen Juden gemacht wurden, um jene traurige Wendung abzuwehren, welche nach den Beschlüssen des Berliner Vertrages ein getreten ist. Auch der Bericht erkennt an, daß

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