Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1880)
- Date
- 1880-06-01
- Page
- Seite 348 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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348 ches Fleisch in Europa verkaufen zu können. — Nach dem Vertrage des internationalen Telegraphenvereines haben die beiheiligten Staaten das Recht, die Sprachen zu bestimmen, in welchen telegraphirt werden dürfe. Es sind deren bis jetzt 28 Sprachen und darunter befindet sich auch die Hebräische. — Man schreibt uns aus Hamburg unterm 18. Mai: Die jüngst Hierselbst verstorbene Frau Dr. Leo Wolf geb. Warburg hat folgende Legate hinterlasien: 1. Das Waisenhaus für isr. Mädchen, 2. das Waisenhaus für isr. Knaben 3. die Talmud-Thoraschule, 4. die (isr.) Stiftungsschulc von 1815, 5. die Frauenvereine zur Unterstützung armer isr. Wittwen, 6. der isr. Mädchenbekleidungsverein, 7. der Verein zur Bertheilung von Feuerung an isr. Arme, 8. der Fraucnvcrein zur Unterstützung armer isr. Wöchnerinnen, 0. der Thierschutzvcrein, 10. der Hamburger Fröbelverein sollen je 240 Mark erhalten in Summa also 2400 M. Außerdem j soll die Hülfscasse des ärztlichen Vereins für nothleidende Aerztc 480 M. erhalten, also im Ganzen hinterließ dieselbe zu wohltätigen Zwecken 2880 M. — Zu bedauern ist, daß die edle Verblichene vor zwei Jahren ihr Privatvermögen im Betrage von fünfzigtaufend Mark bei einem Fallissement einbüßte, wodurch sie gezwungen war, ihr ursprüngliches Testament, das viel größere Summen wohlthätigen Zwecken zuführte, abzuändern. — Wir haben schon erwähnt, daß sich vor einiger Zeit in Pozemysl (Galizien) ein Verein , Dorsche Thora 'Wedaath*- gebildet hat, dessen Zweck die „Förderung und Verbreitung jüdischen sowie damit verwandten Wiffens der hebräischen Literatur" durch Borträge, eine Bibliothek und Auslegung mehrerer Zeitschriften ist. Es liegen uns nunmehr die gedruckten Statuten des Vereins vor, welche, und dies ist bezeichnend für die dortigen Berhältniffe. in hebräischer, deutscher und polnischer Sprache abgefaßt sind. — Man schreibt aus Wien: Die Hausbesitzer in der Judengasse zu Wien sind bekanntlich vor einiger Zeit mit dem Wunsche einer Aenderung des Namens dieser Gasse an den Gemeinderath herangetreten. Sie motivirten diesen Wunsch damit, daß der jetzige Name viele Parteien abschrecke und in Folge dessen zahlreiche Quartiere leer bleiben. Auch sei der Name schon deshalb nicht berechtigt, weil die Hausherren durchweg Christen seien. Der Magistrat läßt diese Motive jedoch nicht gelten und beschloß in seiner heutigen Sitzung, daß die Judengasie nicht umgetauft, sondern ihren Jahrhunderte alten Namen behalten soll. — Man schreibt uns aus Grünberg (Schlesien) vom 10 d.: Am 11. d. feierte Herr Adolf Karg all das Fest seiner goldenen Hochzeit. Die hohe Achtung, deren das Gottlob noch rüstige Jubelpaar in allen Kreisen sich erfreut und die Anerkennung, die Herr K., seit einer langen Reihe von Jahren als Vorsitzender der Repräfentanten-Bersammlung und als Stadtverordneter, wie nicht minder für das Gedeihen gemeinnütziger Vereine findet, kam an dem Festtage zum vollsten und würdigsten Ausdrucke. Eine aus Magistrats- und Stadtvcrordnetenmitglicdern bestehende Deputation verkündete dem Jubilar die Verleihung des Ehrenbürgerrcchtes und überreichte ihm das hierauf bezügliche, künstlerisch ausgestattete Diplom, wobei Herr Bürgermeister Kampfmeyer und der Stadtverordneten-Vorsteher die Verdienste des Jubilars in farmen Worten hervorhobcn. Kurz darauf überreichte ihm; eine Deputation der Synagogengemeinde, bestehend aus dem; Borstande und den Vertretern der Repräsentanteu-Versammlung,; eine prachtvoll ausgeführte Adresie, die seine unermüdliche Hingabe, die Berwerthung seiner reichen Begabung in seiner j Stellung zur Gemeinde und die herzlichsten Glückwünsche! zum Inhalt hatte. Hieran schloß sich eine sehr ergreifende! Ansprache unsres Predigers, des Herrn Dr. Samter. Biele | Vereine sandten desgleichen Deputation und Zeichen der An- I erkennung. Es erwies sich auch hier, daß nicht der reiche! Besitz, sondern das wahre Verdienst sich sicher eine aufrichtige Würdigung erwirbt. H. Man schreibt uns aus Brüx (Böhmen): Unser durch literar. Arbeiten rühmlich bekannte Rabbiner Dr. I. S. Bloch verläßt uns am 1. Juni c., um dem an ihn ergangenen Rufe nach Florisdorf, einem bedeutenden Vororte Wien's, Folge zu geben. — Feuilleton. Jüdische Theatertruppen. Vor einigen Tagen brachten die Wiener Blätter eine Notiz aus London über jüdische Schauspieler-Gesellschaften. Es dürfte interestant sein, zwei derselben, deren Geburtshaus in Galatz steht und deren Wirkungskreis sich über ganz Rumänien und Südrußland ausdehnt, näher kennen zu lernen. Der Director der einen — älteren — heißt Blumenkron, und der der jüngeren Lateiner. Beide schreiben sich ihre Stücke selbst, und wahrhaftig mit nicht geringem Geschick. Sie kennen ihr Publicum und muthen seiner Naivetät nicht mehr zu, als sie vertragen kann. Alle rumänischen Bollblutjuden lieben leidenschaftlich ihr Theater! Sie sind im Stande zehn- bis zwölfmal ihre Lieblingsdichter vor die Lampen zu rufen! Sie lachen bei jedem Worte, bei jeder Bewegung und applaudiren bei jeder Tirade, besonders wenn sie dem Fortschritt, der Aufklärung gilt. Und mit gutem Gewisien kann ich es versichern, die