Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1880)
- Date
- 1880-06-01
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
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347 manchen Beziehungen zu einer allgemeinen Einigung geführt, jedoch noch eine Anzahl gewichtiger Streitpunkte offen gelaffen haben. Bei den sich stark entgegenstehenden Anschauungen scheint es vorerst noch ziemlich zweifelhaft zu sein, ob es nun hier in Madrid gelingen wird, die Meinungsunterschiede zu beseitigen. Marokko wird naturgemäß für die weitgehendste Einschränkung des Schutzrechts der fremden Mächte eintreten; man glaubt, daß hierbei England. Portugal und Spanien es mehr oder weniger unterstützen werden. Verschiedene andere Mächte, insbesondere Frankreich, welches, da es mit Algier au Marokko grenzt, in ersterer Linie bei der Angelegenheit beteiligt ist, und welchem sich, falls ich recht unterrichtet bin, wohl Deutschland und Italien anschließen werden, werden dagegen den Status quo aufrecht zu erhalten suchen, der allein es den eingeborenen Agenten der fremden Kaufleute ermöglicht, ungefährdet, im Innern des Landes zu reisen und hierdurch den Bestand des europäischen Handels in Marokko sicherstellt. Amerika. Rew-Horl, im Mai. Im Hinblick aus die jetzt ftattsindeude Conserenz in Madrid ist es wohl angemeffen, auf ein Schreiben aufmerksam zu machen, welches kurz nach den letzten Greuelthaten der nordamerikanische Generalconsul F. A. Matthews an den Sultan von Marokko richtete, und das aus dem Arabischen übersetzt in dem zu Gibraltar erscheinenden Blatte Dl Capense erschienen ist. Wir heben die bezeichnendsten Stellen heraus: „Ich theile Ihnen mit, daß in Europa und selbst in Amerika große Aufregung herrscht über die täglichen Berichte von den an den fleißigen und friedfertigen Israeliten von den Unterthanen Seiner Scheriffischen Majestät geübten Grausamkeiten und Verfolgungen, ohne den geringsten Anlaß oder Provocation ihrerseits; es ist gleichgültig, welchen Borwand oder welche Entschuldigung jene auch erfinden, die diese Ungerechtigkeiten begangen haben und noch begehen; jüngst hörten wir nichts weniger als, daß sie in Mazagan einen alten Juden auf der Straße zu Tode geschlagen, daß sie in Laga einen anderen niedergeschossen und Anderen beinahe die Hälse abgeschnitten haben, und jetzt wurde — und dies hat noch mehr Sensation erweckt und alle Claffen aufgeregt, — in der großen Stadt Fez, der Hauptstadt, der königlichen Residenz der Sultane, der Stadt, welche ohne Flecken sein und wo der Unglückliche beschützt werden sollte. im Schatten der Anwesenheit Sr. Majestät, ein harmloser alter Jude von 70 Jahren lebendig aus der Straße verbrannt. — Bor einigen Jahrhunderten fand eine Nation, die aus ihrer Heimath vertrieben wurde, Mauren und Juden, Zuflucht in diesem Reiche, wo der damals regierende Sultan sie mit Freundlichkeit ausnahm und sie aufforderte, Marokko zu ihrer Heimath zu machen, indem er ihnen Schutz und Beistand anbot. Das Land prosperirte und wurde reich und mächtig, da die Juden in großem Maßstabe Handel und Künste einführten und in jenen Tagen hatte der Sultan stets zum Rathe in seinen auswärtigen Angelegenheiten einen Juden, der Mitglied seines Hofes war, und so blühte das Reich; aber in den letzteren Jahren ziehen die Verfolgung und Mißhandlung, welchen die Israeliten unterworfen sind, die Aufmerksamkeit der Sympathie der fremden Nationen auf sich, und dieser Zustand kann nicht fortdauern, ohne dem Marokkoanischen Reiche großen Schaden und Nachtheil zu bringen. — Sie sollten doch einsehen, daß innerhalb der größten Nationen die Juden in großer Anzahl leben und viele von ihnen die höchsten Stellungen in der Regierungs-Verwaltung einnehmen, und sie gedeihen und blühen, sie haben dieselben Rechte und genießen denselben Schutz wie die anderen Unterthanen und Bürger, gleichgültig wie hoch oder niedrig ihre Stellung sei. Tie Hebräer, wenn sie sich vereinigt erheben, vermögen viel zu thun. Die Hebräer bringen Handel und Wohlstand in die Länder, in denen sie sich niederlassen. Sie sind das friedfertigste, religiöseste nnd gastfreundlichste Volk in der Welt; sie vergießen nie Blut und Sie wissen, daß sie die fleißigsten Unterthanen sind. Das sind Thatsachen, die Jedermann kennt, und ebenso ist es Faktum, daß die Nation, welche fortgesetzt sie schlecht behandelt, ihren eigenen Ruin herbeiführt, wie die Geschichte es bewiesen. Gott setzte die Juden bei Beginn mit der übrigen Menschheit in die Welt, in derselben Gestalt und mit denselben Neigungen wie die anderen Menschen; sie leben und sterben ebenso wie die Christen und Mohamedaner; warum sollten sie mißhandelt und mit anderen Gesetzen belastet werden? Seit drei Jahren beharrt die Türkei, diese mächtige Nation, dabei ihre nichtmohamedanischen Unterthanen zu mißhandeln, und diese, gedrückt und verfolgt, erhoben ihre Stimmen und sie wurden gehört. Eine andere Nation kam und emanzipirte sie, durch welche die Türkei mehrere ihrer Fürftenthümer und Gebiete, größer als das Reich Marokko verlor, und alles dies geschah, weil sie die Unterthanen, welche nicht ihrer religiösen Ueberzeugung waren, verfolgte." — Bonn, 23. Mai. ^Notizen) Bekanntlich wächst der Transport frischen Fleisches von Australien nach Europa in großem Maße. Nach dem Jew. Herold haben jüngst einige Personen aus Melbourne beschlossen, drei ganze Lchsen, die sorgfältig mit Koschersiegeln versehen sind, an die Verwaltung der israelitischen Wohlthätigkeit in London zu schicken, damit das Fleisch an die jüdischen Armen vertheilt werde. Natürlich verbindet man damit den Gedanken, weiterhin auch sol- .)y*