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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-01 · Heft 22 (1.6.1880) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 22 (1.6.1880)
Date
1880-06-01
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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Deutsche, die französischen Franzosen, die englischen Engländer sind, kann heute nur noch der Haß und Fanatismus in Abrede stellen. Alle diese Nationalitäten, die Deutschen, die Franzosen, die Engländer u. s. w. haben aber kein Mittel in Anwendung gebracht, ihre Juden zu französiren, zu gcrmanisiren, zu anglisiren. Ganz anders in Ungarn. Wie Jstoczy über die Juden denkt, das weiß man, und was Herr Molnür im Schilde führt, ist kein Geheimniß. In der gestern abgchaltenen Conferenz schlug ein christlicher Professor der Theologie ein probates Mittel zur schnellen Magyarisirung vor: „Die jüd. Talmudgelehrten sollen den Talmud in ungarischer Sprache tradiren und lernen. Ein anderer Professor meinte ebensonothwendig wie die Magyarisirung der Juden, sei auch das Ausgeben der exclusiven Religonsgebräuche derselben. Tie an der Conserenz theilnehmenden Juden erwarten alles Heil von der Gründung eines ungarisch-jüdischen Literatur-Vereins, deffen Zweck die „Nebertragung der hervorragenden Werke der jüdisch-hebräischen (?) Literatur ins Ungarische sei.* An Uebersetzern ist kein Mangel; wer wird aber die übersetzten „jüdisch-hebräischen* Werke kaufen, und was doch die Hauptsache ist, wer wird sie lesen? Trotz diesen gewiß anerkenncnswerthen nationalen Bestrebungen sind die inneren Verhältnisse im ungarischen Israel noch immer betrübend. So schreibt man dem „Egyelvrtös* aus Steinamanger, daß dieser Tage ein Ministerial - Reskript an den Bürgermeister der Stadt herabgelangt sei, welches verordnet, daß im Bethause der aus Grund der Congreß-Statuten organisirten israelitischen Cultusgemeinde die Betstühle, die Thora und die sonstigen Mobilien zu inventiren und in Depot zu nehmen sind, das Bethaus aber, als leeres Local, zugesperrt werde. Diese Verordnung ries große Aufregung in der Gemeinde hervor, so daß man thätliche Widersetzlichkeit gegen die Vollstreckung derselben befürchtet. Der Präsident der Kultusgemeinde, Philipp Lackenbacher, fragte beim Minister um den Grund dieser Verordnung an und erhielt den Bescheid, dieselbe sei auf Grund einer an die Regierung gerichteten Petition der orthodoxen Juden erlasien worden! Pest, 4. Mai. oPrivatmitth.) Der hiesige israelitische Frauenverein hielt heute Nachmittag seine Geueraloersamurlung unter dem Vorsitz der Präsidentin Frau Johanna Bischitz ab. Dem bei dieser Gelegenheit vertheilten Jahresberichte entnehmen wir Folgendes: Im abgclaufenen Verwaltungsjahre wurden 1682 Gesuche in Verhandlung gezogen d. h. in den meisten Fällen durch die Ausschußdamen die Wohnungen der Armen ausgesucht und geholfen, wo Hilfe am Platze war; so wurden als ambulante Unterstützungen 4447 st., als monatliche Stipendien 3536 sl., als vierteljährliche Zinsbeiträge 2825 fl., als Unterstützung für externe Waisen 805 fl., als Unterstützung an Wöchnerinnen 184 fl., als Unterstützung an Hebeammen zu Rigorosentaxen 50 sl., und als Heirathsausstattungs-Beitrage 05 sl., zusammen daher an 2880 Personen respektive Familien 11,042 fl. vertheilt: außerdem erhielten noch 77 hieher geflüchtete Szegediner Familien als fortsetzungsweise Unterstützung 217 fl. 00 kr. in Baarcm sowie die, noch von der im Vorjahre eingeleiteten Sammlung vorräthig gebliebene Wäsche und Kleidungsstücke. Die Ausgaben dieses BerwaltungsZweiges betrugen 12,763 ft. 76 kr., die Einnahmen 10,754 fl. 60 kr., es resultirt daher ein Defizit von 2000 fl. 07 kr., welcher Betrag dem Fond abgeschrieben wurde. Im Mädchen - Waisenhause dieses Vereins wurden 30 Kinder, im Waisen-Asyle hingegen 12 Kinder erzogen, und betrugen die Einnahmen für diese Anstalten 14,025 fl. 20 kr., die Ausgaben 12,037 fl. 42 kr., es resultirt daher ein Ueberschuß von 1078 fl. 87 kr. In der Armen-Speiseanstalt des Vereins speisten in der Zeit vom 1. April 1870 bis 1. April 1880 <13,247 Personen ohne Unterschied der Confession; davon gänzlich gratis 13,477 Personen. Den ärmeren Hörern des Landes-Rabbinen-Seminars wurden während derselben Zeit 4367 Portionen Mittagesien verabreicht; an Szegediner Hilfsbedürftige wurden als fortsetzungsweise Unterstützung 335 Portionen vertheilt, sowie während der kalten Wintermonate über 1000 Speisemarken den Bezirksvorstehungen behufs Vertheilung zur Verfügung gestellt. In der Zeit vom 15. December 1870 bis 1. Febr. 1880 wurde auch zwischen 5 bis 7 Uhr Abends täglich warme Suppe und Brod verabfolgt und haben diese Wohlthat 3117 Personen in Anspruch genommen. Die Berwaltungskosten dieser Anstalt, deren Ausgaben 8800 st. 41 kr. und deren Ennahmen 8078 fl. 53 kr. betrugen, ergaben ein Defizit von 721 fl. 88 kr. Der Verein besaß im abgelaufenen Jahre 1440 Mitglieder, und zwar 030 beim Frauenverein mit 5910 fl., 444 beim Waisenhause mit 3136 sl. und 66 bei der Speiseanstalt mit 450 fl., zusammen daher mit 0406 fl. Beitragsgebühren. Die beiden Theater-Vorstellungen am 22. und 23. December v. I. ergaben ein Reinerträgniß von 638 sl. 07 kr., das am 15. December mit einem Tanzkränzchen verbundene Concert 477 fl. Reinerträgniß; der am 25 Jänner d. I. abgehaltene Maskenball resultirte ein Reinerträgniß von 3820 sl., und die im abzelausenen Berwaltungsjahre ausgestellt gewesenen ^21 Sammelbüchsen brachten ein Reinerträgniß von 105t» fl. 32 kr. Tie einzelnen Berwaltungsfonds betragen beim Frauenverein 42,207 fl. 66 kr., beim Waiseuhause 164,327 fl. 87 kr., bei der Speiseanstalt 11,308 fl. 30 kr.; hinzugerecknet noch einige andere Activposten, verfügt der Pester israelitische Frauenverein am Schlüsse des letzten Berwaltungsjahres über ein Vermögen von 240,313 fl. 58 kr.

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