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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-01 · Heft 22 (1.6.1880) · p. Seite 341

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 22 (1.6.1880)
Date
1880-06-01
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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341 zehn Stämme Israels seien, ist die Zahl derer unter ihnen noch größer, welche des Glaubens sind, daß, wenn die Juden erst in Palästina wieder ansässig seien, diese bald zum Christenthum übergehen und den Mittelpunkt sür die verheißene Bekehrung des ganzen Menschengeschlechtes zum orthodoxen christlichen Bekenntniß abgeben wurden. Ihnen gesellen sich noch einige Leute zu, welche aus rein humanen Gefühlen und aus einer gewissen Antiquitätenlust, die bekanntlich bei den Engländern ein außerordentliches Maß erreicht hat, den zerstreuten Juden einen sichtbaren Mittelpunkt schaffen möchten. Es vereinigen sich also bei den Engländern mehrfache bewußte und unbewußte Triebe, um dem Gedanken einer jüdischen Cvlonisation in Palästina Anbänger zu gewinnen. Unsre Leser werden sich errinnern, daß die hoch- Ansiedlungen schließen kann. Das Kaufgeld soll durch freiwillige Beiträge patriotischer Juden aufgebracht werden. Der Plan ist schon noch weiter ausgebildet worden. Es sollen zwei Eisenbahnen gebaut werden — eine von Jaffa nach Jerusalem, die andere von Haifa bis jenseit des Jordans. Sir Moses Montefiore soll sich für diese Bahnbauten interessiren und bedeutende Geldhülfe zugesagt haben. Zu dem Bau der Bahn nach Jaffa hat die türkische Regierung schon eine Concession erthcilt, mit dem Borbehalt, daß die Arbeiten bis zum nächsten Januar begonnen sein müssen. Ferner wird die Anlage eines schiffbaren Canals vom Mittelmeer nach dem Golf von Akabe und dem Rothen Meere beabsichtigt. Ueberhaupt soll Palästina vollständig den Ideen des neunzehnten Jahrhunderts gemäß „gegründet" und aufgeschlossen begabte Schriftstellerin G. Eliot dieser Idee einen dreibändigen j werden, wenn sich nur genug bcitragsbereite und ansiedlungs Roman gewidmet hat, und wenn sie auch in demselben diese > willige Juden dazu finden." Tendenz einem jüdischen Schwärmer insinuirt, so bezeugt sie doch durch ihre eigene Feder, daß diese Idee noch viel leb Hafter bei den christlichen, als bei den jüdischen Engländern ist. Neuerdings tritt ein bestimmter Plan in den Vordergrund, über welchen die „Köln. Z." vom 17. Mai folgende Correspondenz enthält: „Palästina sür die Juden — das ist unter unseren orthodoxen Israeliten und den stets Man wird bei Lesung des Obigen nicht vergessen dürfen, daß cs ein anglikanischer Prediger ist, der diesen Bortrag gehalten. Aus der Mitte der Juden weiß er nichts weiter anzuführen, als daß Sir Moses Montefiore die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem zu befördern sucht. Diese Eisenbahn ist bereits seit zwei Jahrzehnten Wunsch und Project, liegt aber noch mehr im Interesse aller Europäer als speciell an Zahl zunehmenden israelitenfreundlichen Christen schon | in dem der Juden. Tenn die Zahl der Pilger nach Jerusaseit länger ein beliebter Ruf, welcher in demselben Maße an i lern ist von christlicher Seite selbst verhältnißmäßig viel Stärke gewinnt, als die Macht des politischen Oberherrn des gelobten Landes schwindet. Der englische Prediger Nug»-e, welcher sich sehr für die Sache interessirt, erläuterte gestern Nachmittag in einem öffentlichen Bortrage einen wohlausgedachten Plan, welcher in letzter Zeit greifbare Gestalt an genommen hat. Der Engländer Oliphant hat dem Sultan stärker als die der jüdischen Wallfahrer. Alles Andere aus der Rede des würdigen Pastors gehört noch mehr der Phantasie als der Wirklichkeit an. Der türkische Sultan wird sür das Abtreten des Landes eine, nach den Verhältnissen ungeheure Summe fordern. Ferner ist das in Aussicht genommene Land ostwärts vom Jordan zwar von natüreinen Plan vorgelegt, wonach zunächst das Land von Gilcad! licher Fruchtbarkeit, aber als Gebiet nomadisirender Beduinen und Moab — die Gebiete der israelitischen Stämme Gad, j völlig unbebaut. Hierher eine genügende Zahl tüchtiger Rüben und Manasse umfassend — zu einer jüdischen Co- {jüdischer Colonisten zu verpflanzen und sie mit den ersorderlonie umgewandelt werden soll. Selbstverständlich soll der i lichen Mitteln auszustatren, ist eine Aufgabe, deren Lösung Sultan in klingender Münze abgefunden werden, und wie! zu den schwierigsten gehört. Eine genügende Zahl — denn Nugee gestern erklärte, hatte der Sultan sich über den Vorschlag sehr beifällig geäußert. Auch der neueruannte außerordentliche Botschafter Englands in Constanrinopcl, Herr was vor Allem ins Gewicht fällt: die türkische Herrschaft hat gerade in diesen Landstrichen niemals vermocht und seit langer Zeit nicht versucht, irgend welche Sicherheit der Person Goschen soll dem Plane gewogen sein, so daß sich von seiner und des Eigenthums gegen die räuberischen Beduinen her- Berwendung die Förderung desselben erwarten läßt. Das' zustellen. Sind doch selbst die westlichen Theile des Landes ins Auge gefaßte Gebiet umfaßt etwa l,500,000 englische vor den Einfällen dieser Horden namentlich zur Zeit der Acres oder 600,000ha und wird gegenwärtig von Nomaden Ernte niemals ganz sicher. Die Colonisten müßten daher, stämmen bewohnt. Die Colonie soll unter türkischer Oberwie einst ihre Väter, als sie die Mauern Jerusalems wieder Herrschaft bleiben, indessen einen eigenen Gouverneur, vorauserbauten, in der einen Hand das Schwert, in der anderen den sichtlich einen Juden, zum unmittelbaren Herrscher erhalten. Pflug, arbeiten, und werden ebenso gedrängt sein, sich und Auf diese Weise soll dem Judenthum im eigenen Lande die Ihrigen zu vertheidigen, wie Brod zu schaffen. Diese wieder ein fester Fuß gesichert und es soll ein Sammelpunkt jüdischen Colonisten wären schlimmer daran, als einst die für das zerstreute Volk Israel geschaffen werden, um welchen amerikanischen Ansiedler, die den Ueberfällen der Rothhäute sich nach und nach, wie man hofft, ein breiter Gürtel neuer ansgesctzt waren. Denn diese waren den wilden Indianern

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