Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-25 · Heft 21 (25.5.1880) · p. Seite 331

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 21 (25.5.1880)
Date
1880-05-25
Page
Seite 331 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227307--38066-3307264
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

O esterreich-Ungarn. Pest, 14. Mai. (Privatmitth.) Bei der Preisvertheilung an der Budapester Universität anläßlich der am 14. Mai begangenen hundertjährigen Jubiläumsfeier derselben gewannen unter 9 Bewerbern nicht weniger als sechs Juden Preise — gewiß eine beachtenswerthe Erscheinung. KaposvLr, 19. April. (Erwiderung.) In Ihrem geschätzten Blatte vom 22 März d. I. (Nr. 12) wurden unter der Aufschrift: „Altes in neuem Gewände" meine „Studien über die naturwiffenschastlichen Kenntnisse der Talmudisten" einer etwas strengen Besprechung unterworfen, wofür ich mich jedenfalls sehr verpflichtet fühle. Aber, wie es scheint, hat der geehrte Recensent den Standpuntt, auf welchem sich mein bescheidenes Werkchen befindet, nicht ganz richtig gewürdigt. Daß die Naturwiffenschast des Alterthums überhaupt keine Zusammenstellung mit den riesenhaften Fortschritten der Jetztzeit erträgt, wer wird dies leugnen? Hätten die Talmudisten jene ihrer Zeit als ein Selbständiges behandelt, es würde gewiß niemanden eingefallen sein, eine solche Zusammenstellung zu versuchen, eben so wenig wie Aristoteles oder Plinius u. dergl. zu derartigen Versuchen verwendet werden. Der Talmud hingegen kennt weder die eine noch die andere Wiffenschaft als solche, er kennt einzig und allein die Gesetzgebung, der alles jüdische Thun und Lasten, Denken und Wissen untergeordnet ist. Tie talmudische Gesetzgebung greift in das innerste jüdische Leben ein und giebt demselben eine eigenthümliche Dichtung und Weihe. Eine derarttge Gesetzgebung müßte, wenn sie eine bindende Kraft für unbegrenzte Zeiten beanspruchen will, eine feste unerschütterliche Grundlage haben, und eben eine solche auf dem Gebiete der Naturwissenschaft aufzusuchen, ist die Aufgabe meines Werkchens. Aber eben deswegen mußte auch eine Parallele zwischen damals und jetzt gezogen werden. Zur Zeit, als noch die Jnfallibilität der talmudischen Satzungen ein sttenges Glaubensdogma bildete und jedermann im Talmud die reichhalttgste unübertroffene Quelle allemenschlichen Wissens zu finden glaubte, da wäre freilich eine solche Parallele ohne jegliche Bedeutung gewesen. Tic talmudische Gesetzgebung hatte ihre unbestteitbare bindende Kraft, weil niemand deren schwache Grundlage erkannte, noch zu bezweifeln wagte. Jetzt aber, wo die Wiffenschaft mit ihren riesigen Fortschritten in alle Schichten der Menschen eingedrungen ist, wo besonders die Naturwissenschaften eine voimals nie geahnte Höhe erreicht haben, jetzt stellt sich die sehr verzeihliche Frage auf: ob die ehemalige, auf unrichtige Naturkenntniß gegründete Gesetzgebung auch jetzt noch die vormalige bindende Kraft behaupten könne? Hierdurch sollen Verdienste und Leistungen der Talmudisten durchaus nicht geschmälert werden. Ihre Ansichten sind nur unverrückt geblieben, während die ganze Welt sich seitdem ununterbrochen fortbewegt hat. So sind, wie der geehrte Recens. hervorhebt, ihre sanitären Spcisegesetze gewiß sehr lobens- und nachahmenswerth, allein die fottgeschrittene Wissenschaft kann dieselben nicht mehr gut heißen. So wird z. B. heutzutage niemand den Genuß eines Viehes mit frischem Schenkel- oder Wirbelsäulenbruch als sanitätswidrig gelten lassen, und so verhält es sich auch mit den meisten ihrer auf Naturkenntniß gegnündeten Gesetzen. Daß ich nicht auch Botanik in mein Schema ausgenommen habe, daran ist Duschack schuld, der mir mit seinem Werkchen „Die Botanik der Talmudisten" Zuvorgekommen ist. Es würde auch nicht gut in den Rahmen meiner Aufgabe gepaßt haben. Uebrigens würde ich dem geehrten Recens. viel mehr Dank geschuldet haben, wenn er statt einer gewissermaßen wegwerfenden Besprechung mich gründlich widerlegt hätte, unbekümmert darum, ob das Alte in einem neuen oder abgettagenem Gewände erschien.') Dr. Joseph Berget. Belgien. Brüssel, 29. Älpril. (Privatmitth.) Es ist fteilich ein thörichtes Beginnen, öffentlich die Verbrechen zu registrircn, die von den Bekcnncrn der einen oder der andern Religion begangen werden; noch keine hat es verstanden, die Leidenschaften des menschlichen Herzens völlig zu zähmen. Jndeß gegenüber der Statistik jüdischer Vergehungen, in denen sich die klericalcn reactionären Blätter Deutschlands täglich gefallen, möchte ich doch Hinweisen — nicht etwa auf die Zuchthäuser, die gerade in den katholischen Ländern Baiern, Rheinland und Westfalen sich immer mehr.füllen — sondern auf zwei Fälle, die jüngst hier vorgekommen sind, die aber „Germania" und „deutsche Reichszeitung" wahrscheinlich ihren Lesern verschweigen werden. In Brügge bat der Hauptführer der clericalen Partei, der in jener katholischen Stadt, nach dem französischen Sprichwort, Regen und schönes Weiler machte, Strubbe, sich aus dem Staube gemacht, nachdem eine Menge von ihm begangener Wechselfälfchungen entdeckt worden ist. Jndeß der saubere Vogel wurde noch in Brüssel abgefaßt und unter den Verwünschungen derselben Pöbelhaufen, die ihm noch vor vierzehn Tagen begeistert zujubelien, in das ') Wir finden in der Tbat keine großen Differenzen zivischen der bcrr. Kritik und dieser Anlikrilir. Hätte Herr Di-, i'. in feiner Schrift ausdrücklich die Dend e n z bekannt, die er^ verfolgte, so wäre ihm der Borwurf erspart geblieben, gegen die Talmudisten durch die Vergleichung ihrer naturwissenschaftlichen Kenutnnsc mit den heutigen ungerecht zu sein: immerhin hätte aber dann auch ausdrücklich hervorgehoben werden müssen, daß man der Tendenz wegen sich vor diesem 'Unrechte verwahre. 2o aber gab Herr De. B. seine 'Arbeit als eine objcclive, und darum durste ein gewissenhafter Kri tiker den gedachten Einwaud nicht unterlassen. Die Botanik durste im Rahnien der ganzen Naturwissenschaft nicht mit Stillschweigen übergangen werden. 3Sa» der Kritiker nun noch hätte „widerlegen" sollen, ohne etwa in Einzelheiten einzugehen, ist und nicht ersichtlich. Redaktion. 2l*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.