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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-25 · Heft 21 (25.5.1880) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 21 (25.5.1880)
Date
1880-05-25
Page
Seite 330 (sequence 10)
Language
German
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330 Bonn, 11. Mai. (Privatmitth.) Unsere Berliner Correspondenz in Nr. 17 zog uns eine ausführliche Zuschrift des Buchhändlers Otto Hentze, der aus antijüdischem Verlage ein Geschäft macht, zu, um uns zu benachrichtigen, daß die Monatsschrift „Deutsche Wacht" auch fernerhin erscheint. So gleichgültig dies uns ist, so wollen wir Dies doch der Gerechtigkeit wegen bemerken. Im Uebrigen bestätigt die Zuschrift den Inhalt jener Correspondenz, namentlich das Zerwürfniß mit Marr u. s. w., was auch aus einem gedruckten Circular Marr's geschöpft war, das unser Correspondent uns zum Belege übersendet. — Wir nehmen hierbei Gelegenheit, unsre Glaubensgenoffen vor dem Ankauf eines neuen antijüdischen Buches „Israel und die Gojim" zu warnen. Es treibt die Gehässigkeiten auf die möglich höchste Spitze. Warum sollen wir das Erscheinen solcher literarischen Auswüchse noch befördern? Bon Christen wird es bei dem Preise von 5 M. 50 Pf. gewiß nicht viel gekauft; so groß ist das Interesse an dieser wiedergekäutcn Nahrung des Haffes doch nicht. Die ultramontane und reaktionäre Presse wird uns diese Warnung nicht verübeln, d» sie ja immerwährend ihre Leser vor dem warnt, was sie die „schlechte Presse" nennt, und die ultramontancn Blätter jetzt, z. B. die katholischen Hotels den katholischen Sommerreisenden empsiehlt. Ansbach, 14. Mai. (Berichtigung.) In Nr. 17 dieser Zeitung bemerkt Ihr Fürther Correspondent zu dem Bericht über die Versammlung der Cvnservativen, „daß die Fränkische Zeitung derartige Expectorationcn mit Befriedigung und in aller Breite ausnimmt." Dieser, der Fränkischen Zeitung gemachte Borwurs ist durchaus unbegründet, da gerade dieses Blatt die Toleranz gegen Juden und Judenthum stets wahrte, und die meisten Kämpfe mit den cvnservativen Blättern hat.*) Hosmann, Lehrer. Fürth, den 3. Mai (Privatmitth.) Am 22. April 1^80, dem 17. Jahrestage des sel. vr. Rießer, wurde die Bertheilung der Stipendien aus der hies. Rießerstiftung vorgenommen. Dank der Beiträge, die der Stiftung aus den Gemeinden Fürth, Ellingen, Herxheim, Marktbrcit, Nürnberg, Regensburg und Würzburg zuflossen, konnten M. 1240 ertheilt werden und es erhielten tcchniker und 34 Seminaristen vertheilt. ' Das Vermögen beträgt einschließlich eines in diesem Jahre bewilligten Geschenkes v. M. 2164 von der ftüheren Gesellschaft „Männergesangverein" M. 10,144.01 Pf. Charakteristisch ist es übrigens, daß von den M. 9793.66 Pf. der bisher vertheilten Stipendien, auf Studirende aus jener Gemeinden, aus deren Mitte Beiträge flössen, im Ganzen M. 416. entfallen sind, nämlich M. 210 auf Fürth und M. 216 auf Regensburg. An diese Veröffentlichung knüpfen wir die Bitte an die bayr. Cultusgemeinden, der Stiftung ihr thätiges Wohlwollen zuzuwenden, da Jedermann einsehen wird, wie sehr die edlen Zwecke derselben der allgemeinen Förderung und Unterstützung würdig sind und wie zumeist den Angehörigen solcher Gemeinden Stipendien gewährt wurden, welche an der Rießerstiftung sich mit Beiträgen nicht betheiligt haben. Fürth, 14. Mai. (Privatmitth.) Der Bericht in Nr. 18 d. A. Z. d. I. d. I., betreffend die Nathan'sche Wohlthätigkeitsstiftung, bedarf einer ergänzenden Berichtigung. Außer den M. 25,000, welche die Familie Nathan dem hiesigen Magistrate zu wohlthätigcn und gemeinnützigen Zwecken, interconfessioneller Natur, übergeben hat, wurden der hies. israel. Cultusgemeinde folgende confessionelle Stiftungen zugewendet: 1. Frau Wittwe Rosette Nathan errichtete am 16. April 1879 zum Andenken an ihren am 21. Februar 1879 hier verstorbenen Sohn Moritz eine „Moritz Nathan'sche Stiftung" mit M. 5000 zu dem Zwecke „der Unterstützung würdiger bedürftiger hiesiger israel. Familienhäupter oder Wittwen." 2. Die Relicten der inzwischen verstorbenen Frau Rosette Nathan errichtete am 4. März 1880 unter dem Namen „Maier und Rosette Nathan'sche Stiftung" eine Stiftung mit M. 20,000 zu folgendem Zwecke: u. Es sollen aus den Erträgnissen jährlich M. 210. an würdige jüd. Arme vertheilt werden. d. Der Rest der Zinsen soll zu einer Brautpräbende fürjüdische Mädchen verwendet werden, welche einen jüdischen Mann nach jüdischem Ritus heirathen. Verwandte der Stifter genießen den Vorzug vor anderen 2 Juristen und ein Polytechniker 5 M. 180 — M. 540! Bewerbern, die Bestimmung, daß die Brautpräbende Vorzugs 1 Jurist 150 1 Mediciner 140 1 Jurist, 1 Mediciner, und 1 Polytechniker ä 120 ----- 360 1 Seminarist 50 M. 1240 Seit dem Bestände der Stiftung wurden in 14 Sitzungen M. 9793.66 cl. Stipendien aus den Mitteln der Stiftung in 110 Portionen an 46 Juristen, 23 Mediciner, 7 Poly- 1) Der Corr. hat wohl das Fränkische Bolkeblatt bezeichnen wolle»? Redakt. weise auch solchen Mädchen zugängig sein soll, welche bei den Stiftern in Diensten standen, zeigt von einer wohlwollenden Fürsorge für die Dienstboten. Durch genannte Stiftungen sind die Humanitären Anstalten unserer Gemeinde, in welcher zu Zwecken der Wohlthätigkeit so Vieles und Außerordentliches geschieht, wieder bereichert worden. Nicht allein die Abhülfe so mancher Noth ist es, was uns freudig stimmt, es ist vielmehr der Geist des Judenthums, der durch solche Stiftungen eine reale Erscheinung schafft.

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