Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1880)
- Date
- 1880-05-18
- Page
- Seite 309 (sequence 5)
- Language
- German
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309 an. Der Versuch des Verf.'s, trotz des Mangels einer direkten keilinschriftlichen Parallele mit der Geschichte des Paradieses, den Babyloniern den Gedanken des Sündenfalls zu insinuiren, kann nicht als gelungen angesehen werden. Desto stärker trifft die Vergleichung mit der Geschichte der Sintsluth zusammen. Aber auch hier sehlt es an Abweichungen nicht, abgesehen von den polytheistischen Trübungen des Got tesbegriffes. Es bleibt also eine selbständige Herausbildung aus der Ursage übrig. Die eigentliche Anschauung, die spezifisch religiösen Grundgedanken find völlig verschieden. Ter Vers, hebt dies schars hervor nur daß er hier dem Christ enthume zucrtheilt, was doch nur dem eigentlich israelitischen Alterthume zugehört. Der Thurmbau und der Krieg gegen Sodom und Gomorra (l. Mos. I I) bieten fernere Vergleichungspunkte. Kürzer behandelt er die späteren historischen Parallelen aus der Königszeit und schließt dann mit einer übersichtlichen Betrachtung. Wir können daher das Schriftchen allen denen empfehlen, welche sich ein Urthcil über den Gegenstand bilden wollen, ohne sich in ein spezielles Studium versenken Schrift uns einen sei, der sich zum Polytheismus entfaltete, oder ob dieselbe ursprünglich im letzteren wurzele, stellt sich der Vers, auf die erstcre Seite. Seine Beweise können uns jedoch von der Ansicht nicht abbringen, daß die ägyptische Religion ein sehr mannichfaltiger Polytheismus gewesen, daß sich aber inmitten desselben in erleuchteteren Geistern die Ueberzeugung von einer Gottheit herausgestaltete, wie dies ja eben später bei den Griechen auch der Kall war. Er handelt alsdann vom ägyptischen Paradiese, der Flutlffage und dem Babelthurm, ohne daß wir hier solche mit der Bibel übereinstimmende Züge finden, wie bei den Keilinschriften. Wir fühlen, daß wir in Aegypten hinsichtlich der vorgeschichtlichen Zeiten auf noch schwankenderem Boden stehen, als in Assyrien. — Kinnor- Liedcr. Alt-ebräischc Dichtungen in metrischer llebeitragung. Mit erläuternden Anmerkungen. Von I)>. Martin Schultze. Leipzig, Günther hs.so. Wir sind für alle Bestrebungen, die heil. Schrift dem größeren Publikum, namentlich dem gebildeteren Theile, nach dem heutigen Kunftgeschmacke näher zu dringen, aufrichtig dankbar. Hierhin gehört auch das zu können. — Wenn die vorhergehende 1 schön anSgestattete vorliegende Büchlein. Der Vers, sagt im klaren Einblick in das bedeutungsvolle Vorwort, daß dasselbe „nur ein Versuch sein will, Altehr- Thema gewährte, so können wir dies nicht von der folgen-! würdiges in neu deutscher Form zu bieten." Unsere Zeit den sagen: „Aus Aegyptens Vorzeit. Von Prof. l>e. F. I. Lauth. Erstes Heft. Die prähistorische Zeit. Berlin, Hofmann 1<?79". Die Aegyptologie leidet jetzt an dem Gegen hat das Eigcuthümliche. vorangegangene Arbeiten gcwiffermaßen mit Mißachtung zu betrachten und ihre „Versuche" als etwas Neues zu bieten. Gerade in der Beziehung, in satze ihrer früheren Beschaffenheit. Als Champollion, Bunsen, > welcher der Vers, einen „Versuch machen will", hat Herder Lepsius über die ägyptische Religion schrieben, standen ihnen i in feinem „Geist der ebräischen Poesie" vieles Vorzügliche gcnoch viel zu wenige Texte zu Gebote, um etwas Begründetes; leistet, und hat eine Reihe von Nachfolgern gehabt, die vom sagen zu können, und ihre Darstellung mußte sich als un-! allgemeinen Publikum gewürdigt werden konnte, wenn es die haltbar erweisen. Jetzt besitzen wir einen vcrhältuißmäßig j Lust dazu gehabt hätte. Hieran erinnert der Verf. nicht, außerordentlichen Reichthum an entzifferten Texten und auf-!Aber offen zu gestehen, können wir seinen „Versuch" nicht gedeckten Monumenten, die noch dazu den verschiedensten Zei-jalS geglückt bezeichnen. Zunächst ist es die Form, in die er tcn und Gauen angehören und chronologisch unsicher sind, | seine Uebertragungen gebracht, welche uns mißlungen erscheint, so daß die Verwirrung der Aegyptologen beinahe der gleicht,! Er überträgt die von ihm ausgewählren Stücke fast alle in welche in den mannigfaltigen Cultcn der Aegypter selbst I fünffüßige reimlose Jamben. Wir möchten aber wohl aus herrschte. Dieser Verlegenheitsreichthum bietet fclbstverständallen poetischen Literaturen ein Beispiel kennen, daß ein lylich den entgegengesetztesten Ansichten und der kühnsten Comrisches Gedicht in diesem Metrum vorhanden wäre. Wir bination eine Fülle von Stoff dar. Zu den eifrigsten, aber möchten z. B. sehen, wer die Chöre der griechischen Tragöauch zu Hypothesen geneigtesten Forschern auf diesem Gebiete! die in fünffüßige Jamben bringen möchte, obschon dies viel gehört Prof. Or. Lauth in München. Wir erinnern besonders! näher läge, da die sechsfüßige Jambe daS übliche Maß für an seine Arbeiten über Moses. In dem vorliegenden ersten,! die griechische Tragödie aus den Chören ist. Durch diese Versdie vorgeschichtliche Zeit behandelnden Hefte stellt er zuerst | weise wird dem Originaltexte der Charakter entzogen und was die ägyptische Chronologie dar. Wir müssen es der ägnpto-! im Originale lebhaft, bedeutend, geistvoll ist, wird auf diesem logischen Kritik überlasten, die Aufstellungen Lauth's „durch > Wege eintönig, schleppend und verwässert. Die Aushülfewörtchen drei Sothisperioden aufsteigend von Antoninus-HadrianuS! spielen eine große Rolle und vieles Bedeutende wird übergangen. 130—139 nach bis zu MeueS-BytcS 4245 vor der gew.' Man umschreibt, statt das Original auszudrücken. Es ginge Zeitr." zu prüfen und zu beurtheilen. Im zweiten Kapitell noch allenfalls bei Epischem und Rhetorischem, wo die Dichzeichnet er das ägvptische Pantheon. In dem Streite der! lung eine gewisse Breite gestattet oder gar erfordert, bei der Aegyptologen, ob die ägyptische religiöse Anschauung aui einen! Lyrik ist cs vom Hebel, denn diese verlangt sowohl Knappursprünglichen pantheistischen Monotheismus zurückzufüyrcnJ heit des Ausdrucks als auch wiederum die scharfe Wieder-