Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1880)
- Date
- 1880-05-18
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
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308 bereit Lehren ihm schon in die Kindesseele eingeflößt worben? Und wenn biefc jene großen Gebanken balb in klaren Sprüchen, balb in erhabenen, balb auch in einfachen kinblichen Bilbern verkünben, Hugo aber in pomphaften unb verworrenen Reben, ist bas ein Fortschritt? Ober gar etwas Neues? Was sollten demnach all' bie pessimistischen Robomontaben? War cs nicht einfacher zu enden, wie der Prediger, nach einem ähnlichen Kampfe mit Zweifeln und pessimistischen Ansichten schließt (12, 13): „Das Ende der Sache, das Ganze lasset uns hören: Gott chrfürchte unb Seine Gebote wahre." Denn! was Hugo als Klarheit, Licht, Gewissen, Recht, die von! Gott ausgchen, preist, das sind eben „die Gebote Gottes." Ter Erfolg Hugv's ist also nur, daß er mit allen Waffen der Rede und des WitzeS gegen die hierarchische, dogmatische und abergläubische Gewandung kämpft, in welche die reine > biblische Lehre gebracht worden, und es ist eine Selbsttäuschung' wenn er die letztere zu bestreiten wähnt, während er sie am > Schlüsse selbst feierlich anerkennt. Literarischer Wochenbericht. Die Broschürenliteratur. Hl. Wenn durch Spezialforschungen auf einem besonderen wissenschaftlichen Gebiete sich längere Zeit eine Reihe sicherer Daten ergeben hat, so ist es ein Bedürsniß, immer einmal | wieder über die auf diesem Felde gewonnenen Resultate Heer-! schau zu halten, und sie allgemeiner zum Bewußtsein zu bringen. Dies thut in übersichtlicher und klarer Weise: „Die Ausgrabungen und das alte Testament von Dr. Rudolf Buddensieg, Dresden" tHeilbronn, Henniger.). Der Berf. setzt einleitend richtig auseinander, daß die biblischen Wahrheiten durch die nachgewiesenen Uebereinstimmungen der affyriologischen Fragmente mit den in der Bibel erzählten Begebenheiten nichts gewinnen; daß cs aber für dieselben doch von Bedeutung ist, wenn ihr Unter- und Hintergrund, die von der Bibel berichteten Thatsachen, durch jene Zeugnisie in ihrer vollen Glaubwürdigkeit nachgewiesen werden. Freilich erscheint es eigenthümlich, wenn der Berf. diese befestigte geschichtliche Thatsächlichkeit auch aus die Evangelien bezieht, während die Keilinschriften cs nur mit dem Pentateuch und den geschichtlichen Büchern des A. T. zu thun haben; der Beweis für die Geschichtlichkeit der historischen Schriften kann keinen Beweis z. B. für die Erzählung von Hiob darbieten — indeß dies werden wir dem gläubigen Christen durchaus nicht verübeln. Der Berf. stellt zuerst eine gedrängte Geschichte der assyrischen Ausgrabungen dar, dann den Weg, auf welchem die Entzifferung der Keilschriften gelungen ist, sowie den vor Kurzem geführten Kampf über die Zuverkäffigfeit der Entzifferung, aus welchem dennoch hervorging, daß im Wesentlichen an den Resultaten der Assyriologie nicht mehr gezweifelt werden dürfe, wenn auch in Einzelheiten die Affyriologen selbst noch auseinaudergehen. Hierauf wendet er sich zu den Parallelen, welche die Denkmäler zu der biblischen Geschichte bieten. Es sind deren zweierlei. Die einen betreffen die ersten Berichte bis zu Abraham, die anderen jenen Thcil der israelitischen Geschichte von Ahab an, in welchem Israel mit den Affyrern in unmittelbare Berührung trat. In erstercr Beziehung sind es besonders die Schöpfungsgeschichte und die der Sintfluth, welche überraschend gleiche Züge in affyrischen Fragmenten mit der biblischen Darstellung bieten. Es deutet dies auf einen gcnieinsamcn Ursprung des ältesten Kerns dieser Berichte hin. Aber nachdrücklich macht der Berf. auf den ungeheuren Unterschied in der Fassung dieser ursprünglichen Gedanken aufmerksam. Er sagt: „Welche Tiefe der göttlichen Gedanken tritt uns auf dem ersten Bibelblatte entgegen! Welche Reinheit und Sicherheit der Gottes-! anschauung im Vergleich zu dem heidnischen Berichte! In riesengroßer Majestät und packender Einfalt steigt vor uns! auf das Schöpfuugsbild der Bibel. Hier ist der Eine Gott, . der alles Göttliche in sich vereinigt, was das assyrische i Pantheon auf seine vielen Götter zersplittert. Hier ist ein j aufsteigender Stufengang von Schöpfungsacten zum höchsten j Zick. Dieses höchste Ziel ist nicht, wie in dem babylonischen l Berichte der eine oder andere Coucurrent, nicht ein Gott, nicht ein neuer Himmelsherr, sondern Gottes Ebenbild, ein König der Erdenwclt, die Synthese von Geist und Natur. Hier wird die reine Gottesidee, frei von mythologischer Zuthat, mitten in die weit und breit in Unglauben und Abgötterei versunkene heidnische Umgebung hinein verkündigt u. s. w." Wir machen auf diese und ähnliche treffliche Acußerungen aufmerksam, weil sie den Kernpunkt des Unterschiedes treffen zwischen der Bibellehre und all' den Kosmo- und Theogonien der alten Völker, wenn aus diesen irgend gemeinsame Züge mit jener hervorgehobelt werden. Doch wir müssen noch eine Stelle citiren (S. 33): Gerade durch jene Parallelen „zeigt sich, wie weit die Auffassungen von einander abliegen, mit welcher Klarheit und Energie die Hebräer die rohen Borstellungen des ihnen so nahe verwandten Volkes am Euphrat und Tigris, den alten gemeinschaftlichen Besitz der Ostsemiten, zu läutern und zu erheben vermocht haben. Diese Kraft, die Traditionen der Vorzeit zu ethischer Bedeutung zu vertiefen, von dem bunten Polytheismus der Babylonier, Araber und Kananitcr zum Monotheismus vorzudringen, giebt den Hebräern auf dem Gebiete des religiösen Bewußtseins, der religiösen Entwickelung den ersten Platz .... „denn sic übten die härtere, ernstere und höhere Arbeit, das religiöse Bewußtsein über das natürliche Leben hinauszuführen und die Obmacht des geistig sittlichen Wesens über die Natur zu verkünden". Die letzten Worte gehören Duncker (I, S. 349)