Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1880)
- Date
- 1880-05-11
- Page
- Seite 301 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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301 Mehrzahl der israelitischen Einwohner. Beginnend mit einem Rückblicke auf die Schicksale seiner Gemeinde setzte Rabbiner Herz in einer trefflichen Rede die Bedeutung dieses Ereignisses für dieselbe auseinander, indem er besonders hervorhob: wie dieses neue Gotteshaus sich friedlich zwischen den Kirchen der beiden christlichen Confessioncn erhebe, so wollen auch die Israeliten die dritten im Bunde der Eintracht und Verehrung desselben Gottes sein. Die ganze Feierlichkeit verlief aus würdige und ansprechende Weise trotz des anhaltenden strömenden Regens. Abends vereinigten sich die Festtheilnehmer im engern Kreise zu einem Mahle im Dettelbach'schen Gasthause. Jeuil! Vermischtes. Körpermaß der Männer tu Ungaru. Man schreibt aus Pest: In der Sitzung des archäologischen und anthropologischen Vereins am 30. Dezember hielt! Joses Äörösi einen Vortrag über das Körpermaß der Ra-! tionalitätcu Ungarns. Er hat von 10,667 Individuen! Höhen- und Brustweitc-Messungen gesammelt, aus denen hcrvorgeht, daß die Größe der Männer in Ungarn zwischen I *517 und 1600 Millimeter variirt. Tic ungarischen Soldaten sind im Durchschnitt 7631 Millimeter hoch, also größer als die französischen, belgischen und italienischen Soldaten. Was die Turchschnittsmaße der Nationalitäten Ungarns speziell betrifft, so ßud die Wenden 1647, die Deutschen 1642, die Kroaten 1641, die Slovaken und Serben 1636, die Jazyger und die Juden 1635, die Walachen 1630, die Magyaren 1624, die Ruthenen 1618 und die Kumancn 1615 Millimeter. Diese Maße sind von 1h- bis 22jährigen Rekruten, also von noch nicht vollständig entwickelten Individuen genommen; die vollständig Entwickelten sind um 30 bis 31 Millimeter höher. (Korrespondenz. Aus Rheinhesseu, im April. j Die Achawa. Ter löte Rechenschaftsbericht der „Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger isracl. Lehrer, Lehrer-Wittwen und-Waisen in Deutschland wurde soeben versendet. Obgleich in diesen Blättern vor einigen Monaten über die Thätigkcit des Vereins im verwichcnen Jahre ein vorläufiger Bericht bereits erstattet worden, finden wir uns doch veranlaßt, dem vorliegenden Rechenschaftsberichte jetzt noch einige Worte zu widmen. Die Gesammt - Einnahme des vorigen Jahres betrug M. 15,044.89. — Die Ausgaben an Pensionen und Unterstützungen M. 7,644. Das Bercinsvermögen beträgt jetzt M. 86,404.40 — Bon den 44 Pensionären (zu 60 Theilen> wohnen 4 in Baden, 16 in Bayern, 6 im Großhcrzogth. Hessen, 1 in Lippe, 1 in Württemberg, 11 in Prov. Hessen- Nassau, 1 in Hohenzotlern, 1 in Posen, 1 in der Rheinleton. proviuz, 1 in Pr. Sachsen, 1 in Schlesien, 6 in Westfalen. — Die Achawa ist demnach ein über alle deutsche Gauen segcnvcrbrcitcndcr Verein. Wir geben Penponen in Länder und Provinzen, wo außer dem Pensionäre kaum ein Mitglied oder Gönner des Vereins wohnt und sehr viele selbst dahin, wo die Provinzialvercine etwaige Unterstützungen für sich beanspruchen. Doch soll uns auch das nicht verdrießen. Wir Habens ja zu diesem Zwecke. In den 15 Jahren ihres Bestehens hat die Achawa M. 5«,864.20 au Unterstützungen verausgabt. Die Jahresbeiträge ihrer sämmtlichcn activen Mitglieder ergeben nttr ea. M. 1200. Tie Achawa hat also im.Ganzen das drei-! fache Aller dieser Beiträge und im jüngsten Jahre allein , mehr als der sechsfache eines Jahresbeitrags sämmtlicher j berechtigten und verpflichteten Mitglieder an Unterstützungen i verausgabt. Oie Achawa ist sonach eine humanitäre, eine jüdische! Wohlthätigkeitsanstalt im vollsten Sinne des Wortes. Sie : hat ihres Gleichen nicht unter den deutschen Juden. Sie! ist hochrvichtig für den Bestand und die Fortentwickelung des deutschen Judcnthums, der jüdischen Gemeinden und Schulen. Sie allein gewährt den jüdischen Lehrern die sichere Aussicht auf eine Unterstützung für die Tage, von welchen es heißt: „sie gefallen mir nicht!" eine Gewähr, daß ihre Hinterbliebenen nicht darben müssen. Tie Bedeutung einer solchen Anstalt kann nicht hoch genug geschätzt werden. Wenn wir trotz des vcrhältnißmäßig geringen Ertrags der Beiträge der activen Mitglieder bei diesen beharren, so hat dies seine gewichtigen; Gründe. Wir wollen den ursprünglichen Gedanken der! „Sclbfthülfc" nicht ganz aufgcbcn; wir wollen eine Institution j für den Lehrerstand nicht zu einer reinen Wohlthätigkeitsan-! statt tvcrdcn lassen. Wir rvollen den Mitgliedern Rechte! und Ansprüche wahren und sic veranlassen, auch selbst etwas : fiir sich und ihre Angehörigen zu thun, nicht Alles Anderen zu überlassen. Wir möchten auch mit Vielen, die jetzt immer! noch und in neuerer Zeit wieder mehr als früher sich den! Namen „Lehrer^ beilegen, ohne hierzu gualisicirt zu sein, > keine Gemeinschaft haben. Wir erwarten von einem Lehrer,! der ja doch ein Charakter sein soll, daß er ein kleines | Opfer für die Gesammtheit, für seine und seiner Angehörigen > Zukunft bringe; daß er sich nicht in strafbarem Leichtsinn