Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-11 · Heft 19 (11.5.1880) · p. Seite 298

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 19 (11.5.1880)
Date
1880-05-11
Page
Seite 298 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227305--38031-3307227
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

298 Gründung des Vereins, aus ihm geschieden, angeblich weil I die große Auswanderung aus Deutschland seit 1820 habe der Bettel fortdaure. Den höchsten Beitrag zur Casse leistet Fürth mit 9000 Mark. Während die Vororte Fürth. Bamberg und Augsburg die Localarmen besonders unterstützen, verausgabt der Vorort Würzburg an letztere jährlich zwischen M. 4— 6000 extra und erweist somit, daß beide Zwecke, die Casse für Localarme und Durchreisende bereit zu halten, zu gleicher Zeit erfüllt werden können. Die Organisation des Verbandes ist eine vortreffliche, — möge ihm durch den Beitritt der noch fehlenden Gemeinden die Möglichkeit noch weiteren segensreichen Wirkens gegeben sein. Sein Bestand gibt einen wolthuenden Beweis fortgeschrittenen Zeitgeistes; den verdienten Männern, welche den Verein gegründet und geleitet, gebührt alle Anerkennung. Belgien. Brüssel, 15». April. (Privatmitth.) In diesen Tagen wurde hier eine Brochüre Le mouvement, antijuif ä Berlin par Cliarles Rahlenbeelc. (Bruxelles. Muquardt 1<S80) als Separatabdruck aus der Revue de Belgique ausgegcben, welche als ein Zeugniß für das Interesse, das den deutschen Vorgängen gewidmet wird, und die hier herrschende Anschauung nicht mit Stillschweigen übergangen werden dürste. Der Berf. beginnt: „Welch' böser Wind weht in diesem Augenblicke über die Welt bin? Man will den Frieden unter den Nationen, und überall vermehrt man den Bestand der Heere. Man will den Frieden unter den Bürgern desselben Landes, und überall erregt man, ohne irgend eine Nothwendigkeit, die Parteileidcnschaften. Wir sind alle eher indifferent, als Eiferer in religiösen Gegenständen, und welche sonderbare Hitze zeigen wir bei Gelegenheit, neue Dogmen, Hirtenbriefe, Fastenschrciben zu discutiren, während wir viel bester thäten, uns gar nicht damit zu beschäftigen. Die östentliche Gleichgültigkeit, das allgemeine Stillschweigen entwastnet immer, tobtet selbst bisweilen. Nebrigens, wo die starken lleberzeugnngen fehlen, ist die Leidenschaft nur eine die russischen und polnischen Juden nach Deutschland gelockt, hier ihre Capitalien fruchtbar zu machen!!! Man sieht wohin die „Hoscnverkaufenden" polnischen Juden Treitschke's schon gekommen sind. Ebenso theilt er des letzteren Meinung über Grätz und beruft sich auf eine Kritik, die er über die Geschichte von Grätz am 2. Nov. 1871 veröffentlichte. Er glaubt nun, daß sich Treitschke irrt, wenn er die Juden überhaupt der nach dem Oriente gravitirenden Ansichten Grätz, theilhaftig erklärt. Es sei dies nur ein Theil der Juden, und auch diese meinten es nicht ernst damit. Denn sie handelten als echte Patrioten, und wenn man sie in den Fall brächte, zwischen ihrer idealen Rationalität von den Ufern des Jordan und ihrer reellen deutschen Nationalität zu wählen, würde ihre Wahl keinem Zweifel unterliegen. Er sagt ferner: „Wenn man die Vernunft und das gute 'Recht für sich hat, fo ruft man nicht die brutale Gewalt zu seiner Hilfe: man triumphirt auf beffere Weise, würdiger vor Allem. Dies denkt man ohne Zweifel in Deutschland, aber es sagt sich viel bester im Auslande, besonders in einem Lande wie Belgien, wo die Sitten, im Verein mit den Gesetzen, die vollkommenste Fusion unter den Bürgern bewirkt haben, was auch ihr Ursprung, ihre Muttersprache oder ihr religiöser Glaube sei." Tics wird man auch bald in Berlin sagen. „Die Minoritäten werden fürchterlich, wenn man ihnen Unrecht thut, weil mit der Beredsamkeit ihres verkannten Rechtes die Anstrengung aller unabhängigen Gewissen, aller großmüthigen Herzen sich verbindet." Hierzu hat der deutsche Kronprinz den Anfang gemacht. Der Vers, schließt mit den Worten: „Der Kreuzzug gegen die Juden wird verschwinden, wie das Gewölk, das nur während einiger Augenblicke das Licht des Tages verschleiert." Diese Hoffnung, glauben auch wir, wird sich bald verwirklichen. O csterrci ch -Ungarn. Wien, 27. April. (Privatmitth.) Wenn der nculiche Comödie oder ein Strohfcucr, und dies ist der Grund wa-! Beschluß des deutschen Reichstages, der den katholischen und rum wir auf die bloße Aussage der Journale nicht verevangelischen Geistlichen in militärischer Beziehung ein kleines mögen, den Krieg gegen die Juden, der sich in Berlin j Vorrecht einräumt, dasselbe aber den „jüdischen Religionsorganisirt, ernst zu nehmen." Hiermit hat der Vcrf. wohl- > dienern" versagt, ein schlimmes Zeugniß für den im gegengethan, denn der Verfolg hat gezeigt, daß eben dieser „Leiden-! wärtigen deutschen Reichstage herrschenden Geist ist, so verschaff" jeder ernste Gehalt fehlte. Er erkennt nur eine Carj spürt sich glücklicher Weise in Oesterreich davon nichts. Dem rikatur des Eulturkampfes darin, mit der man einen Miß-j österreichischen Rcichsrath ist regierungsseits eine Wehrgesetzerfolg und einen Rückzug maskiren wolle. Er charakterisirt Stöcker, der Feldprediger in Metz war, als der jetzige Cultusminister daselbst Präsekt gewesen; er charakterisirt ihn als einen Streber, der, nachdem ihm der christliche Socialismus mißlungen, sich durch den Angriff auf die Juden eine neue Position schaffen wollte. So richtig dieses llrtheil ist, so laufen doch dem Verfasser auch Jrrthümer unter. Er glaubt zugegangen, aus welcher wir folgende Sätze hervor- ‘T'if Novelle heben: Die Candidaten des geistlichen Standes jeder gesetzlich anerkannten Kirche und Religionsgenostenschaft werden, wenn sie assentirt worden sind und zur Zeit ihrer Einreihung (1. October) bereits die theologischen Studien begonnen haben, über ihr Ansuchen zur Fortsetzung ihrer theologischen Studien beurlaubt. Nach Erhall der priesterlichen Weihe, beziehungs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.