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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-11 · Heft 19 (11.5.1880) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 19 (11.5.1880)
Date
1880-05-11
Page
Seite 296 (sequence 8)
Language
German
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über die ungeheuren Einslüffe dieser Verbindung, lehrt Ihnen; wird nämlich die Gefahren, welche der christlichen Gesellschaft, sowie der i setzt, daß die legitimen Monarchie von ihnen bevorstehen." Die Unrichtigkeit und Uebcrtreibung liegt darin, daß Cr« mieux seinen Einfluß und sein Ansehen der Alliance isr. univ. zu verdanken haben soll, während umgekehrt die Alliance ihre Bedeutung ganz besonders dein sel. Crcmieux zu verdanken hatte. Eredarin als eine Erfahrung auseinanderge- Mütter vaterloser Zöglinge der Anstalt zumeist recht nachtheilig auf die Erziehung der Kinder einwirken. Statt Dankbarkeit zu hegen sind sie der Anstalt und ihren Leitern unfreundlich, ja feindselig gesinnt, bemängeln die Bekleidung und Beköstigung, die Erziehung und Unterrichtsart, machen die Kinder unzufrieden und widermicux war Mitglied der Deputirtenkammer, der provisorischen; spenstig, stecken ihnen Geld und Näschereien zu und verleiten Regierung von 1848 und Justizminister zwei Jahrzehnte besie zu heimlichen Besuchen. Tie meisten Vormünder hinvor die Alliance gegründet wurde. Mit mehr Takt schreibt gegen bekümmern sich um die Zöglinge gar nicht. Meist vom die „Germania" den Einfluß Cr« mieux's seiner Stellung als Großmeister der Freimaurerlogen zu, obgleich auch hier Cr>- mieux sich große Verdienste erworben haben mußte, bevor man ihn zu dieser hohen Stellung erhob. Ta die Freimaurer von den Ultramontancn als die Urheber alles dessen angesehen werden, was ihnen mißfällt, so hat die ultramontane Presse hier wenigstens einen Anhalt, um gegen Crcmieux zu wüthen. Es würde Herrn v. Ludwig wohl schwer fallen, oder vielmehr unmöglich sein, wenn inan ihm die Beweise abforderte, daß die Alliance Tendenzen verfolge, welche „die christliche Gesellschaft und die legitime Monarchie" bedrohen. Tie Alliance hat gar keine politischen und religiösen Tendenzen sondern nur humanitäre. Sie verfolgt keine anderen Zwecke als die Gleichstellung der Juden und die moralische und intellektuelle Hebung derselben. Auch ist ihr Wirkungskreis vorzugsweise auf den Orient gerichtet und außer den Donauländern in keinem christlichen Lande. Aber freilich Herr v. Ludwig setzt sich in seinen Behauptungen über Gründe und Beweise hinweg und Niemand nimmt ihn so ernsthaft um ihn dergleichen abzufordern. Dies verhindert jedoch die „Germania" und Genossen nicht, ihn bei solcher Veranlassung zu glorifiziren. Und doch haben diese das mindeste Recht, Vereine wie die Alliance zu lästern, da sie unaufhörlich bemüht find katholische Vereine mit ganz anderen Zwecken, als die harmlosen der Alliance, in allen Ländern der Erde zu gründen zu erhalten und auszubreiten. — Der Direktor des Reichen heimischen Gemeinde-Waisenhauses, Herr Dr. Jutrosinski hat den Bericht über das Jahr 1871> herausgegeben. Das Waisenhaus hat gegenwärtig 7 2 Zöglinge, nämlich 42 Knaben und 30 Mädchen. Es hatte eine Einnahme von 53,142 Mark und eine Ausgabe von 40,1*2 Mark. Die überschüssigen 7000 Mark wurden an die Gemeindccasic auf den von dieser für das Jahr geleisteten Zuschuß von 25,000 Mark zurückgezahlt, so daß der Zuschuß der Gemeinde nur 18,000 Mark betrug. Pro Kopf beliefen sich daher die Kosten auf 031 Mark im Jahre 1870 gegen 035 im Jahre 1878. Das Vermögen der Anstalt beläuft sich gegenwärtig aus 537031 Mark. Der Direktor leitet seinen Bericht durch „ein Wort an die Vormünder" ein, welches einen eigenthümlichen Einblick in die Natur der Waisenhauserziehung gewährt. Es Bormundschaftsgericht eingesetzt, glauben sie, wenn ihre Mündel der Anstalt übergeben sind, sich aller Pflicht ledig. Nicht an die Mütter, da möchte cs wenig helfen, sondern an die Vormünder richtet er, Herr I., sein ernstes Mahnwort, denn diese könnten auch der nachtheiligen Einwirkung der Mütter entgegentreten. So weit die Erfahrung Ihres Corresp. geht, ist die Klage des Herrn Dr. I. völlig begründet, und es ist erstaunlich, wie gering die Dankbarkeit solcher Mütter gegen Anstalten sind, die ihnen so schwere Last und so umfangreiche Pflichten abnehmen, deren Erfüllung ihnen meist unmöglich würde. Wir wollen hierüber nicht zu streng uriheilen da die Wurzel dieser Undankbarkeit in der Mutterliebe zu suchen ist, die sich in ihren theucrsten Empfindungen durch eine harte Nothwcndigkeit verkümmert fühlt. Selbst Waisenanstalten in kleineren Städten, wo doch die Mütter der wenigsten Zöglinge am Platze wohnen, machen dieselben Erfahrungen, wenn auch zu geringerer Beschwerde. Bonn, 28. April (Privatmitth.) Das „Centralblatt für die gesammte Unterrichts - Verwaltung in Preußen" enthält im Aprilnnd Mai-Hefte die landesherrliche Bestätigung einer Stipendien-Stiftung an der Universität Berlin von 50,000 Mark, welche der verstorbene Dr. plül. Otto Marckwald (Israelit) in einem Codicill vom 8. August 1878 gemacht hat. Ter Zins-Ertrag soll zu Stipendien für hülsslose Studirendc aller Facultäten mit Ausnahme der theologischen verwendet werden. Die Stiftung wird von dem Senat der Berliner Univcrfität verwaltet. §. 5 des Statuts lautet: „Aus den Revenuen des Stistungsvermögens werden Stipendien zum Betrage von 300 Mark an hülfslose Studirende aller Facultäten — mit Ausnahme der theologischen — gewährt. und zwar in der Art, daß christliche und jüdische Studirende gleichmäßig zu berücksichtigen find, d. h. ebensoviel Christen als Juden zu dem Genüße des Stipendiums gelangen." 8- 7: „Das Stipendium wird auf ein Jahr resp. vom 1. April und vom 1. October ab verliehen. Diejenigen, welche sich bereits im Genusic des Stipendiums befinden, sollen in der Regel vor anderen Bewerbern den Vorzug haben." Endlich §. 13: „Nicht abgehobene Stipendien-Raten und die nicht zu den gewährten Stipendien verbrauchten Zinsüberschüsse des Stistungsvermögens werden zum Capital

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