Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1880)
- Date
- 1880-05-04
- Page
- Seite 284 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Bombay, 6 Februar (Literarische Notizen.) Ein neues Werk: „Die wahre Anschauung vom Judenthum n:icK hs-ic" ist jüngst erschienen. Es ist aus der Feder des H. Joseph Ezekiel, Vorstehers der David Sassoon Benevolent Institution und Mitglieds der Universität von Bombay. Es ist zum Gebrauch für die „Beni Israel“ und in der Marathi Sprache und Schrift geschrieben, mit einigen Citaten aus dem Hebräischen. Es besteht aus zwei Theilen. Der erste ist seine Vorlesung, betitelt: „Ein allgemeiner Ueberblick über das Judenthum", die er am Abend des Samstags des 5. Juli 1879 vor dem Beni Israel in der Improvement Society gehalten hatte. Der zweite besteht aus seinen Vorträgen, die er in der alten Synagoge in Bombay im Jahre 1877 über die dreizehn Artikel des jüdischen Glaubens gehalten hat. Nur auf Anregung des H. Eleazer Ezekiel. des verstorbenen Bruders des Berfaffers, wurden diese und einige andere Borträge im Laufe des Jahres gehalten. Aber da er es nicht erlebte, einige dieser Borträge durch den Druck unter seinen Glaubensgenoffen verbreitet zu sehen, so hat der Autor, sein Bruder, dieses Werk seinem Andenken gewidmet. Um es noch interessanter zu machen, hat er es mit einigen Geschichten aus der Gcmara, Midrasch und anderen hebräischen Werken illustrirt. Mit diesem Werke hat Joseph Ezekiel zwölf Bücher veröffentlicht, welche für alle „Beni Israel“ von hohem Nutzen find. I (Jew. Cbr.) Keuitteton. Ävs -em Leben -er Erzherzogin Maria Dorothea. Die Verlobung des öfter. Kronprinzen Rudolph mit der Tochter des belgischen Königspaares hat die Erinnerung an die Mutter der Königin von Belgien, die Erzherzogin Maria Dorothea, Gemahlin des Erzherzogs Joseph, Palatins von Ungarn, wach gerufen und L. Horowitz theilt in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" einige Charakterzüge mit, die wir hier, soweit sie an dieser Stelle interessiren, wiedergeben. Er erzählt: „Da ich zwanzig Monate hindurch die Ehre hatte, Lehrer der Erzherzogin in der hebräischen Sprache und Literatur zu sein, so bin ich in der angenehmen Lage, manches Jntereffantc aus dem Leben der hohen Frau mitzutheilen, das nur Wenigen bekannt sein und Biele interesfiren dürfte. Meine erste Unterrichtsstunde fiel auf einen Samstag. Neben mir auf dem Tische befand sich ein Schreibzeug, um auf Verlangen Notizen uiederzuschreiben. Wir begannen mit der Uebersetzung der Psalmen Davids. Als die Erzherzogin mich bald auffordertc, die Radix eines Wortes zu notiren, entschuldigte ich mich mit dem Sabbath, an dem zu schreiben mir verboten sei. „Ach, verzeihen Sie" sagte die hohe Frau, „wiewohl ich selbst mir nicht verzeihen kann, darauf vergeffen zu haben; denn wahrlich, es hätte auf mich einen üblen Eindruck gemacht. Sie in meiner Gegenwart ein Religionsgesetz übertreten zu sehen." Bon nun ab kam Samstag nie wieder ein Schreibzeug auf den Tisch. Welche innige Verehrung die hohe Frau für die Bibel hegte, möge man aus Folgendem entnehmen: Wiewohl die Ein fuhr von Bibeln in Oesterreich verboten war, versuchte cs doch eine hochgestellte Dame aus Württemberg, 1000 Stück Missions- Bibeln einschmuggeln zu taffen. Dieselben wurden an der Grenze confiscirt. Da erhielt ihre kais. Hoheit ein Schreiben aus Stuttgart mit folgenden Worten: .,1000 echte Israeliten sind in Gefangenschaft gerathen. Nehmen sich Ew. Liebden derselben an." Hierauf fuhr die hohe Frau bei Sr. Majestät dem Kaiser Franz vor. „Majestät! sprach sie, kann man Brod mit Zoll belegen?" Als Se. Majestät die Frage verneinte, fuhr sie fort: „Wie kann man sonach die Bibel, als ein geistiges Brod, einem strengen Zoll unterwerfen?" Sie brachte nun ihr Anliegen vor, und Se. Majestät ordnete die Freigebung der consiscirten Bibeln an. Inzwischen hatte eine Feuersbrunst das Zollamtsgebäude niedergebrannt; Alles war eingeüschert, nur die Kiste mit den 1000 Bibeln war unversehrt geblieben. Nachdem die hohe Frau mir diesen Vorgang erzählt hatte, fügte sie hinzu: „Glauben sie ja nicht, ich sei der Meinung, eine Bibel könne nicht verbrennen; aber eine Ueberzeugung trage ich in meiner Seele: wenn nämlich in der ganzen Welt nur eine einzige Bibel existirte, dieselbe wäre unverbrennbar." Gräfin Revay, Oberhofmeisterin Ihrer kais. Hoheit, erhielt zum Geschenke einen ungefähr zwölfjährigen Mohrenknaben und ersuchte mich einige Stunden wöchentlich deffen Unterweisung zu übernehmen. Trotz Mangels an Zeit hätte ich der Gräfin gern die ersuchte Gefälligkeit erwiesen, ich hatte jedoch das Bedenken, da ich außer in meiner Schule niemals Unterricht ertheilte, könnte es ihrer kais. Hoheit etwa nicht genehm sein, wenn ich bei dem Mohrenknaben eben so wie bei Ihrer Hoheit eine Ausnahme machen würde. Bei der nächsten Unterrichtsstunde, suchte ich die Meinung der hohen Frau über die Angelegenheit zu erforschen. Die edle Dame merkte mein Bedenken und gab mir den Bescheid: „Lieber Herr'. Ihre Unterweisung wird dem verwilderten Knaben jedenfalls wohlthun; und im Wohlthun darf man gar keinem Bedenken Raum geben." Ich , übernahm sonach den Unterricht des Knaben, l Einst übergab mir die hohe Frau einen von einem