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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-04 · Heft 18 (4.5.1880) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 18 (4.5.1880)
Date
1880-05-04
Page
Seite 283 (sequence 11)
Language
German
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283 Herzensgaben, von einem außergewöhnlichen Wohlthätigkeitssinne, den er im Stillen, besonders auch an bedürftigen Jüngern der Wissenschaft übte und von warmem Eifer für das Judenthum, wie er namentlich am deutsch-israelitischen Gemeindebunde einen thätigen Antheil nahm. vr. Goldschmidt sprach dies am Grabe in ergreifender Weise aus. — Einem Stuttgarter Blatte entnehmen wir Folgendes: Vor einigen Tagen hat Herr Hoftath vr. Levi in Stuttgart sein sechzigstes Lebensjahr angetreten. Zugleich wird es ein Vierteljahrhundert, seitdem der um das jüdische Kirchcnwesen und die socialen Zustände der Israeliten Württembergs, besonders aber um die Verhältnisse der israelitischen Gemeinde Stuttgarts so hochverdiente Mann das Amt eines Oberkirchenvorstehers (Mitglied der K. israelitischen Oberkirchenbehörde), wie auch dach eines Gemeindevorstehers bekleidet. Hoftath Levi ist einer jener Menschen, welche ihr ganzes Leben philanthropischen und humanitären Zielen weihen und welche die nicht minder seltene Gabe besitzen, einen ächten Idealismus mit praktischem Blick und Lebensklugheit zu paaren. Das isr. Waisenhaus in Eßlingen ist vorzugsweise seine Schöpfung, und seiner unermüdlichen Thätigkeit, seiner warmen Hingabe verdankt es den blühenden Zustand, in dem es sich heute befindet. Bon seinem Eifer für das religiös-sittliche Wohl der Stuttgarter Gemeinde find die Synagoge,, bei deren Bau, der Kultus, bei defien Organisation in liturgischer und musikalischer Hinsicht er die vielseitigste Thätigkeit entfaltete, die isr. Krankenkasse und das Armenwesen überhaupt, der isr. Friedhof u. s. s. beredte Zeugen. Als Mitglied des geistlichen Landeskollcgiums vertritt derselbe die zeitgemäße Richtung, ohne jedoch einen einseitigen Parieistandpunkt einzunehmen. Insbesondere war er bestrebt, dem Materialismus zu begegnen und den Sinn für das Höhere, Ideale, für eine Religiosität der Innerlichkeit zu wecken und zu pflanzen. Die jüngste Gemeinderathswahl hat gezeigt, in welcher Achtung derselbe bei sämmtlichen Confessionen und Parteien steht. Möge es dem rüstigen Beamten beschieden sein, noch viele Jahre seine vielseitige, segensreiche Wirksamkeit fortzusetzen! — Man schreibt uns aus Bielefeld vom 22.: Unser in weiten Kreisen bekannte Religionslchrer und Prediger Herr Blumen au feierte am 18. April das Fest seiner silbernen Hochzeit und seiner -lOjährigen Amtsthätigkeit, wovon derselbe 2b Jahre in hiesiger Gemeinde gewirkt hat. Am frühen Morgen wurde das Jubelpaar durch ein Ständchen erfteut. Um II Uhr erschien in eoi-pore der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde und überreichten dem Jubilar neben einem namhaften Ehrengeschenke eine künstlerisch ausgeführte Adreffe, die in den schmeichelhaftesten Worten den Tank für seine bisherige Thätigkeit ausdrückte; von einer Deputation der hiesigen Loge wurde ein silberner Tafelaufsatz und durch Herrn Gustav Dreyer ein mit silbernem Lorbeerkranz geschmücktes Prachtalbum überreicht, welches über 100 Photographien früherer Schüler enthielt; viele Privatleute erfteuten den Jubilar durch sinnige Geschenke. Aber auch von auswärts gab sich durch zahlreiche Depeschen und Briese die lebhafteste Theilnahme kund und wollen wir hier noch ganz besonders eine ehrende Adreffe von dem Vorstände des deutsch-israelitischen Gemeindebundes hervorheben. Bonn, 18 April. (Literarische Notizen.) Der ehrliche Name, aus den Memoiren einer Wiener Jüdin, betitelt sich ein neuer Roman in zwei Bänden von Hieronymus Lorm, der demnächst im Berlage von E. Pierson's Buchhandlung in Dresden zur Ausgabe gelangen wird. — Im Sommersemester liest auf der Universität Cambridge vr. Schiller - Szinessy am Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag über Berachoth, den Sohar, Chagiga, über die Targumim des Exodus und Ruth und Midrasch Rabba. — Pest, im April. (Literarische Notizen.) Bon Hrn. Ignatz Reich, dem bekannten Berf. des „Beth. El.", erschien jüngst eine neue ungarische Uebersetzung des 1. B. Moses ^Budapest, M. E. Löwy); dieselbe wird als eine gelungene und in mancher Hinsicht originelle von der vaterländischen Preffe gerühmt. — „Was finde ich vor und was bringe ich mit? Antritts-Rede gehalten in der Klaus-Synagoge am 6. März 1880 von M. Hirsch, Oberrabbiner in Prag." (Prag, Pascheles.) Diese Rede, einfach, llar und herzgewinnend, muß auf die Hörer einen tiefen Eindruck gemacht haben. Im 1. Theile entrollt der Redner ein prägnantes Bild der Prager Gemeinde, welche nicht allein durch ihre unvergänglichen Leistungen auf dem Gebiete der Religion und der Wiffenschaft des Judenthums, durch ihre berühmten Rabbiner und Hochschulen eine ruhmreiche Vergangenheit, sondern auch durch Gemeindeeinheit und Friedensliebe eine achtunggebietende Gegenwart hat. Im 2. Theile entwickelt Hr. Hirsch sein Programm, das in der Begeisterung für die uralte Lehre des Judcnthums nebst der Würdigung der berechtigten Ansprüche der Zeit, in der Friedensliebe und der Vermittelung zwischen den Parteien gipfelt. Möge das Wirken des neuen Obcrrabbiners reich an Erfolg sein. — Unter der Redaction des Hrn. Sem tob Senio erscheint seit dem 1.'». März in Wien eine neue Zeitschrift in spaniolischer Sprache: . r,N"-c:-x 'i -ir-K-i: r.-coirs. Bon den im Programm versprochenen „Blumen der jüdischen Literatur" und Mittheilungen aus der Vergangenheit der jüdisch-spanischen Geschichte ist in der sonst gut ausgestatteten Probenummer nichts enthalten. — , Unter der Redaction der Lectorcn am Wiener Bet Hamidrasch, > der Herren I. H. Weiß und M. Friedmann, wird von I künftigem Monat an im Berlage von Cb. T. Lippe: TiD^n rrc 1 eine neue „Monatsschrift für rabbinische Literatur und Ge j schichte" erscheinen. IS*

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