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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-04 · Heft 18 (4.5.1880) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 18 (4.5.1880)
Date
1880-05-04
Page
Seite 282 (sequence 10)
Language
German
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282 weislich. Ein Blick in die von den Behörden veröffentlichten Stiftungen genügt, um zu zeigen, daß die überwiegende Mehrheit der Stiftungen confessionell abgegrenzt ist: für unsere Glaubensgenoffen ergiebt sich die Festhaltung an diesem Principe um so mehr, als die Ausschließung derselben vom Genuffe allgemeiner Stiftungen noch energisch besteht. Alle Universitäten find im Besitze vieler und reicher Stipendienstiftungen, die -fast ausschließlich confessionell sind. Der jüdische Student geht leer aus. An wen soll er sich wenden? Bon wem soll er unterstützt werden? Bor solchen factischcn Zustünden weicht alle Theorie zurück. Das Hemd steht jedenfalls näher als der Rock, und die Juden sollten bei Ausübung humaner Werke ihrer Glaubensgenoffenschaft nicht vergessen und bedenken, daß Stiftungen, Vereine u. s. w. starke Säulen des Judenthums unserer modernen Zeit und der Zukunft bilden. Frankreich. Paris, 21. April. (Privatmitth.) Der Minister des Auswärtigen, Freycinet, hat ein Rundschreiben an die Vertreter Frankreichs im Auslande gerichtet, um die Politik zu bezeichnen, welche Frankreich verfolgt. In diesem ziemlich farblosen und von der politischen Welt mit Gleichgültigkeit ausgenommenen Dokumente spricht sich der französische Minister" Präsident über Rumänien dahin aus, daß Frankreich in Verbindung mit England und Deutschland die Unabhängigkeit desselben anerkannt habe, nachdem die Grundlagen für die Ausführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages sichergestellt worden seien. Man muß erstaunen, mit welcher Unbefangenheit eine solche Behauptung hingestcllt wird, deren gerades Gegentheil die Wahrheit ist! Eine individuelle Naturalisation für eine viertel Million Unterthanen für eine Ausführung der Rechtsgleichheit erklären, eine Naturalisation, deren Gewähren für jedes Individuum im Belieben der jedesmaligen Regierungsmänner und Gesetzgeber steht, das ist doch selbst für diplomatische Phrasen zu viel. Die Wirklichkeit schlägt Jedem, der solches behauptet, ins Gesicht. Die ganze Maffe der rumänischen Juden ohne alle Rechte, dagegen noch nicht 9oO Juden naturalisirt, von denen über 800 noch nicht einmal ihr Patent erhalten haben, das soll eine Sicherheit für die Ausführung des Artikels 44 bilden! Man sieht, die Diplomatie hat nichts vergessen und nichts verlernt. Ein offnes Geständniß, daß die Großmächte dem starren Eigensinn des kleinen Rumäniens aus wichtigen politischen Gründen sich gebeugt hätten, würde wahrlich mannhafter und würdiger sein! Großbritannien. London, 19. April. Von den 11 Candidaten jüdischer Religion, die sich um einen Parlamentssitz bewarben, sind fünf gewählt worden: Nathaniel von Rothschild, liberal, wieder gewählt, in Aylesbury; Henry von Worms, confervativ, in Greenwich; Sergeant Simon, liberal, in Dewsbury; Arthur Cohen, liberal, in Southwark; Sidney Wolf, liberal, in Pontefract. Bonn, 25. April. (Notizen). Die „Magdeburgische Zeitung" bringt einen ausführlichen Nekrolog eines Mannes, der unsre ganze Achtung und Zuneigung besessen. Eines Ehrenmannes, der praktisch so recht erwiesen hat, wie die treueste Pflichterfüllung als Bürger des Staates und der Stadt, als Israelit, als Geschäftsmann und Familienvater sich aufs Innigste vereinbart, des Herrn Ferdinand Fricdeberg, der am 0. April verschieden ist. Er war lange Jahre Mitglied der Stadtverordneten - Versammlung, seit 1861 Aeltester der Kaufmannschaft, 20 Jahre Vorsteher der israelitischen Gemeinde, die seine energischen Leistungen bei seinem freiwilligen Rücktritt durch ein glänzendes Andenken würdigte und im vorigen Jahre feierte er den 50jährigen Bestand seines 1820 von ihm und seinem ältesten Bruder begründeten Geschäftshauses. In allen diesen Zweigen seiner Thätigkeit hatte er sich den ehrenvollsten Ruf der Einsicht, Charakterfestigkeit , Biederkeit und Menschenfteundlichkeit erworben. Von wahrem Wohlthätigkeitssinn beseelt, hat er bedeutende Stiftungen für das Armenwesen der Jsraetitengemeinde gemacht und 10,000 Mark zum Besten der städtischen christlichen und israelitischen Arinen hinterlassen. Sein Andenken wird Allen theuer bleiben, die ihn näher gekannt. — Aus Paris berichtet man als Curiosum, daß an einem einzigen Tage, Sonntag den 11. Tlpril, in einem israelitischen Tempel, dem der Straße ^otre-vAlue-cke-^LLLretd, 10 Trauungen vollzogen worden, die von 1 Uhr bis in Anspruch nahmen. Aehnliches ist auch schon in Pest vorgekommen. — In Ferrara ist am 5. April der Groß-Rabbiner B. Levy im 34. Lebensjahre nach nur öjähriger Amtirung, zu der er einstimmig gewählt worden, verschieden. Sein Tod erweckte das tiefste Bedauern seiner Gemeinde. — j Tie rumänischen Ordenssterne gehen bereits auch über die Häupter von Juden auf, oder fallen auf dieselben herunter.! So erhielt der geschickte Graveur Stern in Paris den „Stern von Rumänien" wegen der äußerst gelungene» Gravirung der Titel der letzten rumänischen Anleihen. — S. Asser, Justizrath im Haag, ist durch K. Decret vom 28. Februar zum Mitglied und Generalsecretär der Commission zur Codisikation der Gesetze ernannt worden. — Wie uns Herr vr. Bernhard Fischer in schmerzcrfülltem Sinne aus Leipzig schreibt, ist daselbst am 13. April der Commerzienrath Nehemias Rosenblatt verstorben, und hat dessen Tod die allgemeinste Theilnahme erweckt. Denn der Dahingeschiedene war ein Mann von seltenen Geistes- und

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