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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-04 · Heft 18 (4.5.1880) · p. Seite 281

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 18 (4.5.1880)
Date
1880-05-04
Page
Seite 281 (sequence 9)
Language
German
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281 sprach er im Vereinslocale (Storp'schen Saale) länger als zwei Stunden über: „Das Christenthum des Herrn Hofpredigcr Stöcker und der König Chiskias." — Die Versammlung war sehr zahlreich aus allen Berufsclassen besucht, besonders bemerkte man viele aus den gebildeten Ständen; nur mußte es auffallen, daß nur vier Juden zugegen waren. Doch hat der letztere Umstand auch sein Gutes; denn der Verein, war in den ersten Jahren seines Bestehens von den Caplanblättern heftig angefeindet, wurden aber durch das Vorgehen des Vorstandes zum Schweigen gebracht. — Der Verein wurde titulirt: „Versammlung von Subalternen, Freimaurern und Juden." — Es ist nun unmöglich, diesen von der Versammlung mit Rührung und Begeisterung aufgenommenen Bortrag auch nur skizzenhaft wiederzugeben — (wenn er in der Wests. Zeitung im Drucke erscheinen sollte, werden wir nicht ermangeln, das Blatt dem hochgeschätzten Redacteur dieser Zeitung einzusenden). — Einleitend sprach der Redner über wundersame Heilige, deren Worte nicht mit ihren Thaten übereinstimmen, die den Denkzettel ihres Christenthums an der Stirne tragen, die mit langen Rockschößen über Markt und Straßen gehen — über Scheinheilige.- Das Treiben des Herrn Hofpredigers zerfalle in 4 Titel: der christliche Staat — die Verdrängung der Semiten — die Einführung des Jnnungszwanges — und die Beherrschung der Schule durch den Geist des Stöcker'schen Christenthums. Stöckers christlicher Staat ist ein Unsinn — cs kann kein Staat als christlicher bezeichnet werden, es hat keinen solchen gegeben, und kann keinen solchen geben. — Das Christcnthum sei bald nach Stiftung der Religion in Christenthümer zerfallen. Welches Christenthum soll nun einen Staat beherrschen? — Soll denn das Christenthum ä la Stöcker einen Staat beherrschen? Davor wird Jeder Vernünftige sich bedanken. — Das Christenthum hat die Grundpfeiler der Moral dem Judenthum entnommen, dieses hat für den Monotheismus gekämpft, und empörend durch die Christen gelitten, die Verfolgung der Juden durch die Christen fei ein Ueberkommen aus dem Heidenthume. Die Juden haben die Einheit Gottes, die Unsterblichkeit der Seele, die Menschenliebe gelehrt — das hat Christus mit hinüber genommen — was darüber, sei Dogmcnkrani. „Seid heilig, ich der Ewige Euer Gott bin heilig." „Ihr sollt den Fremdling nicht mißhandeln" rc. In der Entwickelung des ersten Punttes kommt der Redner, nachdem er in tief ergreifenden Worten die Verfolgung der Juden durch die Christen geschildert, zu dem Schluffe: Hetzereien wie die des Hofpredigers gegen dieJuden seien ein Verbrechen. In Betreff der Innungen zeigte der Redner die Unmöglichkeit ihrer Ausführung in fetziger Zeit, daß dieselben zu ihrer Zeit keine rosigen Zustände geschaffen, wie einige Meister sie nur ausgenutzt, während tausende von Lehrlingen und Gesellen nicht viel mehr als Sclaven gewesen; er zeigt daß Ciceros Eintheilung der Gewerbe in edle und unedle kein für unsere Begriffe richtiger Maßstab sei — der Handel ehrenhaft sein könne — die Christen aber den Juden nur den Handel als einzige Quelle ihres Unterhaltes gelaffen — daß die Beschuldigung, die Juden trieben am meisten Wucher, ungerechtfertigt sei. Es sei Herrn Stöcker allerdings unbequem, daß die Gymnasien so viele jüdische Schüler aufweisen, weil — dieses ehrenhaft sei; aber der Herr Hofprediger auch nicht verschweigen solle, daß die Zuchthäuser verhältnißmäßig wenige Juden beherbergen. — Die Schonung des Herrn Hofpredigers für die Orthodoxen sei begreiflich, da eben die Liberalen unter den Juden ihm der Dorn im Auge feien. — Wie müssen hiermit abbrechen, indem wir schließlich bemerken, daß das Judenthum dem Herrn Prof. Karsch um so mehr zu Dank verpflichtet ist, als seine scharfe Krittk des Stöcker'schen Christenthums hoffentlich in den liberalen Zeitungen der Provinz veröffentlicht wird und den Weg dem Antisemitenapostel doch etwas bedenklich machen dürfte. Fürth, 18. April. (Privatmitth.) Frau Wittwe Rosette Nathan hatte am 17. April 1879 zum Andenken an ihren am 21. Febr. 1879 verstorbenen Sohn Moritz ein Capital von M. 15,000 dem hies. Magisttate zur Gründung einer Stiftung übergeben, deren Erträgniffe zu wohlthätigen und. gemeinnützigen Zwecken verwendet werden sollen. Aus den Zinsen sollen jährlich M. 150 an bedürftige ohne Unterschied der Confession vertheilt werden, der Rest ist zu Stipendien an Studirende verschiedenen Fachs zu verwenden. Aus Anlaß des Anfangs dieses Jahres erfolgten Ablebens der Frau Wittwe Nathan haben nun die Relikten derselben weitere M. 10,000 mit gleichen oder ähnlichen Bestimmungen dem hies. Magistrat übergeben, welcher gleichwie über die erste, so auch über die gegenwättige Stiftung Respizienz unter. Ausdruck des Dankes und der Anerkennung für den bethättgten Sinn der Wohlthätigkeit übernimmt. Beide Stiftungen sind nicht confesfionell abgegrenzt, die Erträgniffe kommen den Nachgehörigen aller Confessionen zu gute, die Glieder der Familie genießen den Vorzug vor andern Stipendiaten. Jeder vorurtheilssreie und gefühlvolle Mensch wird sich stets der thatkräftigen Aeußerung der Barmherzigkeit fteuen, ja es als die Pflicht eines Jeden erachten, Werke der Humanität und des Gemcinsinnes nach Kräften zu fördern und auszusühren. Bei aller Erfüllung der allgemeinen Pflicht jedoch kann und soll aber auch das Jndividium bei Ausübung humaner Werke vom individuellen Standpuntte ausgehen und die Berechtigung consessioneller Stiftungen ist sowohl vom principiellen als auch realen Boden aus nachts

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