Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1880)
- Date
- 1880-05-04
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
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279 als: Alles ist, wie es ist. Zum Materialismus sagen wir: Wenn Alles nur Materie ist, wie kommt diese Materie zur Kraft, zum Leben, zum Organismus, zur einheitlichen Weltordnung? Denn da wir die unermeßliche todte, nur den mechanischen und chemischen Gesetzen unterworsene Materie sehen, das belebte Individuum mit dem Aufhören des Lebens wieder zu todter Materie wird, das Leben aber sich selbst wieder durch die Fortpflanzung weckt, wie ist die todte Materie zum Leben gekommen, da sie es aus sich selbst nicht werden kann? Wie soll ferner diese räumliche Materie zum Denken kommen, das zwar in dem einheitlichen Organismus von der Beschaffenheit der Materie beeinflußt wird, jedoch selbständig thätig ist, und von sich aus die Materie beeinflußt, und ihre Thätigkeit beherrscht? Zum Darwinismus sagen wir: Du hast aus emsiger Beobachtung erwiesen, daß es in der Reihe der körperlichen Organismen Veränderungen und mannichnur in beschränktem Maße finden. Vielmehr findet er seinen eigentlichen Kampfplatz in der großen Menge derer, die religiös indifferent geworden. Haben doch jene Philosopheme ihre günstige Position nur diesem Jndifferentismus zu verdanken, der sich leicht von dem lauten Geschrei bethören läßt, welches jene in unsren Tagen erhoben haben. Unter diesen Indifferenten müsien wir aber die denkenden unterscheiden, welche bei ihrer sonstigen geistigen Thätigkeit sich dem Dilettantismus auf religiösem Gebiete ergeben haben, von der großen Maffe derer wieder, welche in Gedankenlosigkeit gegen jede religiöse Ueberzeugung gleichgültig geworden. Beschäftigen wir uns voran mit der ersten Klaffe. Als einen Vertreter derselben heben wir Herrn Eduard Laster hervor. Gewiß müffen wir ihn als einen denkenden Juden bezeichnen. Es versteht sich, daß wir hier nichts mit dem Politiker und Gesetzgeber Laster zu thun haben. Im fache Entwickelung giebt, aber es ist dir nicht gelungen, Augusthefte der Deutschen Rundschau, Jahrg. 1879, veranders als in bloßer Hypothese diese Entwickelung aus Uröffentlichte er einen Bortrag „Wort und That". Auch mit anfänge zurückzuführen und immer bleibt dann dieselbe Frage, ' dem Inhalte dieses Bortrages haben wir es keineswegs zu die du nicht zu lösen vermagst: wie sind diese Anfänge? thun. In der Einleitung jedoch sagt er Folgendes: der organischen Entwickelung aus der todten Materie ge'} „Unter solchen sich bekämpfenden Gegensätzen arbeitet der worden? Durch welchen Akt wurde die auf so weite Ziele Mensch sich durch zu der Erkenntniß, mit welcher diese zweite angelegte Entwickelung des Lebens in die todte Materie gebracht? Dem eben sich spreizenden Monismus endlich nehmen wir die Maske ab, hinter der sich nichts weiter als eine Verquickung des Pantheismus und des Materialismus verbirgt, die doch im Grunde nur scheinbar verschieden sind. — Wir wissen, daß die Gegner einwenden werden, mit solchen ein- Periode dem Abschluß entgegenneigt, daß die Natur dem Menschengeschöpf verwehrt hat, das Wesen Gottes zu ergründen, in irgend eine nach menschlichen Regeln erkennbare Verbindung mit ihm zu treten, so lange der Mensch auf Erden weilt. Diese Erkenntniß beeinträchtigt nicht die Gefühle, welche der Menschenbrust tief eingegraben find, nicht fachen Aussprüchen, mit solchen banalen Einwendungen entden natürlichen Antrieb zur Gottesfurcht. Der Einzelne mag waffnet ihr uns nicht. Die Dinge wollen tiefer untersucht und darf, ohne Furcht vor berechtigtem Widerspruch, das und erfaßt werden. Wir laffen uns hierdurch nicht irre höhere Wesen, wie es in seinem Herzen lebt, anbeten, zu machen. Wir wollen uns hier gegenseitig verstehen; auf mctai seiner Erziehung verwertbcn, in seine Stimmung und Lebensphyfischem, syllogistischem, sophistischem Wege aber werden wir! geschicke verflechten, aber keine Forschung erschließt ihm das uns ebenso wenig verständigen, schließlich aber nicht einmal! Berständniß, wie zu Anfang oder zuletzt Menschliches und verstehen. Es ist Eure Sache, diese einfachen, ewig wahren Göttliches sich verknüpfen. Wiffenschaftlich erwiesen ist das Widersprüche mit Euren Philosophemen zu überwinden. Und j Gesetz, daß alles hierauf gerichtete Forschen bloße Uebung dies ist, was Ihr niemals vermöget.!des Geistes ist. Zum Uebersinnlichen findet unsre auf den Jndeffen find es weniger diese Philosopheme, diese Sy-! Sinnen beruhende Vorstellung keinen Zugang; darum zersteme des modernen Heidenthums, wie man zu sagen pflegt, bröckeln alle Einrichtungen, welche auf der vermeinten Kenntihre Lehrer und eifrigen Jünger, welche den aufrichtigen! niß des Göttlichen veranstaltet sind." — Diese Anschauungs- Bekenner der Gotteslehre für diese fürchten lassen. Es sind eben! weise ist es, die wir nachdrücklich zu bekämpfen haben. Gegensätze, die von jeher bestanden, und ihren engeren Kreis 1 (Schluß folgt.) ©eilt t \\ cj Miac Deutschland. Berlin, 20. April. (Privatmitth.) Der deutsche Reichstag besitzt bekanntlich in der Person des Abg. v. Ludwig einen Mann, der durch seine Geistessprünge und bunten Extravaganzen stets vermag, das Haus in die größte Heiterkeit zu versetzen, und den Ernst der Verhandlungen durch herzliches Gelächter zu unterbrechen, das er stets bewirkt.