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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-04 · Heft 18 (4.5.1880) · p. Seite 278

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 18 (4.5.1880)
Date
1880-05-04
Page
Seite 278 (sequence 6)
Language
German
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278 sprechender Darstellung, ohne jene Nüchternheit, die gewöhnlich den „Leitfäden" eigen ist, und ohne Anhäufung der Daten, die Hauptbegebenheiten und vorzüglichsten Persönlichkeiten ins j Licht stellend. — „Mar Samuel der bedeutendste Amora. Beitrag zur Kunde des Talmud. Bon vr. Sigmund Fesseler." (Breslau, Schletter. 1879.) Die Persönlichkeit' Mar Samuells hat stets eine besondere Aufmerksamkeit aus stch gezogen, die ihm vorzugsweise wegen seiner wissenschaftlichen Vielseitigkeit und der hohen Geistesstufe zu Theil wurde, welche er, vom Standpunkte seines Zeitalters erwogen, in vielen Zweigen des Wissens erreichte. Er ist daher schon einige Male zum Gegenstände von Monographien gemacht worden und die vorliegende hat den Vorzug, die vollständig gesammelten Materialien mit Umsicht nnd Geist behandelt zu haben. Der Vers, stellt ihn zuerst als Mensch, dann als Gesetzeslehrer, Civil-Rechtslehrer, als Astronom und Arzt dar. In Anmerkungen wird manche wichtige Frage aus dem talmudischen Gebiete erörtert. — „Moises Nasch«r (Oberrabbiner in Baja.) Eine exegetische Monographie von vr. S. Rascher. Rabbiner in Berlin." (Berlin, Stahn. 187:».) Die kindliche Pietät ist, wo wir ihr begegnen, achtenswerth, und so finden wir es natürlich, daß Herr Nascher seinem sehr geachteten Vater das vorliegende Schristchen in liebevollem Andenken widmete. Eine, in den wärmsten Ausdrücken der Verehrung geschriebene biographische Skizze - Rabbi Moises Nascher war in Holleschau am 21. März 1811 geboren und verstarb als Oberrabbiner zu Baja am 13. Febr. 1878 — und eine Auswahl sinnreicher Auslegungen von Schrifttexten des Heiurgegangenen füllen die Broschüre. Die letzteren wird man mit Vergnügen und Nutzen lesen, da sie, ohne gerade erkünstelt zu sein, doch in die Worte der Schrift oft glückliche, dem gewöhnlichen Sinne fernliegende Gedanken einsenken. Der scl. Nascher gehörte zu den Jüngern der alten Talmudschule, die von dem Geiste der Mendelssohn schen Epoche berührt und gebildet worden, und in welchen auf dem Boden echter Frömmigkeit sich auch ein seines ethisches Gefühl entfaltet hatte. — Bon der Uebersetzung des Midrasch Rabbah von vr. A. Wünsche kommt uns soeben die dritte Lieferung zu, welche den Schluß des in der ersten Lieferung angesangenen Midrasch Koheleth enthält. — „Zur Lautlehre der aramäisch-talmudischen Dialecte. I. Die Kehllaute. Bon vr. G. Rülf." (Leipzig. Hinrichs. 1879.) Tie grammatische Behandlung der beiden Talmude ist erst ein Erzeugniß der jüngsten Zeit und bis jetzt noch nicht weit vorgeschritten. Eine vergleichende Darstellung der Lautlehre in der Sprache der beiden Schriftwerke war noch gar nicht vorhanden und hierzu liefert die vorliegende Schrift, eine Frucht emsigen Fleißes und guten Verständnisses, einen tüchtigen Beitrag, indem sie sich besonders mit der Aussprache und dem Gebrauche der Kehllaute im babylonischen und jerusalemischeu Talmud beschäftigt. Die Sprache der Talmude ist ein aus aramäischen und hebräischen Elementen zusammengesetztes Idiom, in dem das hebräische Element mit dem Andrängen aramäischer Eigen - thümlichkeit kämpft. In Palästina herrschte ein palästinisch-aramäisch-hebräischer und in Babylonien ein babylonisch-aramaisch-hebräischer Dialect. In diesen Dialecten sind die beide» Talmude geschrieben. Der jerusalemische Talmud hat lexikalisch mehr das Hebräische bewahrt, während er sich grammatisch zu aramäischen Formen hinneigt. Im babylonischen Talmud findet dagegen das umgekehrte Berhältniß statt. Verschiedene aramäische Dialecte erweichten die Kehllaute, so daß der Unterschied zwischen n und n, y und n in der Aussprache und allmälig auch in der Schrift minder bemerkbar ward und sich zuletzt ganz und gar verwischte. Dies ist aber, wie der Vers, beweist, bei den Babyloniern nicht der Fall gewesen, die vielmehr zwischen den Kehllauten, wenn es der Sinn erforderte, genau unterschieden. Der jerusalemische Talmud aber hat den Unterschied auch in der Schrift nicht bewahrt. Bon hier aus unterzieht der Vers, die sich an diese Erscheinung knüpfenden historischen und linguistischen Fragen einer sorgfältigen Prüfung. — (Fortsetzung folgt.) Der Kampf um die Gotteslehre iv. Wir müssen unsre Leser ersuchen, zu Nr. 1, 2 und 5 des laufenden Jahrgangs zurückzugehen. Die lebhafte Polemik, die sich, ohne von Seiten der Juden veranlaßt zu sein, entsponnen hatte, und die Vorkommnisse des Tages hatten uns genöthigt, die allgemeineren Betrachtungen zurücktreten zu lassen, und so können wir erst heute den Abschluß jener Artikel versuchen. Wir hatten uns vorgesetzt, den Kamps zu schildern, welchen der überzeugungsvolle Jude um und für die Gotteserkenntniß durchzuführen hatte und hat, und waren hierin bis zur Gegenwart, bis zur Besprechung dessen gelangt, was sich ihm in unsren Tagen entgegenstellt. Wir haben es hier zunächst mit jenen Philosophemen zu thun, welche sich der Gottcslehre gegenüber aufgestellt haben. Wir wollen hier weder die ursächlichen Momente, aus denen sie entsprungen, noch die Art ihrer Entwickelung näher untersuchen. Es sind doch nur alte Erscheinungen,!die in den verschiedenen Phasen der menschheitlichen Enthaltung immer wieder auslraten, und in unsrer Zeit ihre Nahrung aus der Verbreiterung und Vertiefung der Naturwissenschaften und des wissenschaftlichen Gedankens zogen.; Wir treten vielmehr nur ihren Endsätzen in einfachster Weise gegenüber. Wir sagen zum Pantheismus: Wenn Alles (näv) Gott (-O-eog) ist, so ist eben nichts Gott, denn dann decken sich die Begriffe Sein und Gott, und Ihr habt nichts gesagt

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