Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1880)
- Date
- 1880-04-27
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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263 Vorschub geleistet?" Tie Humanitären Anstalten des Geverpflichteten politischen Verbänden bestritten werden, auf meindebundes haben, ohne besondere Begünstigung zu erdas Gemeindebudget zu übertragen." fahren, ihren guten Fortgang genommen. Der Ausschuß! B. Gegenüber den Einzelnen, hat sich auch besonders mit den beiden Fragen über die! 4) „Eine der unter 1 gedachten entsprechende staatliche Gleichstellung der jüdischen Geistlichen mit den christlichen) Verpflichtung ist den Eltern dahin aufzuerlcgcn, daß sie ihre und über den obligatorischen jüdischen Religionsunterricht! Kinder an dem von der Gemeinde eingerichteten Religionsbeschäftigt. Hinsichtlich der ersteren hat es sich herausgestellt.! unterricht Theil nehmen lassen." daß man es ruhig beim Alten lasten solle, betreffs der zweiten wird der Bericht noch erwartet. Der Gemeindebund hatte im vorigen Jahre 5463 Mark Einnahme und 5154 M. Ausgaben. Der Bestand ist demnach 15,006 M. Die Beiträge von Gemeinden beliefen sich auf 3606 M., und zwar gehörten dem Bunde 145 Gemeinden an, deren Zahl also im Wachsthum begriffen ist. Die Beamten Pensions- Caste ist noch sehr schwach; die Einnahme betrug 426 M., die Ausgabe 357 M., die an bestehende Vereine abgegeben wurden. Der Fond besteht jetzt aus 6400 M. Die Hcrxheimer-Stiftung hatte eine Einnahme von beinah 3000 M., und wurden 15 Zöglinge der Lehrerbildungsanstalten unterstützt. Die deutsch - israelitische Darlchnskasse für Frauen und Jungfrauen mit 3383 M. Einnahmen gewährte 10 Darlehen und zwar nach verschiedenen deutschen Ländern. Endlich erinnern wir an die in d. Bl. mehrfach erwähnte Mendelssohn-Stiftung in Destau durch mehrere Glieder der M.'schen Familie unter der Einwirkung des Ausschusses. Wir können daher die Aussichten des Gemeindebundes nur als günstig.bezeichnen. Leipzig, 10. April. «Privatmitth.) Am 11. April fand der „dritte deutsch-israelitische Gemeindetag" allhier unter dem Vorsitze des Prof. Lazarus statt. Nach dem Rechenschaftsberichte des Ausschußes wurde der vielseitigen Thätigkeit destclben der einstimmige Dank votirt. lieber den obligatorischen Religionsunterricht referirte Di-. Adler, und wurden nach längerer Diskussion folgende Thesen von der Mehrheit angenommen. A. Gegenüber den Gemeinden. 5) „Bon dem seitens der Gemeinde gewährten Unterricht ist Dispens zu ertheilen, wenn die Kinder nachweislich anderweit regelmäßigen israelitischen Religionsunterricht erhalten." Nachmittags referirte Rechtsanwalt E. Lehmann über die judenfeindliche Bewegung in Deutschland. An das ausführliche und treffliche Referat konnten sich selbstverständlich Beschlüsse nicht anschließen. Zuletzt refcrirten noch vr. Bielefeld über Bezirksarmenpflege, Hausdorf über die Beamten pensionsfrage und 0r. Goldschmidt über Mcndelssohnvereine. Breslau, 8. April. (Privatmitth.) Am 21. März d. I. beging die Gesellschaft der Brüder in Breslau die Feier ihres hundertjährigen Bestehens. Zeugt schon diese Thatsache für die Bedeutung der Gesellschaft, so erhalten wir noch besonders ein klares und umfastendes Bild ihres Wirkens durch die Darstellung ihrer Geschichte, die Herr vr. Brann zu Ehren des Stiftungstages herausgegeben hat. ') Derselbe hat es verstanden, aus vereinzelten Aktenstücken, die sich in dem Staatsarchiv in Breslau, wie in dem der dortigen Synagogengemeinde, vorfanden, aus zerstreuten Notizen, aus den' verschiedenen Statuten, Festschriften und Mitgliederverzeichnissen der Gesellschaft eine zusammenhängende Darstellung des Wirkens und der Entwickelung derselben zu veranstalten, die bei der hervorragenden Stellung der Mitglieder und bei dem großen Einflüsse der Gesellschaft für die Entwickelung des ganzen Gemeindelcbens sich zu einem Beitrage zur Geschichte der Gemeinde selbst erweitert und als interestantes Culturbild eine über das gewöhnliche Schicksal solcher Fest- _ schriften und locale Verhältnisse hinausreichende Bedeutung 1) „Es ist dahin zu wirken, daß die in den meisten gemimt. — Es gewährt gerade in der jetzigen Zeit der deutschen Gebieten bestehende Verpflichtung der israelitischen literarischen Judenhetzc ein Gefühl der Beruhigung ui Religionsgemeinden, für den Religionsunterricht ihrer schul-;„udiaen Erbebuna /mit dem Vertaner bei seiner ' kur; pflichtigen Jugend zu sorgen, in allen deutschen Gebieten durchs Landesgesetz eingeführt werde und zu vollkommener thatsächlichster Durchführung gelange." 2) „Der Religions-Unterricht hat sowohl biblische Geschichte und Religionslehre (Glaubens- und Sittenlehre), als auch den sprachlichen Theil (Hebräisch-Lesen und Uebersetzen) zu umfasten." 3) „Es ist wünschenswerth, daß der von den Gemeinden gewährte Religionsunterricht unentgeltlich ertheilt werde; die Kosten desselben sind, insoweit sie nicht von den hierzu und freudigen Erhebung, mit dem Verfasser bei seiner kurzen Schilderung der Breslauer Judengemeinde vor 100 Jahren zurückblicken zu können auf die Zeit, da engherziges Borurtheil und kleinlicher Krämerneid rücksichtslos ihre Herrschaft und ihre Beschränkung ausübten, und es ist selbst ein gut Stück Culturgeschichte, wenn über schmähliche Zustände einer gar nicht so fernen Vergangenheit im freien Tone des Humors berichtet werden kann, wie es bei der Schilderung 1) Geschichte der Gesellschaft der Brüder, Festschrift zur Säen larseier am 2t. Marz 1880, im Aufträge des Vorstandes bearbettet von vr. M. Brann.