Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1880)
- Date
- 1880-04-27
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
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262 schrift gegen die Zoll- und Wirthschastspolitik der Regierung zu polemisiren, sowie die kirchlichen Parteien aller Confessionen zu erbittern, die auf seiner Seite stehen." So sagt der gute Marr in einem desfallsigen kleinen Flugblättchen. Das ist ein Schicksal! Früher waren es die bösen Juden, die den armen Marr maltraitirt haben sollen — jetzt sind es „katilinarische Existenzen." Und diesen ehrlichen, von den Radikalen übergelaufenen, lammfrommen Mann will man zwingen, gegen die Regierung und die Pietisten zu marschieren! Da ist es erklärlich, daß er es vorzieht, seine Monatsschrift ohne Abonnenten aufzugeben und wieder Broschüren zu schreiben. Allein Herr Marr hat sein Pulver mit einem Male verschollen, und wer kein Pulver hat, kann nicht mehr schießen. Das wird er bei seinen weiteren Broschüren empfinden, und damit können wir ihn einen „fröhlichen Abschied" von der öffentlichen Bildfläche wünschen. Hierbei möchte ich noch Folgendes bemerken: Ihr Wiener Corresp., da er über Hofprediger Stöcker, für den Abend für ihre Mühewaltung 2 M. als Löhnung erhalten und dafür Herrn Hofprediger Stöcker zujauchzen oder auch einen wider ihn auftretenden Redner „niederdonnern" müssen." — Daß man mit solchen Mittelchen schließlich doch nichts ausrichtet, versteht sich von selbst. Jndeß wird dies Alles nicht verhindern, daß noch dann und wann ein antijüdisches Buch oder Heft erscheint, wie so eben wieder eine Buchhändlerspeculation angekündigt wird. Allein, wenn ein solch Erzengniß nicht von einem namhaften Berfaffer ausgeht, muß es gar nicht beachtet werden. Berlin, 18. April. In der Sitzung des Reichstages vom 16. d. wurde bei Berathung der Militärnovelle der Antrag Schorlemer's, die christlichen Geistlichen von den Hebungen der Ersatzreservisten zu befreien, mit 16! Stimmen gegen 151 angenommen, hingegen der Antrag Windthorst's, auch „die jüdischen Religionsdiener" zu befreien mit 185 gegen 116 Stimmen verworfen. Wir werden in nächster die Erfolglosigkeit des Antisemitenvereins, in Wien Bodens Nummer ausführlich darüber handeln, zu faffen, spricht, fügt hinzu, daß die dortige Polizei ihul Leipzig, 14. April. (Privatmitth.) Der Ausschuß des gar nicht geduldet haben würde. Bei uns war dies allerdeutsch-israelitischen Gemeindebundes hat Nr. 7 seiner Mitdings nicht der Fall, und als man an den Staats- und theilungen, nämlich über das verfloffene Jahr veröffentlicht. Oberstaatsanwalt ging, gegen diese auf Unwahrheit und Unl Die beiden ansehnlichen Hefte enthalten nach einer kurzen recht beruhende Agitation einzuschreiten, welche „Haß und Uebersicht die Sitzungsprotocolle des Ausschuffes, Rechnungs- Verachtung gegen gewiffe Bürgerclaffen zu erregen" sucht, erklärten jene, daß sie keine Ursache;um Einschreiten fänden. In der Hitze des Streites mag man dies beklagt haben, jetzt können wir nur zufrieden damit sein. Die Sache hat sich durchgespielt, und ihre Wirkungslosigkeit vollständig erwiesen. Die Gegner können nicht sagen, daß ihre Bestrebungen abgeschnitten worden, sonst würden ihre Resultate ganz andere gewesen sein. Sie hatten Zeit und Raum, ihren Köcher gänzlich zu leeren und kein Ziel getroffen. Sie haben also ihre Niederlage auszukosten. Stöcker hält freilich noch immer Borttäge über „die Judenfragc" Allein auch ihm wird die Stunde schlagen. Die „K. Z." berichtet: Dem Hofprediger Stöcker soll sein Auftreten und seine Reisen als Agitator der „christlichsocialen Arbeiter-Partei" an maßgebender Stelle sehr verübelt worden und demselben nicht undeutlich zu verstehen gegeben sein, daß dies aufhören müsie, da es mit der Würde seines Amtes durchaus nicht zu vereinbaren sei. Es heißt, daß zwei berühmte Kanzelredner binnen Kurzem eine Versammlung christlicher Männer zusammcnberufen und öffentlich auffordern werden, gegen das Vorgehen des Herrn Stöcker Front zu machen, da dasielbe gegen den Geist des Christen thums und wider das Heiligste des Christen „christliche Liebe/ verstoße, auch der Würde eines Priesters der christlichen Kirche zuwiderlaufe. Endlich macht der Berichterstatter darauf aufmerksam, daß die in den christlich-socialen Versammlungen auftretenden „Stimmungsmacher" für Herrn ablage, Beilagen und Gutachten über verschiedene Fragen. Jedenfalls liegt hier das Zeugniß einer emsigen Thättgkeit und vielseitiger Bestrebungen vor, die dem Ausschuffe zur Ehre gereichen. Schon der Gedanke, daß hier, ohne jede eigentliche religiöse und zu etwaiger Parteiung geeignete Frage zu berühren, für die zerstteuten Gemeinden ein Mittelpunkt vorhanden, ist ermunternd. Wenn daher die erzielten Resultate den Anstrengungen noch immer nicht entsprechen, so können wir diese doch als einen fruchtbaren Boden betrachten, aus dem noch viel Segensreiches ersprießen kann. Der Ausschuß hat Statuten ausgearbeitet und Aufforderungen erlaßen für Bildung von Mendelssohnvereine und eines mitteldeutschen Bezirksverbandes zur Beschränkung der Wanderbettelei. Der Erfolg ist abzuwarten. In Angelegenheit der antijüdischen Bewegung machte der Ausschuß eine Eingabe an das k. sächs. Ministerium der Justiz und an den Reichskanzler. Bon dem ersteren lief keine Antwort, vom letzteren nur ein Empfangsschein des Reichskanzler-Amtes ein. Dagegen ist das „Leffing-Mendelssohn-Gedenkbuch" sehr gelungen, und der Ausschuß hat „zur Abwehr" mehrere der besten Broschüren durch Ankauf von Exemplaren und kleinere Artikel durch Abdruck' als Flugblätter zu verbreiten gesucht. Freilich bleibt hier die Frage, ob die Bertheilung solcher Schriftstücke an die Gemeinden und Deligirten den Zweck erfüllt, sic in die Hände des nichtjüdisrben Publikums zu bringen? Sehr nützlich war die Herausgabe der Schrift des l>r. Bodck: „Hat das Judenthum dem Wuchcrumwesen