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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-27 · Heft 17 (27.4.1880) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 17 (27.4.1880)
Date
1880-04-27
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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261 homiletischen Weise, die gegenwärtig so selten ist, und freilich eines eigenen schöpferischen Geistes in höherem Maße bedarf, nur Glück wünschen. — Ganz entgegengesetzter Art ist die folgende Predigt: Bier Momente. Gottesdienstliche Rede zur Feier 25jähriger Stiftung der Gemeinde Schochare Hattvb in Berlin, am 3. Jan. 1880 gehalten von I)r. S. Nascher, Rabb. (Berlin, Stahn, 1880.) Sie gleicht einer aus bunten Stiften zusammengesetzten Mosaik; so sehr besteht sie fast ganz aus Midraschstellen, die poetisch aufgefaßt und bisweilen sogar im Reim wiedergegeben sind. Wir können uns mit dieser Predigtweise nicht einverstanden erklären, denn die Kanzelrede wird hierdurch zu einem die Phantasie beschäftigenden Schaustück, ohne daß der Sinn klar und das Gemüth erwärmt wird. — Mein Bund mit ihm war das Leben und der Friede. Predigt gehalten zur Feier seines 25jährigen Amtsjubiläums am 1. Jan. 1880 von vr. Moritz Landsberg, Rabbiner. (Liegnitz, Cohn, 1880.) Der verdienstvolle Redner wirft, anknüpfend an obig.es Schristwort. einen Rückblick auf seine 25jährige Amtsführung. Wir fteuen uns mit ihm, daß die Ergebniffe derselben recht sichtbare waren; nur finden wir, daß die Darstellung doch etwas zu viel Selbstlob mit sich führt. Der Gemeinde, die ihre Anerkennung in einer warm geschriebenen Adresse ausgesprochen, war eine solche ausführliche Erinnerung nicht nothwendig. Nebenbei gebraucht er wiederholt das Wort „Priesteramt"; der Rabbiner hat nur ein Lehranit. — (Fortsetzung folgt.) Alles in neuem Gewände. IV. Wir fteuen uns, unsrem Referate in Nr. 11. 12. 13. abermals eine Arbeit des vr. A. Wünsche hinzufügen zu können: Der Jerusalemische Talmud in seinen hagadischcn Bestandtheilen, zum ersten Male ins Deutsche übertragen von vr. August Wünsche. Zürich, Verlags - Magazin. 1880. Bekanntlich sind die Hagadoth des Jerusalemischen Talmuds wiederholt zusammengestellt und commcntirt worden. Es liegt in der Natur der Sache, daß diese Auszüge, je nachdem man den Begriff der Hagada faßt und besondere Zwecke verfolgt, verschieden ausfallen, bald mehr, bald weniger ausgedehnt, vr. W.. der, wie wir in Nr. III. sahen, mit der Herausgabe einer Uebersetzung der Rabboth beschäftigt ist, hätte allerdings bei dieser ersten Uebersetzung der Jerusalemischen Hagadoth noch viel Stücke mehr liefern können, besonders hätten wir gewünscht, daß er die kürzeren Aussprüche und Sentenzen, in welchen oft mehr gedanklicher Kern als in weitläufigen Phantasien steckt, nicht übergangen wäre. Aber auch so ist seine Leistung sehr anerkennenswerth, und fördert ihrentheils den Einblick in den Jdcengang und den Charakter der talmudischen Literatur. Allerdings meinen wir, daß die zwischen die halachischen Diskussionen zerstreuten Hagadoth im Ganzen nicht dem Werthe der Midraschim gleichkommen, welche mehr darauf ausgehcn, die Schriftworte unmittelbar zu interpretiren, während diese Hagadoth Schrifttexte herbeiziehen, um abergläubischen Vorstellungen zum Anhalt zu dienen. - Herr vr. Rabbinowicz schreibt uns aus Paris, daß er wegen Herausgabe seines letzten Bandes in Verlegenheit ist. Derselbe ist bereits gedruckt (pD^'p, mnrc), aber die Druckkosten noch nicht gedeckt, während die Druckkosten der früheren Bände sämmtlich bezahlt sind. In seiner letzten Vorrede wird er ausführliche Artikel über der: Ger, die Heiden, die Sklaven, die Stellung der Frauen, Hcirath und Scheidung in der Bibel und im Talmud geben. Er ersucht daher, nachdem seine Arbeit so viele Anerkennung competcnter Kritiker erlangt hat. ihm Unterstützung zur Vollendung derselben zu gewähren, und wir glauben, daß er hierauf den vollsten Anspruch besitzt. Herr Rabbinowicz verlangt keine Subvention für sich, keinen Lohn für seine unermüdliche Thätigkeit, sondern nur die Mittel, um auch den letzten Thcil seines Werkes der Oeffentlichkeit übergeben zu können. Hoffen wir. daß dieser Appell an den Gemeinsinn unserer Glaubensgenossen nickt erfolglos bleiben werde. Herr vr. Rabbinowicz (Paris, 63 me de Seine) würde dadurch zugleich crmuthigt werden, noch an andere wiffenschaftliche : Arbeiten auf diesem Gebiete zu gehen, für welche er bereits , den Plan entworfen und Vorarbeiten gemacht hat. 'ZC'eil MMCJ >uac jjzt ctjTc ii. Deutschland. Berlin, 13. April. (Privatmitth.) Wir haben in dieser Z. von dem literarischen Treiben W. Marrs wenig Notiz genommen, auch nicht wo er sich persönlich gegen deren Redacteur wandte, weil wir die feste Ucberzeugung hegten, daß solch' ein wüstes und trotz allen Geschreies hohles Treiben in sich selbst die Ursache seines Untergangs trägt. Dies verwirklicht sich denn alsbald. Die mit so vielem Geräusch angekündigte Monatsschrift „die deutsche Wacht" ist schon eingegangcn, und statt derselben will Marr „Zwanglose antisemitische Hefte" herausgeben; von Berlin wird der Sitz dieses großartigen Unternehmens nach Chemnitz verlegt. Als Grund giebt Marr an, daß er mit seinem Verleger in Zwist gerathen, der durch „Pressionen von Seiten gewiffer katilinarischcr Existenzen ihn zwingen wollte, in feiner Zeit-

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