Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1880)
- Date
- 1880-04-20
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 durch die Nihilistenpartei zu groben Verbrechen verleiten ließen, auch einige Inden sich befinden, welche ihre That mit Tod und Verbannung bezahlt haben, so möchte man sie, obschon das Gegentheil erwiesen ist, zu den eigentlichen üü-^nrs des Nihilismus stempeln. Demungeachtet witzelt man, z. B. selbst in der Köln. Z. ans Odessa über die Juden, die überall „wo es etwas zu verdienen giebt", zum Vorschein kämen. Wir verdammen gewiß diese ganze scheußliche Bande und würden uns glücklich schätzen, wenn niemals ein Jude in ihr erschienen wäre — aber nach den obwaltenden Um- und Zuständen ließ sich dies gar nicht erwarten und wir können nur die schiesen Urtheile signalisiren, die daran geknüpft werden. Petersburg, 3. April. Die Unzulässigkeiten, welche bei Ertheilung von Geburtsscheinen an Juden durch die Rabbiner herrschen, haben das Ministerium des Innern veranlaßt, zu beantragen, daß die Führung der Geburtsregister den Rabbinern entzogen werde. Es sollen diese Register in den Residenzen und Stadthauptmannschasten den Bezirks-Pristaws, in Städten, in denen keine besondere Kreispolizei besteht, der städtischen Polizeiverwaltung und in den Kreisen den Wolost verwaltungen übertragen werden. Petersburg, 4. April. Der Corresp. der sehr russenfreundlichen. Daily News schreibt: „Man hat von dem Jubiläumstage des Czars einige Zugeständnisse für die Juden im Lande erwartet. Statt dessen habe ich von der vermehrten Strenge zu berichten, mit der dieses Volk behandelt wird. Ich habe es persönlich erfahren, daß Juden genöthigt waren, ihren Glauben zu verleugnen, um nicht polizeilich aus Petersburg ausgewiesen zu werden. Aus unzweifelhafter Quelle erfahre ich, daß in den Gouvernements von Tula, Orel und Charkow Juden, die daselbst lange Jahre als Geschäftsleute lebten, unbarmherzig ausgewiesen wurden und daß ihnen nicht mehr als zwei bis drei Tage Zeit gelassen wurde, um ihre Geschäfte abzuwickeln, bevor sie sortgejagt wurden, um ein Asyl zu suchen, wy sie es eben finden können. Ein tief eingewurzeltes Vorurtheil waltet gegen dies harmlose fleißige Volk (inoÜ6U8iv6, inäustrious people), um dessen willen Europa erst kürzlich in Rumänien intervenirt hat, und in hohen ofsiciellen Kreisen geben sich in dieser Hinsicht sehr illiberale Gefühle kund, die von einem Theile der Presse der jüdischen Verhältnisse zu verbreiten, eine gewisse Anzahl von Exemplaren des Organs des russischen Juden „Russey Ewrey" auf seine Rechnung für hebr. Elementarschulen ausgeschrieben hat. N. R. Rumänien. Bukarest, 24 März. Die Arch. isr. enthalten ein Schreiben, worin die Art und Weise geschildert wird, in welcher die rumänische Deputirtenkammer die Petitionen von Juden um die Naturalisation behandelt. „Gewöhnlich werden die Äammersitzungen Mittags oder um ein Uhr eröffnet und um 6 Uhr geschlossen. Samstags ist man kaum um 2 Uhr vollzählig, einige Male ist die Kammer um 3 oder 4 Uhr nicht mehr vollzählig. Die Herren Deputirten gehen davon, um nicht die Naturalisation der Juden votiren zu müssen. Wenn es dem Präsidenten gelingt, sie am Fortgehen zu verhindern, so beschäftigten sie sich vorzugsweise mit Petitionen aller Art oder den Jndigenaten fremder Christen. So daß mit aller Mühe welche sich die Minister und ihre Parteigänger geben, es unmöglich ist, mehr als zwei oder drei Jndigenate von Juden wöchentlich votiren zu lassen. Am Samstag, den zwanzigsten d. M., hat man nur ein einziges Jndigenat votirt, nachdem das des Herrn Adolph Weinberg, eines hervorragenden Israeliten der Hauptstadt, zurückgewiefen wurde. Das Votum über die Naturalisation des Dr. Steiner ist für nichtig erklärt in Rücksicht darauf, daß die Kammer um vier Uhr nicht mehr vollzählig war. Sie verstehen, wenn das weiter so fort geht, wird es noch Jahrhunderte dauern, bevor die 40,000 rumänischen Israeliten gesetzlich anerkannt werden. In der That, die gesetzgebenden Körperschaften functioniren nur während dreier Monate im Jahre, diese drei Monate zählen nicht immer 12 Samstage; nehmen wir an, daß man fünf Jndigenate an jedem Samstag votirte, so hätten wir 00 Israeliten jährlich naturalifirt. Es bedürfte daher 666 Jahre bis die Israeliten Rumäniens von ihrem Baterlande den Bürgertitel erhielten. Ist dies nicht mehr als lächerlich? Wohlan, das ist die Lage, die uns durch den viel belobten Berliner Vertrag bereitet ist, das ist die Lösung, welche Rumänien dem Artikel 44 des berühmten internatiounterstützt werden und in offenkundiger systematischer Unterj nalen Vertrages von 1878 gegeben hat. Die Vertreter der drückung zum Ausdruck gelangen." j Großmächte sind da, um zu bestätigen, daß das, was ich hier Petersburg, 4. April. (Privatmitth.) Mit innigster, sage, die reine Wahrheit ist." Freude theile ich Ihnen folgendes Factum mit: Wie der i Bukarest, 31 März. Ist es die Scham über dieses „Russey Ewrey" berichtet, hat Herr S. Poljakoff einen ge-! schmähliche Verfahren, oder will man sich es noch leichter wissen Fond für die Einführung des hebr. Religionsunter- > machen, die Samstagssitzungen zu schwänzen und die Naturichts in den Gymnasien des litthauischen Rußlands bestimmt, ralisation von Juden unmöglich zu machen; das Präsidium Es ist überflüssig auseinanderzusetzen, wie wichtig und an der j Jjat beschlossen, fortan sollen die Jndigenatsgesuche auswär- Zeit eine solche Gabe ist. Gleichzeitig theile ich Ihnen mit, daß Herr Poljakoff, um die Liebe zum Judenthum und Kenntniß tiger Rumänen an jedem Tage auf die Tagesordnung gesetzt werden können, die der Juden nur am Samstag. i