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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-20 · Heft 16 (20.4.1880) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 16 (20.4.1880)
Date
1880-04-20
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 Augen für das Wirkliche, habe er sich doch früh gewöhnt, alle großen und entscheidenen Fragen im Schein des Ewigen zu betrachten. Nicht nur den Politikern, auch den Dichtern sei er ein treuer, ein klug berathendcr Freund gewesen, mit scharfem Uriheil in der urbansten Form. Seines Geistes Strahlen würden nicht verwehen, sondern in die fernste Zukunft Licht undWärnieverbreiten. — Die Alterversorgungsanstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde versendet ihren 50 Jahresbericht. Nach demselben befanden sich im Jahre 1879 durchschnittlich 88.58 Hospitaliten in der Anstalt, deren Erhaltung 53,315.52 Mk. kostete. Bier Hospitaliten sind gestorben. Das Capitalvermögen vermehrte sich uni 28,800 Mk. durch Stiftungen, Legate und Geschenke zum eisernen Fonds. Anfang dieses Jahres befinden sich 94 Hospitaliten in der Anstalt, welche jetzt bis auf den letzten Platz gefüllt, und da keine neue Aufnahme möglich ist, so ist der Bau einer neuen Anstalt dringend geboten. Doch ist zuvor die Existenz der alten Anstalt sicher zu stellen, da vierzig Procent ihrer Einnahmen unregelmäßige sind. Der Anstalts- Borstand wendet sich daher mit der Bitte an das wohlthätige Berlin, durch Stiftungen, Geschenke und Jahresbeiträge die alte Anstalt in ihren Einnahmen sicher zu stellen, um den Bau einer neuen Anstalt zu ermöglichen. — Der hiesige außerordentliche Prof. vr. Munk ist zum ordentlichen Mitgliede der Akademie d. Wissenschaften ernannt und vom Könige bestätigt worden. Berlin, II April. ^Privatmitth.) Es ist bemerkenswerth und kann unter Umständen von einiger Bedeutung werden, daß der einflußreichste Führer des Centrums, Abg. Windthorst bei jeder bezüglichen Gelegenheit auf die Gleichberechtigung der Juden dringt und zwar in ganz spontaner Weise. Wie sehr er hiermit zu der ganzen ultramontanen Presse in Widerspruch steht, ist einsichtlich. Man erinnere sich, wie es Windthorst war, der bei der Verhandlung über Entschädigung der Geistlichen für Einnahmen, die sie durch das Civilstandsgesetz verloren, energisch dafür, eintrat, daß auch die jüdischen Geistlichen Ersatz erhielten. Als in der gestrigen Sitzung des Reichstages beantragt war, von vr. Heeremann, die Geistlichen vom Militärdienst zu befreien und Windthorst für den Antrag eintrat, führte er aus, daß die darin festgesetzte Exemption natürlich auch zu Gunsten der Israeliten gellen müsse. Wir können dies bei dem Führer der Centrumspartei im Reichstage und im preußischen Abgeordnetenhause nur dankbar anerkennen. Vom Rhein, 9. April. (Privatmitth.) Es ist bemcrkenswerth, daß jedes Mal, wenn der Ultramontanismus irgendwo eine Niederlage erleidet, die ultramontane Presse, die „Germania" an der Spitze, ihre schmählichen Angriffe auf die Juden „mit ungeschwächten Kräften" erneuert. Es einem Lande vor sich ging, wo die Juden gar keinen Einfluß üben und offenbar mit dem Geschehnis; in gar keiner Beziehung stehen — vielmehr scheint es, als ob die deutschen Hctzkapläne nur nach einem Ventil greifen, durch welches sie ihrer inneren Wuth Luft schaffen können, und dieses Ventil ist ihnen das Schimpfen aus die Juden. So in diesen Tagen, nachdem die französische Regierung die Märzdekretc gegen die Jesuiten und die nicht autorisirtcn Orden erlassen hat. Sofort beginnt die „Germania" wieder ihre Leitartikel und Correspondenzen gegen die Juden. Der ihr so verhaßte Martin Luther muß in zwei Leitartikeln seine antijüdischen Expectorationen hergeben, und bildet hier für die „Germania" eine Autorität, die ihm sonst so heftig bestritten wird, und das breitgedruckte Wort „Jude" spielt überall, wo sich ihm etwas anhängen läßt, während alle Fälle verschwiegen werden, .wo ein Jude Opfer christlicher Bösewichter geworden. Nun wird doch Jedermann zugestehen müssen, daß die Juden an den französischen Märzdekreten so unschuldig sind, wie an den Mißverhältnissen zwischen China und Rußland. Aber dies hindert nichts. Wo sind die großen Hoffnungen geblieben, welche die Ultramontanen aus Frankreich setzten, das ihnen ein neuer Hort, eine große Festung schien, aus welcher sie ihre Heere über alle andern Länder, namentlich über Deuffchland und Italien ergießen könnten? Die armen Juden sollen es nun sein, welche diese bittere Enttäuschung zu empfinden haben sollen. Bonn, im April. (Privatmitth.) Das soeben ausgegebene Februar- und Märzheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen," enthält die Verzeichnisse der Personen des Ministeriums der geistlichen Unterrichts- und Medizinial- Angelegenheiten und der höchsten Behörden und Anstalten auf dem Unterrichtsfelde. Hier werden auch die sämmtlichen ordentlichen und außerordentlichen Professoren und Privatdocenten aller preußischen Universitäten namentlich aufgeführt. Bekanntlich gehört es zu den Stichwörtern der Judenfeinde, die Universitäten als von Juden überschwemmt darzustellen. Wir haben uns deshalb der Mühe unterzogen, die Zahl der sämmtlichen akademischen Lehrer, die gegenwärtig an den preußischen Universitäten und an den Akademien zu Münster und Braunsberg thätig sind, festzustellcn, und unter diesen wiederum die Zahl der zum Judenthum sich bekennenden. Unter den 468 ordentlichen Professoren giebt es gegenwärtig nur 7 Juden, so daß also auf 67 ein Jude kommt. Bekanntlich sind die ordentlichen Professoren an den preußischen Universitäten der überwiegend wichtigste Theil der Docenten, bei welchem die meisten Vorlesungen und zwar von dem größten Theil der Studenten gehört werden, während die Mehrzahl der außerordentlichen Professoren nicht einmal eine Besoldung erhält. kommt dabei gar nicht darauf an, ob diese Niederlage in>Es ist also von geringerer Bedeutung, daß unter den 218

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