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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-13 · Heft 15 (13.4.1880) · p. Seite 235

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 15 (13.4.1880)
Date
1880-04-13
Page
Seite 235 (sequence 11)
Language
German
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235 Zeichnungen ertheilt. Der eine Jsaac Aschkenasi, erhielt eine goldene Medaille und eine Geldunterstützung zu einer Reise; Gubichich aus Wilna bekam eine Medaille und Israel Fasso zwei silberne Medaillen. — Man schreibt von hier: Gras Loris Melikoff hat in den letzten Tagen Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde, die zugleich der .Alliance fsraelite1 angehören, empfangen und sie über die Ursachen befragt, welche so viele Juden in die Reihen der Nihilisten treiben. Die Herren machten ihn darauf anfmcrlsam, daß bei den bestehenden Einrichtungen die jüdische Jugend so eigentlich ohne jeden Religionsunterricht aufwachse, indem die Rabbiner selbst da nicht, wo es solche mit Universitätsbildung giebt, zum Unterrichte in den Gymnasien und Schulen zugelasien würden. Hier in Petersburg hat sich ein Rabbiner erboten, den Religionsunterricht unentgeltlich zu ertheilen; trotzdem lautete der Entscheid abschlägig. Selbstverständlich wird, so schreibt der hiesige Correspondent der ,N. Fr. Pr/, die lebhafte Betheiligung der jüdischen Jugend der südrussischen und westlichen Provinzen an der revolutionären Bewegung auch noch auf andere Ursachen zurnckzuführeu sein. — Für die Thatsache, daß unter den Nihilisten viele Juden seien, ist der Beweis nirgends geführt worden. Denn man weiß ja, wie, wo sich in einer verwerflichen Richtung nur ein paar Juden zeigen, alsbald die ganze Schuld auf die Juden abgewälzt wird. Daß dies in Deutschland täglich geschieht, ist hinlänglich bekannt. Warum dies nicht auch in Rußland der Fall sein soll, wäre nicht abzusehen. Bis jetzt sind jüdische Namen in die Reihe verurtheilter Nihilisten nur sehr selten aufgetaucht, und der, welcher die verbrecherische Hand gegen Loris Melikoff erhoben, war ge tauft. So gab man auch den schädlichen Hartmann für einen getauften Juden aus, weil er sich unter vielen anderen falschen Namen auch einmal den von Meyer beigelegt hat. Er ist aber, wie man jetzt berichtet, zu Archangel geboren und zur „rechtgläubigen russischen Kirche" aus einer andern Sekte übergetreten. Wenn die „N. fr. P." andentet, daß noch andere Ursachen vorhanden seien, um die Inden am Nihilismus theilnehmen zu laffen, so ist dies erklärlich, weil sie überhaupt keine Freundin des Religionsunterrichts ist, aber in sofern hat sic nicht Unrecht, als die Behandlung der russischen Juden in früherer und in gegenwärtiger Zeit, nach dem Gesetze und gegen das Gesetz durch die Beamten aller Rangstufen in jüdischen Jünglingen die durch Gymnasial- und Universitatsstudien zu einem höheren Bewußtsein als Menschen gelangt sind, eine tiefe Verstimmung Hervorbringen kann, und es finden sich dann verkümmerte Existenzen, die sich um so mehr eignen, in die schlimmsten Bahnen einzutreten. Petersburg, 30. März. Hiesige, sowie ultramontane und judenfeindliche Blätter im Auslände haben vielfach die Juden als in einem hohen Grade am Nihilismus betheiligt, angegeben, und daraus, wie cs die Art dieser Leute ist, besondere Schlüsse gezogen. Selbst die russische Regierung sollte der Ansicht huldigen, daß Juden ein Hauptelement der Nihilisten bilden sollten. Jetzt sind in Regierungsblättern selbst statistische Angaben veröffentlicht worden, nach welchen die Bctheiligung von Juden am Nihilismus zwar immerhin etwas über das numerische Verhältnis; der jüdischen zur Gesammtbevölkerung hinausgeht, aber gerade darum dennoch als für die ganze nihilistische Berveguug höchst unbedeutend erscheint, so daß sie gar nicht hervorgehoben zu werden verdient hätten. Nach „Bereg" bestanden die biejetzt ertappten Revo lutionäre zu dO Prveent aus Edellenteu, L meieren. ,Yhnn leutcn und Ehrenbürgern. Davon waren die Adeligen mit 26, die Geistlichen mit 1!», die Ehrenbürger mir 3 und die Lisi eiere mit 1 pCt. vertreten. Den Rest bilderen Juden und gebildetere Kanflente. Andere Zeitungen veröffentlichen eine Statistik der Nihilisten; die Summe derselben wird nicht angegeben, nur der Proeentsatz; 20 pEt. sind adelig, H> geistlich. 13 Bauern, v Kleinbürger, 7 Juden, 3 Ehrenbürger, I Militär; >3) pEt. waren Studenten, hiervon 32 Medieiner, 11 Techniker, 13 Agronomen, 20 gehörten niedrigeren Lehranstalten an. Von den Frauen sind 3l> Gymnasiastinnen, 25 Hebammen, 17 Mcdicinerinnen, und 111 gehörten zu anderen Justituteu. Marokko. Paris, 22. März. Hiesige Plätter schreiben: Ter Be Herrscher von Marokko fährt fort, die Israeliten seines Reiches wie wahrhafte Parias zu behandeln, und könnte bald aut seine Kosten erfahren, was es heißt, eine seinen Staaten fremde Bevölkerung zu unterdrücken. Ter Liberal, ein Madrider Blatt, glaubt, daß die Intervention Europas von Tag zu Tag nothwendiger loerde. Nach den Informationen dieses Journals hat der Gouverneur der Stadt Marokko die Niederreißung aller jüdischen Häuser, welche die Aussicht auf die Moscheen haben, aubefohlen. Sechs Inden, welche gegen diese Maßnahme protestirt hatten, haben die Basta nadcn erhalten und sind für tobt auf dem Platze geblieben. Tie Bevollmächtigten Frankreichs, Italiens und Portugals in Tanger haben gegen die Weigerung der'Naturalisation der aus wärtigen Marokkanischen Unterthaneu protcstirk. Ter Herr scher von Marokko hatte dieses Mittel ersonnen, um die Maßnahmen, welche die Vertreter des 'Auslandes zu Gunsten dieser Unglücklichen genommen, unwirksam zu machen. Madrid, 20. März. Tie in Madrid abzuhaltende internationale Conferenz über den Consularschutz in Marokko kann noch nicht eröffnet werden, weil die Vollmachten;ul Im-- einiger Gesandten, wie desjenigen der Vereinigten Staaten. i.'>*

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