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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-13 · Heft 15 (13.4.1880) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 15 (13.4.1880)
Date
1880-04-13
Page
Seite 233 (sequence 9)
Language
German
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233 Eultusgemeinden, die zu den verschiedenen Parteien oder Confessionen gehören und von einzelnen so viele Gratulationen, daß es mir unmöglich ist, jede separat zu beantworten. Es sei mir daher gestattet. Allen insgesammt aus einmal meinen besten Dank für ihre Anerkennung auszusprechen. Es ist der süßeste Lohn des im öffentlichen Leben ivirkenden Mannes, wenn seine Bestrebungen Erfolg lohnt, wenn seine Mitbürger ihn anerkennen und seine Worte in ihrem Herzen einen Widerhall finden. — Besonders werthvoll werden die erhaltenen Gratulationen durch den Umstand, daß in jeder derselben gerade jene meiner Gedanken ein Echo fanden, die ich über die Eultivirung, die Magyarisirung, über die Verschmelzung der ungarischen Judenheit mit unserem Staatsleben und der nationalen Cultur aussprach. Aus den Telegrammen und Briefen spricht namentlich die Freude darüber, daß der Schulfond, statt getheilt zu werden, als gemeinsamer Fond ungarischer Cultur der heimischen Judenheit gerettet wurde. Abgesehen von der Gerechtigkeit, faßte das ungarische Abgeordnetenhaus auch im Jnterefie dieser Ideen seinen Beschluß, und wenn unsere isr. Mitbürger seine Intentionen begeistert aufnehmen und verwirklichen, dann haben unsere Bestrebungen eine schöne Zukunft, worin die noch etwa sich zeigenden Antipathien, Mißverständnifie und Besorgnifie verschwunden sein werden. Mögen Sie Gott nach Ihrer Religion und anders als wir anbeten, aber in Sitten, in der gemeinsamen Bildung im magyarischen Sinn, in der Liebe zum Vaterlande und zu Ihren christlichen Mitbürgern werden Sie Eins mit uns; beginnen auch Sie einen Vernichtungskamps gegen Alles, was den Juden, außer seiner Religion in Anderem, in seinem moralischen Gefühl, in seiner Nationalität (sei es durch den Partikularismus, sei es durch den Kosmopolitismus) von seinen übrigen ungarischen Mitbürgern absondern, vor diesen verhaßt machen kann. Ich bin überzeugt, daß in demselben Maße, in welchem diese Bestrebungen zur Geltung gelangen, auch die hie und da sich manifestirenden Besorgnifie der Ansicht weichen werden, daß unsere jüdischen Mitbürger nicht nur gute Ungarn seien, sondern ein werthvolles Element des Fortschrittes in der Nation bilden. Empfangen Sie rc. Budapest, 19. März 1ü80 Aladär Molnär" Wir mögen immerhin den Gesinnungen Molnür's unsre Anerkennung zollen, gewahren aber auch in diesem Schreiben jenen Doctrinarismus, der wohl principielle Schlagwörter zu Tage zu fördern vermag, für die Wirklichkeit jedoch von zweifelhafter Natur ist. Wien, im März. Der Jahresbericht der 13. Generalversammlung des israelitischen Mädchenunterstützungs- Bereins zeigt uns nicht nur die günstige Finanzlage des Vereins, sondern auch die edelmüthigen Bestrebungen der Mitglieder defielben, — dessen Präsidentin, die Gattin des Dichters Ludwig August Frankls, Frau Paula Frankl v. Hohenwart ist, — sowie die kräftigen Unterstützungen, deren der Verein sich zu erfreuen hat, und die ihn in den Stand setzen, seine Ausgabe unbeirrt lösen zu können. Der Verein hat mit geringen Mitteln sehr Bedeutende-? erreicht." Uebcr 200 Schülerinnen sind in zn'eckmaßig eingerichteten Räumen uutergebracht, und dem Andrauge von Bewerberinnen, die sich alljährlich, um Ausnahme bittend, an den Verein wenden, konnte kaum genügt werden. Die die Fortbildungsschule im ersten Jahrgange besuchenden Schülerinnen, haben sämmtlich nach ihrem Austritte Aufnahme in höhere Lehranstalten, Fach- und Gewerbeschulen gesunden, und der Arbeitsschule, in welcher die Erwerbsfähigkeit in kürzerer Frist erlangt wird, ist eine besondere Sorgfalt zugewendet: in ihr ist jetzt auch ein Cursus für die Kunststickerei und für alle zur Haus-Industrie gehörenden Arbeiten errichtet, neben den schon bestehenden stark srequentirten Cursen für Weiß-Maschinennäherci und Schneiderei. Eine ergiebige Einnahmequelle scheint sich auch den Besucherinnen der Maschinenstrickstube erschlossen zu haben, deren Schülerinnen bisher stets dauernden und lohnenden Erwerb fanden. Bei der vor circa zrvci Jahren errichteten Dienstbotenschule galt cs, erst da? Vorurtheil der Schülerinnen zu bekämpfen; doch die Thatsache, daß die dort herangebildeten Zöglinge vortheilhaft placirt werden und seit 1*,..» Jahren zur Zufriedenheit der Hausfrauen wirken, spricht für dieses Institut. Wenn nun noch erwähnt wird, daß vielen der Schützlinge der verschiedenen Anstalten, die Wohllhat der freien Beköstigung auch zu Theil wurde, daß die Direction der Arbeitsschulen es sich zur Ausgabe gestellt hat, alle Zöglinge nach erfolgtem Austritt mit Arbeit und Beschäftigung zu versorgen, so bleibt uns nur noch hinzuzufügcn, daß der Verein auch recht erhebende Feste zur Freude und Anregung der Schülerinnen veranstaltete, und daß die würdigsten Schülerinnen der Fortbildungsschule von dem Schillerverein „Die Glocke" mit Prämien bedacht werden, bestehend aus „Schillers Werken" und 1 Dukaten. Die am Schillertage statt-, findende Uebergabe dieser Prämien bildet alljährlich eine erhebende würdige Schulfeier. Wir«, 26. März. (Privatmitth.) Herr Josef Ritter v. Wertheimer beging jüngst seinen achtzigsten Geburtstag. Er wollte ihn ganz in der Stille im häuslichen Kreise verbringen; doch gelang ihm dieses nicht, da seine zahlreichen Freunde und Verehrer nicht daraus verzichten wollten, ihn an diesem Tage zu begrüßen. Die Antisemiten in Deutschland haben es versucht auch hier Boden zu gewinnen und in mannigfacher Weise gestrebt Personen für ihre Zwecke zu angeln, doch ist Wien eben nicht der Boden für derartige Bestrebungen. Wie ich übrigens 1b

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