Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1880)
- Date
- 1880-04-13
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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231 canzlei ist jedoch nach wie vor unerschütterlich; nichtsdesto- * weniger verzichtet nicht nur die Landescanzlei mit Vergnügen aus die Dotirung, sondern opfert jeder Anhänger des Kongresses gern die Institution selbst, wenn es sich darum handelt, hierfür die Einheit und den Frieden der Confession zu erlangen. M. Schweiger beruft sich auf die dem Ministerium des Oefteren gemachten Vorstellungen, in welchen die nothwendige Sanctionirung der Organisations-Angelegenheiten betont wurde. Er acceptirt mit Vergnügen eine jede Verfügung, welche auf die Manifestirung der Einheit der Confessionen abzielt. Die Conferenz beschäftigt sich nun mit der Frage, ob die im Gebäude der Landes - Rabbinenschule erhaltene erste Gymnasialclasse noch weiter erhalten werde oder nicht. Der Minister setzt die Gründe und die Zwangslage auseinander, die ihn zur Errichtung dieser Classe bestimmt haben. Die Stimmung der Conferenz ist gegen die Idee eines jüdischen Gymnasiums. Schließlich gibt die Conferenz ihre Meinung dahin ab, daß schon bei Erledigung der diesjährigen Gesuche der Cul tusgemeinden um Subventionirung der Volksschulen das vom Minister proponirte Verfahren beobachtet werde. ©eilt-11 vcj > vi ac Xcxx. Deutschland. | Berlin, 1. April. (Privatmitth.) Die deutsche Publiciftik hat einen großen Verlust durch den nach mehrwöchentlichem asthmatischen Leiden plötzlich erfolgten Tod Heinrich Bernhard Oppenheim's erlitten. Es ist bemerkenswerth, daß derselbe seine lange literarische Laufbahn, namentlich die Reihe wichtiger politischer und volkswirthschastlicher Abhandlungen mit seiner bekannten Antwort an Treitschke in der „Gegenwart" schloß. Er war am 20. Juli 1810 in Frankfurt am Main geboren, war eine Zeitlang Privatdocent der Rechtswissenschaft an der Universität zu Heidelberg, lebte nach 1848 elf Jahre als Flüchtling im Auslande, redigirte nachher die Deutschen Jahrbücher, war 1873 — 1877 Mitglied des Reichstages und lebte als Schriftsteller in Berlin. Am bedeutendsten ist seine Schrift: „System des Völkerrechts" (1845. 1866). In den letzten Jahren führte er auch einen entschiedenen Kampf mit den Katheder-Socialiften, die ihm diesen Namen verdanken. — Am 29. März fand die Beerdigung Oppenheim's statt, an welcher sich eine große Anzahl Abgeordneter und Vertreter der Wissenschaft und Kunst betheiligten. Am Grabe sprachen Oberbürgermeister v. Forckenbeck, Friedrich Kapp und Berthold Auerbach ergreifende Worte, und wurde dann der Sarg unter großer Trauerbegleitung auf dem jüdischen Friedhofe unter Beobachtung der üblichen Ceremonien der Erde übergeben. Oppenheim, aus einer begüterten Familie Frankfurts stammend, war unverheirathet und fand in den Familien seiner beiden in Berlin verheiratheten Schwestern einen liebevollen Familienkreis. Hauuover, 31. März. (Privatmitth.) In der vergangenen Nacht verschied der rühmlichst bekannte Oberlehrer vr. M. Wiener nach längerem Krankenlager. Neben seiner praktischen Thätigkeit hat er sich wesentliche literarische Verdienste durch die Bearbeitung des Emek habacha, die Regesten und andere tüchtige Arbeiten erworben. Die A. Ztg. d. I. hat in ihm einen ihrer treuesten Correspondenten verloren. Wolfenbüttel, 29 März. (Privatmitth.) Je geringer die Zahl der höheren jüdischen Lehranstalten in Deutschland ist, desto mehr verdienen sie wohl eine sorgfältige Pflege auch durch die öffentliche Aufmerksamkeit. Zu den ältesten derselben gehört die hiesige Samson schule, von der uns der Bericht über das Schuljahr 1879—1880, erstattet von Director vr. Moritz Rosenstock, vorliegt. Diese Anstalt hat in der jüngsten Zeit einen verhältnißmäßig bedeutenden Aufschwung genommen. Sie ist vorzugsweise Pensionat und zwar mit 15 Freizöglingen, so daß die Zahl ihrer Externen nur gering ist. Die Zahl ihrer Zöglinge ist gegenwärtig 52 (gegen 45 des Vorjahres) und zwei Externen. Sie hat also 37 zahlende Pensionäre, von denen 12 Ausländer, 40 Deutsche sind. Die 4 Schüler, welche die erste Classe in diesem Jahre absolvirten, erhielten das Einjährig-Freiwilligenzeugniß, zu dessen Ertheilung die Anstalt das Recht hat. Es wirken an ihr 6 Lehrer, von denen 4 Studirte find; außerdem noch ein Zeichen-, ein Gesang- und ein Turnlehrer. Die Ziele der Schule sind schon durch das eben erwähnte staatlich ertheilte Recht bezeichnet; es werden die deutsche, französische, englische und hebräische Sprache gründlich gelehrt, und außer den selbstverständlichen Gegenständen auch Mathematik, Physik, Chemie, Naturgeschichte und kaufmännisches Rechnen, sowie auf den jüdischen Religionsunterricht sorgsamer Fleiß verwendet. Das hebräische wird außer dem eigentlichen Religionsunterricht (2 Stunden wöchentlich) in der 5.—3. Classe wöchentlich an 4 St., in den beiden oberen Classen in 3 St. gelehrt, und außer der Grammatik bis zur Lectüre des Jesaias gebracht. Die Behandlung der Zöglinge ist eine durchaus gemüthliche und die leibliche Pflege eine befriedigende. Wir können neben diesem begründeten Urtheil nur den Wunsch aussprechen, daß diese Anstalt, die be-