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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-13 · Heft 15 (13.4.1880) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 15 (13.4.1880)
Date
1880-04-13
Page
Seite 227 (sequence 3)
Language
German
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227 in seiner mittelalterlichen Gestaltung verblieben sein und deri bleiben wollen, so wäre es eine Streitfrage, inwiefern es noch j in den Rahmen der Cultur überhaupt und der Nationalität 5 insbesondere paffe, und in ihm zu dulden sei? Aber dies ist i nicht der Fall und die Gegner desselben müssen zugeben, daß I das Judenthum und seine Bekenner seit einem Jahrhundert, 1 d. h. seit ihnen die Thore dazu geöffnet worden, der lebhafi testen Culturentwickelung sich hingegeben haben. Selbst die; Orthodoxie hat sich diesem Einflüsse - nickt entziehen können, ' und von den sogenannten Orthodoxen ist in den eigentlichen Culturländern die Mehrzahl unbewußt den Reformern in . Form und Wesen ganz nahestehend. Es ist dies soweit ge- 1 kommen, daß die christlichen Orthodoxen zu klagen nicht müde werden: die jüdischen Orthodoxen seien gar nicht mehr orthodox und die jüdischen Reformer hätten gar kein Judenthum mehr. Wir brauchen diese Klagen nicht zurückzuweisen, denn die Thalsachen widerlegen sie täglich, und daß unter den modernen Juden Manche religionslos, ja antireligiös geworden, will für das Ganze nichts sagen, weil es eben in allen Religionen dergleichen Individuen und noch in ungemein größerer Zahl giebt. Mit welchem Reckte treten also jene nationalen Zeloten gegen das Judenthum auf und sagen ihm den Bernichtungskampf an? Aus keinem anderen Motive als aus einem leidenschaftlichen Zelotismus und mit der vollen Verletzung des Princips der Freiheit. Mögen sie aus der Phrase heraustreten; mögen sie wirkliche Gründe aufstellen und die Tatsachen bezeichnen — wir werden sie widerlegen und der Wahrheit ihr Recht verschaffen. Bis dahin aber müssen wir sie jeder richtigen Würdigung des wahren nationalen Lebens und der eigentlichen nationalen Sphäre baar, dagegen der despotischen Verletzung der Freiheit schuldig erklären. Möglich ist es, daß sich in einiger Zeit die beiden von uns gekennzeichneten Parteien vereinigen, und gegen Judenthum und Juden eine „christlich-nationale Partei" bilden. Damit würden sie nur die Verletzung des Rechts und die Verletzung der Freiheit miteinander verschmelzen, und sowohl dem Christenthume als der Nation einen tiefgehenden Schaden bereiten, weil unausbleiblich ihre Tendenz bald über die Juden hinausgehen und ganz andere Theile des Volkes und der Gesellschaft treffen und zum Widerstreit Hervorrufen, das Nationalitätsprincip zugleich mit Unrecht und Zwang identificiren würde. Das Judenthum aber wird auch diese Prüfung bestehen, und durch diesen Kampf in seiner Fortentwickelung gefördert werden. Die Eonferenzverhaudlunge» in Lu-apcli. Nach dem Beschlüsse des ungarischen Abgeordnetenhauses soll über die fernere Behandlung des Israelitischen Landes-Schulfonds der Minister für Cultus und Unterricht Conferenzen abhalten. Eine solche fand am 22. März statt. Bei der Wichtigkeit, welche die Berwaltungs- und gesetzgeberischen Factoren Ungarns dieser Angelegenheit bcimessen, und bei der eigenthümlichen Stellung, welche die religiösen Parteien der dortigen Juden gegen einander cinnehmen, halten wir es für angemessen, diese Sache auch weiterhin ernstlich zu verfolgen, und deshalb einen ausführlichern Bericht aus dieser ersten Conferen; zu geben. Es nahmen an ihr Theil: Staatssecretär Gedeon Tanürky, die Ministerialräthe Karl Szäß und Paul Gönczy, Sectionsraih Dr. Oscar Gömöry, Ministeral-Secretär Emerich Szalav, ferner Aladär Molnür, Dr. Ignaz Hirschler, Martin Schweiger, Dr. Josef Simon, Di-. Adolf Tatay, Ignaz Reich und Mayer Trebitsch. Minister Tr4fort legt der Conferenz mehrere Fragen vor, deren erste sich darauf bezieht: in welcher Weise für die gemeinschaftlichen Institute — Rabbinenschule, Lehrer-Prä parandie — das leitende Comitv zu constituiren wäre? Ignaz Reich erklärt, daß hier zwei Confcssionen interessirt sind, und da die berührte Frage eine religiöse ist, so könne er sich in keinerlei Verhandlung über dieselbe einlassen. Minister Trvfort: Wir stehen hier keiner dogmatischen, sondern blos einer einfachen Unterrichts-Angelegenheit gegenüber. Die Lehrer-Präparandie sowohl, als auch das Seminar wird bekanntlich von Söhnen jüdisch-orthodoxer Eltern frequentirt. 'Reich: Wir können unsere blinder in diese Anstalten nicht schicken. Minister Tr «fort: Und in eine Staatspräparandie ja? Reich: In die Verhandlung dieser Frage können wir uns nicht einlassen. Aladür Molnür: Dem Gesetze gemäß möge der Minister für die Lehrer-Präparandie einen Tirectionsrath ernennen, und zwar aus Israeliten ohne Unterschied der Partei stellung. In gleicher Weise hätte das auch in Bezug ans; das Rabbinen-Seminar zu geschehen. Diejenigen Agenden, - welche etwa der Commission nicht überantwortet werden könn- > ten, kann das Ministerium sich selbst Vorbehalten. , Dr. Ignaz Hirschler: Da von einem Dircctionsrathe - für Unterrichts-Anstalten die Rede ist, darf man nicht außer - Acht lassen, daß solche Personen in denselben nicht ernannt - werden können, von denen es notorisch bekannt ist, daß ihre Bestrebungen nicht auf die Beförderung der günstigen Entfaltung der Institute gerichtet sind. Redner meint, man könne für beide Institute einen Tirectionsrath ernennen. Die meisten Redner stimmen dem zu. Minister Tröfort legt als zweite Frage vor: In wcl - cher Weise werde der auf Schulsubventionen verwendbare Theil des Landes - Sckulfonds unter die petitionirenden Ge-

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